Platz-Bleib

PLATZ – BLEIB

Dein Hund legt sich ins Platz. Du entfernst dich 12 m von deinem Hund und drehst dich zu ihm um. Ab jetzt läuft die Zeit – drei Minuten soll dein Hund trotz zweier kleinerer Ablenkungen liegen bleiben. Danach gehst du zu deinem Hund zurück, gehst an seine linken Seite, um ihn herum und stellst dich neben ihn (das nennt man einen formellen Abschluss). Es sind zwei Zeichen erlaubt: eines zum Ablegen, das andere für’ s Bleib beim Weggehen.


DARUM GEHT’S:

Jetzt arbeiten wir an vier Kriterien gleichzeitig: Entfernung, Zeitdauer, eine zusätzliche Ablenkung (eine war schon bei Level 3 dabei) und der formelle Abschluss, bei dem wir um unseren Hund herumgehen, um in die “Fuß – Position” zu gelangen.

ALLER ANFANG IST LEICHT:

Wie schon zuvor, arbeiten wir abwechselnd an Dauer und Entfernung: in Level 3 hatten wir drei Meter und eine Minute. Du fängst da an und erhöhst die Dauer allmählich auf 90 Sekunden; dann nimmst du wieder 60 Sekunden und steigerst die Entfernung auf 6 Meter. Jetzt arbeitest du wieder an der Zeitdauer; du bleibst bei den 6 Metern Entfernung, aber steigerst die Zeitdauer auf 90 Sekunden.
Dann wieder 60 Sekunden und schrittweise die Entfernung erhöhen, mit der Zeitdauer nachziehen usw. usw. Wie schnell du die Entfernung bzw. die Zeitdauer steigern darfst, sagt dir dein Hund: wird er unsicher, oder macht er gar Anstalten aufzustehen, sofort die Entfernung deutlich verringern und langsamer steigern.
Wenn ihr bei 60 Sekunden und 10 Metern angekommen seid, gehst du zurück auf 6 Meter und steigerst die Dauer auf 2 Minuten. Dann beginnst du wieder, vorsichtig abwechselnd Entfernung und Zeitdauer zu steigern, bis ihr 12 Meter Entfernung und 3 Minuten Zeitdauer erreicht habt.

Bis jetzt haben wir an Zeitdauer und Entfernung gearbeitet. Jetzt kommt das dritte Kriterium dazu – eine weitere Ablenkung. Bitte verlange nicht von deinem Hund, liegen zu bleiben, während Bälle an ihm vorbeifliegen, seine Kumpels um ihn herum toben oder Kaninchen über seinen Rücken hopsen. Es soll eine leichte Ablenkung sein: ein Kaninchen oder ein anderer Hund in großer Entfernung oder eine sehr schwache Ablenkung in der Nähe: ein Ball, der nur am Boden liegt, ein anderer Hund, der ruhig im Sitz oder Platz wartet. (Anm. d. Ü.: Absatz in Absprache mit Sue erweitert, da sie meint, dass wir fast immer zu schnell steigern und mit viel zu interessanten Ablenkungen üben.) Und du musst nun etwas Zeit und Mühe investieren. Verringere die Entfernung und beginne mit einer eher uninteressanten Ablenkung. Jede richtige Entscheidung deines Hundes – im Platz zu verharren – bringt ihm einen Click und eine Belohnung ein. Wenn die Ablenkung stärker wird, verringere wieder Dauer und Entfernung. Ihr beide sollt möglichst viele Erfolgserlebnisse haben!

Der formelle Abschluss ist in allen Bleib-Verhaltensweisen – Sitz-Bleib, Platz-Bleib und Steh-Bleib – gleich. Der Hund hält seine Position, während du auf ihn zugehst, rechts an ihm vorbeigehst (also an seiner linken Seite), um ihn herum – bitte nicht auf den Schwanz steigen – und mit dem Hund an deiner linken Seite in Fuß-Position stehen bleibst. Für das Halten des Blickkontaktes hat dein Hund schon unheimlich viele Clicks und Leckerlis kassiert. Es ist daher ziemlich unwahrscheinlich, dass er dich hinter sich verschwinden lässt, ohne sich nach dir umzudrehen.

