Zen

ZEN

Dein Hund muss sich 20 Sekunden lang von einem Leckerli in der Hand eines Fremden fernhalten. Es ist ein Zeichen erlaubt. Der Fremde darf deinen Hund nicht ansprechen oder locken, soll die Leckerchen aber auch nicht demonstrativ bewachen. Dein Hund sollte das Leckerchen hinterher nicht bekommen.

DARUM GEHT’S:

Es ist eine Sache, wenn dein Hund sich bei einem Leckerchen in deiner Hand beherrschen kann. Aber einer unbekannten Person, einem Kleinkind oder anderen Hunden etwas Essbares nicht zu klauen, ist ganz was anderes. Wenn du dieses Verhalten trainierst, blockiere deinen Hund nicht mit deiner Körpersprache und beschütze das Leckerchen auch nicht demonstrativ – das ist die Aufgabe der Hand, die das Leckerli hält!

ALLER ANFANG IST LEICHT:
Du arbeitest hier an zwei Kriterien: an der Dauer des Verhaltens und an einer Umgebungsvariablen – der fremden Hand. Die Dauer erhöhst du ganz genauso wie bei allen anderen Verhaltensweisen im Level 3, bei denen es auf Dauer ankommt. Du hast in den vorigen Levels bereits eine gute Basis gelegt und arbeitest jetzt einfach mit der 300-Pick-Methode weiter. Dein Hund hält sich von einem Leckerli in deiner Hand 10 Sekunden fern? C&B. 11 Sekunden? C&B. 12 Sekunden? C&B. Wenn dein Hund damit keine Mühe hat, kannst du ab jetzt auch in 2-Sekunden-Intervallen steigern. Wenn du bei 20 Sekunden angelangt bist, wahrscheinlich sogar in 5-Sekunden-Intervallen. Da du mit der Hand einer fremden Person im wahrsten Sinne des Wortes eine unbekannte Größe einführen wirst, musst du dafür wieder alle anderen Kriterien deutlich absenken. Bau daher die Dauer bis auf 30 oder 40 Sekunden auf, bevor du jemanden bittest, mitzumachen und deinem Hund das Leckerchen zu zeigen. Jetzt reduzierst du die Zeitdauer drastisch auf ein oder zwei Sekunden.

Hier steht Banner w200-leftZunächst fragst du jemanden, den ihr kennt; “fremd” heißt zu Beginn für deinen Hund einfach “jemand anders”. Zuallererst erklärst du deinem Helfer ganz genau, was er tun soll. Am besten übt ihr den Ablauf “trocken” ein, mit deiner Hand oder einem Spielzeugtier anstelle des Hundes, damit dein Helfer genau versteht, wie die Übung abläuft und was er tun soll. Wenn ihr dann mit dem Hund übt, verwendest du dein zusätzliches Hör- oder Sichtzeichen nicht mehr und lässt deinen Hund sich das Verhalten noch einmal ganz von Anfang an erarbeiten. Zen ist ein Verhalten, dass Hunde relativ schnell lernen. Möglicherweise könnt ihr die Zeitdauer ab 5 Sekunden in 5-Sekunden-Intervallen bis auf 30 Sekunden steigern, aber pass bitte gut auf und gehe sofort mit der Zeitdauer zurück, wenn dein Hund unsicher wird. Sobald dein Hund sich problemlos 30 Sekunden von einem Leckerchen in der Hand deines Freundes, besser noch, deiner Freunde, fernhält, kannst du mit einer unbekannten Person trainieren. Denke daran, dass die Person deinem Hund und nicht notwendigerweise auch dir unbekannt sein sollte.

Lies dir noch mal die Einleitung durch. Das Spiel “Hund in der Mitte” lehrt deinen Hund Fremde-Leute-Zen.

WAS IST, WENN…

… ICH KEINE HUNDENÄRRISCHEN FREUNDE HABE?
Das ist kein so großes Problem. Geh mit deinem Hund in einen Park und setz dich auf eine Bank. Früher oder später wird jemand vorbei kommen und deinen Hund streicheln wollen. “Oh, danke, dass Sie gefragt haben! Aber, da ich sehe, dass Sie ein Hundefreund sind, möchte ich Sie bitten, mir ganz kurz zu helfen, dem Hund etwas beizubringen? Das wäre ganz großartig. Ja? Oh, vielen Dank!”

WIE SAG ICH’S MEINEM HUNDE:
Zen ist ein großartiges Verhalten. Dein Hund passt nicht mehr auf, wenn ihr an anderen Menschen vorbeigehen wollt? Sag ihm, dass diese Leute nicht mit ihm spielen, ihn knuddeln oder füttern werden – gib ihm das Zen-Signal. Oh, da ist ein toter Vogel auf dem Gehweg – gib ihm das Zen-Signal. Da Zen so ein ungeheuer nützliches Verhalten ist, willst du es natürlich nicht abschwächen, daher verwendest du es bloß, wenn du die Situation kontrollieren kannst. Es bringt nichts, wenn du “Lass es! Lass es!” schreist, während dein Hund genüsslich den toten Vogel zerrupft oder jemandem gerade das Gesicht abschlabbert!

SO GEHT’S WEITER:
Spielt mit so vielen unbekannten Personen wie möglich Zen, und so unterschiedlich wie nur möglich: Kinder, Erwachsene, große kräftige Kerle, kleine zierliche Frauen, Menschen anderer Kulturen, Leute mit Hüten, Turbanen oder in Uniform. Wenn dein Hund auch nur ein wenig scheu oder misstrauisch ist, versuche baldmöglichst ein solides Zen zu erreichen, damit du deinen Hund bei Bedarf problemlos von Menschen fernhalten kannst. Danach konzentrierst du dich darauf, deinem Hund zu zeigen, dass Menschen auch nett und interessant sein können. Hast du bemerkt, dass Zen ganz anders funktioniert als ein Tadel oder ein Leinenruck, wenn dein Hund nicht auf dich achtet? Zen bedeutet nicht “ich sehe einen Menschen und dann wird es unangenehm”, sondern “dieser Mensch lohnt sich heute nicht für mich”.

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