Zen – Seite 2

Scharren funktioniert nicht. Knabbern funktioniert nicht. Ablecken und leichtes Nagen funktionieren nicht. Wenn der Hund deine Hand richtig lange bearbeitet, um an das Leckerli zu kommen, fantastisch! Denk an all die Ausdauer und den Enthusiasmus, den er zeigt, um das zu bekommen, was er möchte! Wenn du ihm erstmal erklärt hast, was funktionieren wird, wird er all das für dich verwenden. Wenn er nur kurz an deiner Hand schnuppert und dann das Interesse verliert, fantastisch! Deine Erklärung wird kurz und einfach!

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Wie bekommt dein Hund denn nun also das Leckerli aus deiner Hand heraus? Indem er seine Nase von deiner Hand wegbewegt! Japp, das ist schon alles, was er machen muss – einfach nur keine Lust mehr haben, an deiner Hand herumzuwerkeln und sich davonbewegen. Was ist, wenn er abhaut? Was ist, wenn er gar nicht erst an der Hand leckt? Was ist, wenn er zufällig weggeht? Na und? Egal! Es zählt nur eine Sache – hat er seine Nase von deiner Hand wegbewegt? Wenn ja, clicke und öffne deine Hand, so dass das Leckerli auf den Boden fällt.

Richtig, auf den Boden. Gib es ihm nicht. Du kannst deinem Hund natürlich Hand-Zen beibringen, indem du ihm das Leckerli direkt gibst, aber die Erklärung ist normalerweise kürzer und klarer, wenn du es auf den Boden fallen lässt. „Berühr meine Hand nicht” und dann „jetzt iss aus meiner Hand“ kann etwas verwirrend sein.

Und das ist auch schon alles. Schütze das Leckerli vor deinem Hund, bis er sich von deiner Hand wegbewegt. Clicke, wenn er das tut und lass‘ die Belohnung fallen. Warte auf den magischen Moment, an dem er begreift, wie er dich dazu bekommt, das nächste Leckerli fallen zu lassen.

WAS IST, WENN…

… ER MIR WEH TUT, ARGH!
Wenn dein Hund dir mit seinen Zähnen oder Krallen weh tut, hast du mehrere Optionen. Du könntest Handschuhe tragen oder das Leckerli unter einen Becher legen, anstatt es in deiner ungeschützten Hand zu halten. Du kannst es auf den Boden zwischen deine (gut beschuhten) Füße legen und es damit schützen. Du kannst deine Hand vor seinen Zähnen oder Krallen wegziehen, sie eine Weile weghalten (vielleicht versteckt in deiner Achselhöhle) und sie ihm wieder anbieten, wenn er alle vier Pfoten auf dem Boden hat. Wenn du das versuchst, musst du allerdings darauf achten, dass du das Leckerli weit weg hältst, nicht nur so weit, dass er danach schnappen wird. Wenn er von der etwas überenthusiastischen Sorte ist, könntest du auch AUA! rufen und ihm mit deiner Faust ganz leicht eins auf die Nase geben, um seinen übermäßigen Enthusiasmus zu bremsen.
Hier steht Banner w200-rightBeim Hundetraining ist dein wichtigstes Werkzeug deine Fantasie. Definiere dein Problem (Der Hund soll meine Hand nicht verletzen, wenn ich ihm Zen beibringe) und überlege dir, wie du erreichen kannst, was du möchtest. Lass dir komische und ungewöhnliche Wege einfallen, weil das Komische und Ungewöhnliche dich für echte Möglichkeiten offen macht.

… ICH DAS LECKERLI FALLEN LASSE UND ER ES NICHT FINDET!
Wenn der Hund nicht bemerkt, dass das Leckerli nach dem Click deine Hand verlassen hat, musst du ihm ein paar Hinweise geben, damit er aufmerksam wird und mitbekommt, dass jetzt Futter fallen wird. Mit einer dramatischen Handbewegung wirfst du das Leckerli nach unten, anstatt nur die Hand höflich zu öffnen, damit es auf den Boden fällt. Trainiere auf einem Fliesen- oder Linoleumboden mit trockenen Futterbröckchen, so dass er hören kann, wenn sie runterfallen. Benutze größere Leckerlis, die besser zu finden sind. Streng deine Fantasie an! Das ist die übliche Vorgehensweise bei Welpen und Hunden mit wenig Erfahrung darin, Leckerli auf dem Boden zu finden.

… ER MEINE HAND ANSTUPST UND DANN ZURÜCKWEICHT!
Das ist eine nette kleine Kette, die viele Hunde entdecken – fortgeschrittene Arbeit, welch clevere kleine Kerle! Viele Hunde finden heraus, dass das mit dem Leckerli folgendermaßen klappt: a) Hand anstupsen, b) von der Hand zurückweichen, c) Click und Belohnung. Leider wollten wir diese Kette gar nicht beibringen. Wir wollten eigentlich nur, dass der Hund von der Hand fernbleibt, um seinen Click und die Belohnung zu bekommen – ohne den Stupser vorher. Wenn du bemerkst, dass er deine Hand anstupsen will, bevor er zurückweicht, kannst du sie dabei etwas wegziehen und dann clicken, wenn er die Nase zurückzieht, weil er die Hand verfehlt hat. Oder du könntest clicken, wenn er sich auf deine Hand zubewegt, bevor er sie wirklich berührt.
Dieses kleine Missverständnis zeigt uns übrigens eine Menge über das Training an sich. Es beweist, wie unglaublich gelehrig ein Hund ist und wie schnell das Clickertraining sein kann. Es zeigt uns einen Hund, der eine Kette aus verschiedenen Verhaltensweisen lernt. Es zeigt uns außerdem, wie einfach es ist, einem Hund etwas beizubringen, was man ihm gar nicht beibringen wollte, wenn man nicht aufpasst. Es zeigt aber auch, wie einfach es ist, die Dinge wieder ins Lot zu bringen, wenn man erst einmal den Fehler bemerkt hat.

WIE SAG ICH’S MEINEM HUNDE:
Welches Wort kommt dir spontan in den Sinn, wenn du darüber nachdenkst, den Hund von etwas abzuhalten? Die üblichen Befehle sind “Pfui” und “Aus”. “Nein” kann auch verwendet werden, aber die meisten Leute haben die schlechte Angewohnheit, dem Hund ein “Nein” entgegen zu donnern, wenn er sich nach einem Bad schüttelt, wenn er Katzen jagt, wenn er das Schaf im Fernsehen anbellt oder auf den Teppich sabbert. Von einem Zeichen wollen wir aber, dass es dem Hund eine klare Information darüber vermittelt, was er tun soll.

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