Probier es mal so: Fang mit Sitz-Bleib an. Du stehst etwa einen Meter vor ihm. Kein Problem. Mach einen Schritt nach links und C&B, wenn er brav gewartet hat. Wenn er auch nur eine Pfote bewegt, ist das eine Nullrunde. Einen Schritt nach rechts, Hund verharrt im Sitz-Bleib? Super, Click und Belohnung. Wenn das gut klappt, machst du zwei Schritte nach rechts oder links. Das ist wieder eine tolle Gelegenheit, um die “300-Pick-Methode” einzusetzen. Stell zuerst mal fest, wie weit du nach rechts oder links gehen kannst, ohne dass auch nur eine Vorderpfote sich bewegt. Wenn er auch nur mit einer Pfote zuckt, verringerst du sofort wieder die Anzahl der Schritte deutlich und arbeitest dich wieder hoch. Bald wird er verstehen, und seine Pfoten fest auf dem Boden bleiben.

Wenn du etwa 3 m nach rechts oder links gehen kannst, änderst du deine Taktik. Du stehst etwa einen halben Meter vor deinem Hund. Jetzt machst du einen diagonalen Schritt zur Seite und in Richtung seines Schwanzes. Eine diagonaler Schritt nach rechts, zurück in die Ausgangsposition, C&B; ein diagonaler Schritt nach links und zurück in die Ausgangsposition, C&B. Dann versuchst du es mit zwei Schritten, dann mit drei. Und noch mal, wenn sich auch nur eine Vorderpfote hebt oder dein Hund gar Anstalten macht, aufzustehen, fängst du wieder ganz von vorne an, mit einem einzigen, kleinen, diagonalen Schrittchen. Er wird bald verstehen, dass er seine Vorderpfoten und sein Hinterteil auf dem Boden lassen soll.

Wenn du bis auf Höhe seiner Hüfte kommst, machst du einfach noch einen weiteren Schritt um seinen Schwanz herum und kommst an seiner anderen Seite vor. Du kannst jetzt an vielen Stellen clicken: Clicke, wenn du um sein Hinterteil herumgegangen bist und auf Höhe der anderen Hüfte bist. Clicke, wenn du an seiner Seite nach vorne kommst. Clicke, wenn du vorne angekommen bist. (Ach ja, du weißt noch, das nach jedem dieser Clicks sofort ein Leckerchen folgt? Und jeder Click bedeutet das Ende der Übung, wenn er das so will.)

So, und jetzt bauen wir das Ganze zusammen. Bring deinen Hund in ein Sitz-Bleib, geh etwa einen Meter gerade nach vorne, drehe dich um und sieh ihn an. Nimm ein Leckerchen in deine linke Hand. Bewege dich nach rechts vorne und schieb ihm das Leckerchen direkt in die Schnauze, wenn du an ihm vorbeigehst, so dass er weiß, dass er es gut macht. Du clickst dabei nicht, denn du willst die Übung nicht beenden! Geh weiter, um ihn herum und in die Fuß-Position. Zähle bis 5, Click und große Belohnung!

WAS IST, WENN…

… DAS JETZT EIN SITZ-BLEIB IST? WIR WOLLTEN DOCH EIN PLATZ-BLEIB TRAINIEREN!!

Ja, ja, ich weiß, aber es ist einfach leichter, dem Hund ein Leckerli in die Schnauze zu schieben, wenn er sitzt. Also übe ich den formellen Abschluss erst mal im Sitz-Bleib. Wenn er das verstanden hat, kannst du problemlos das Platz-Bleib für einen formellen Abschluss üben. Du arbeitest die Übung genauso ab, nur legst du deinen Hund vorher ab. Da dein Hund die Übung ja schon kennt und versteht, wird er das im Nu kapieren, und du brauchst dich nicht so oft bücken. Dadurch wird der Ablauf ruhiger, und dein Rücken wird es dir danken.

WIE SAG ICH’S MEINEM HUNDE:
Wie immer hast du dein Bleib-Zeichen nicht mehr verwendet, als ihr mit der neuen und schwierigeren Übung angefangen habt, aber nachdem dein Hund jetzt gelassen sitzen (liegen) bleibt, wenn du um ihn herumgehst, kannst du dein gewohntes Signal wieder geben.

SO GEHT’S WEITER:

Probiere auch die andere Seite: geh nach links um ihn herum in die “Fuß – Position” an deiner rechten Seite. Mach die Kreise um ihn herum größer. Und noch etwas größer. Mach dichte, enge Kreise um ihn. Kannst du über ihn drüber steigen? Übt Platz-Bleib an verschiedenen Orten. Um ihn für den Level 5 vorzubereiten, übt ihr auch an Stellen, wo er dich teilweise (aber nicht ganz) aus dem Blick verliert: du kannst einen großen Blumentopf, einen niedrigen Busch oder einen Sessel einbeziehen. Und übt an Plätzen, wo richtig viel Verkehr ist – nur Menschen und Hunde. Keine Autos, keine LKW’ s – übt bloß nicht auf dem Mittelstreifen der Autobahn oder an anderen gefährlichen Stellen!

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