Pflege und Umgang

PFLEGE UND UMGANG (Wahlfach)

Der Hund löst sich innerhalb von zwei Minuten auf ein Zeichen hin.

DARUM GEHT’S:
“Pflege und Umgang” bedeutet nicht nur “die Hand am Hund”. Es umfasst auch andere Verhaltensweisen, die es dir erleichtern, deinen Hund mit hinaus in die weite Welt zu nehmen, egal ob er dich “nur” begleitet oder ob ihr an Wettkämpfen teilnehmen wollt. Für Behindertenbegleithunde ist es unverzichtbar.

Und wenn dir wirklich keine einzige sinnvolle Anwendungsmöglichkeit für dieses Verhalten einfällt, lass mich dir eine kleine Geschichte erzählen. Als ich noch in der Stadt lebte, führte ein Mann seinen Zwergpudel täglich, und damit meine ich wirklich jeden Tag, gleich nach dem Mittagessen in meiner Gegend spazieren. Und täglich, wirklich jeden Tag, gestattete er seinem Hund, sich in meinen Vorgarten zu setzen und dort sein Geschäft zu verrichten. Der Hund setzte sich immer auf die gleiche Stelle meines Rasens und der Mann stand jedesmal dabei, guckte dem vorbeifahrenden Verkehr nach und tat so, als würde er nichts merken. Und dann ging er weiter und ließ den Haufen auf meinem Rasen liegen. Zuerst dachte ich, ich könnte ihn beschämen, indem ich ihn von meinem Fenster aus betont anstarrte. Nichts. Dann setzte ich mich auf meine Eingangsstufen und beobachtete ihn. Nichts. Schließlich schnauzte ich ihn an, er solle es wenigstens wegräumen. Nichts. Schließlich, als ich einmal fünf Riesenschnauzer im Haus hatte, meine drei und zusätzlich noch zwei von Freunden, sah ich, wie er seinen Hund auf meinen Rasen k…ließ und weiterging. Als er ein paar Häuser weitergegangen war, kam ich mit allen fünf Riesenschnauzern an der Leine aus dem Haus. Er lebte etwa acht Häuserblocks entfernt und wir folgten ihm den ganzen Weg bis zu seinem Haus, etwa einen viertel Block hinter ihm. Als er ins Haus ging, blieben wir auf seiner Einfahrt stehen, und auf ein Zeichen hin verrichteten alle fünf Riesenschnauzer ihr Geschäft auf seiner Wiese, während er am Fenster stand und zusah. Als sie damit fertig waren, lächelte ich ihn an und verbeugte mich und dann gingen wir heim. Ich weiß nicht, in welchem Vorgarten der Zwergpudel danach sein Geschäft verrichtete, aber es war jedenfalls nicht mehr meiner.

ALLER ANFANG IST LEICHT:
Hier geht es nicht darum, dem Hund irgendetwas beizubringen, du musst lediglich ein Verhalten mit einem Zeichen verknüpfen. Dazu wartest du ab, bis der Hund das Verhalten von sich aus zeigt, und sagst ihm dabei, wie das Wort dafür ist. Etwa so: “Übrigens, das was du gerade machst, das heißt ‘Schnittchen’, in Ordnung?” Wenn der Hund fertig ist, sag ihm, dass er das toll gemacht hat und gib ihm ein Leckerchen, aber nicht clicken! Wahrscheinlich unterbricht er sein Geschäft, wenn du clickst, selbst wenn er eigentlich noch gar nicht fertig war.

Wenn du in etwa 50 Mal das Wort gesagt hast, während er beschäftigt war, sagst du es ganz kurz bevor er anfängt: “Stell’ dir vor – du machst jetzt gleich ‘Schnittchen’!” Wenn du sein Geschäft etwa 50 Mal angekündigt hast, kannst du es als die erste wichtige Handlung beim Rausgehen einführen: “Na, Wauzi, was hältst du von Rausgehen und ‘Schnittchen’ machen?” Belohne das Verhalten weiterhin.

Jetzt hast du eine Grundlage, auf der du weiterarbeiten kannst. Als nächstes nimmst du deinen Hund an die Leine, wenn er raus muss. Großartig, er kann Pipi machen und sein großes Geschäft verrichten, wenn du ihn ohne Leine raus lässt, und es sieht tatsächlich so aus, als ob er es schon mit einem Signal verknüpft hätte. Aber wenn er es nicht auch an der Leine kann, nützt es dir nicht viel. Wenn dein Hund an der Leine ist, hast du ein Kriterium verändert, also fängst du wieder von vorne an.

DAS GROSSE GEHEIMNIS:
Und nun verrate ich dir das ganz große Geheimnis, wie man den Hund mit einem Wort dazu bringt, sich zu lösen: Zeitbegrenzung. Anstatt stundenlang mit deinem Hund draußen auf und ab zu laufen, und darauf zu warten, dass dein Hund na du weißt schon was macht, begrenzt du einfach die Zeit. Wenn du mit ihm raus gehst, hat er zwei Minuten Zeit, um zur Sache zu kommen. Das ist alles. Bring ihn zu seinem Lieblingsplatz. Versuche, dich ganz normal zu benehmen, mach also kein Trara und lenke ihn nicht ab. Dein Hund sollte sich andererseits aber auch nicht auf den Boden kauern und sich wünschen, dass er schon wieder daheim wäre. Zeig ihm seine Toilette, lass ihn schnüffeln, führe ihn ganz langsam umher. Wenn er sein Geschäft macht, gib ihm ein Leckerli und lobe ihn, geh mit ihm nach Hause und spiele ein paar Minuten mit ihm.

Wenn er in dem vorgegebenen Zeitraum nichts zustande bringt, sag nichts, geh einfach mit ihm heim und fertig. Eine Stunde später – eine halbe Stunde, wenn er noch sehr klein ist – wiederholst du das Ganze. Aber er bekommt nicht mehr als zwei Minuten. Das Verhalten an sich ist nicht kompliziert – entweder, er tut’s oder er tut’s nicht, und er wird immer so lange dafür brauchen, wie er gelernt hat, dass er brauchen darf.

WAS IST WENN…

… ER SICH EINFACH NICHT LÖSEN WILL?
Doch, er will schon. Wenn er muss, will er auch. Wenn du ihm zwei Minuten gibst und er nichts macht, dann muss er halt nicht. Eine Stunde später drückt es ihn vielleicht. Gib ihm jede Stunde zwei Minuten, bis er machen muss, und dann macht er auch irgendwann. Garantiert. Es ist deine Sache, ihm klar zu machen, dass er nur zwei Minuten hat, um sich zu erleichtern. Sag’ ihm bloss nicht, dass er auch zehn Minuten haben kann, sonst wird er sie sich nehmen!

SO GEHT’S WEITER:
Gewöhne ihn an unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten. Viele Hunde bleiben in der Ausbildung stecken und lösen sich nur auf Gras, oder nur auf Asphalt. Achte darauf, dass dein Hund wirklich überall auf dein Zeichen reagiert. Wenn du zu einem anderen Boden wechselst, z.B. von Gras auf Asphalt, geh nicht auf den ursprünglichen Boden zurück, bis dein Hund sich problemlos auf deine Aufforderung hin auf dem neuen Boden löst.

Ich war einmal in einem Trainingszentrum mit einem Abwasserlauf in der Nähe der Eingangstüre. Nachdem ich dort einige Wochen gearbeitet hatte, wobei ich die Hunde zum Lösen zu dem Abwasserlauf geführt habe, führte das zu einem ausgeprägten “Erleichterung auf dem Abflussgitter”-Verhalten, das uns noch oft nützlich war.

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