Gary Wilkes: Was Clickertraining NICHT ist…!

Ein Artikel, den ich vor vielen Jahren mal von Gary Wilkes (amerikanischer Trainer und Mitbegründer des Clickertrainings für Hunde) übersetzt habe. Aktueller denn je, wie ich finde. Man möge mir die holprige Übersetzung verzeihen….

Frei nach Gary Wilkes ( http://www.clickandtreat.com )

Was Clickertraining nicht ist…!

Die drei häufigsten Meinungen über Clickertraining sind: Es ist die Trainingsmethode schlechthin, es ist eine vorrübergehende Modeerscheinung und Lärmbelästigung, es ist so bedeutend wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt. Letztere zwei Meinungen entstehen oft, nachdem man zu viel von der ersten Meinung gehört hat. Tatsächlich klingen die Phrasen mancher Clickertrainer wie eine Mischung aus Werbeslogan und einer Art religiöser Selbsterfahrung.
Welche dieser drei Meinungen letztendlich Deinen Trainingsstil beeinflusst, hängt nicht zuletzt davon ab, daß Du weisst, was Clickertraining ist – und was es NICHT ist.

Die 10 grössten Missverständnisse über Clickertraining:

1) Clickertraining ist “nur positiv”

Keine Trainingsmethode ist “nur positiv”. Nach naturwissenschaftlicher Definition bedeutet das Vorenthalten einer in Aussicht gestellten Belohnung eine “negative Bestrafung”. Trainer, die von sich sagen, dass sie “nur motivierende” oder “nur positive” Methoden gebrauchen, drücken damit lediglich aus, dass nicht gerne bestrafen. Nun, wer tut das schon?
Es ist nicht so, daß Clickertrainer gar keine aversive Kontrolle einsetzen, sie tun es lediglich zu einem anderen Zeitpunkt des Trainings. Beim Clickertraining wird aversive Kontrolle grundsätzlich nicht eingesetzt, um ein Verhalten zu erlernen. Notwendige Korrekturen werden fast ausschließlich nach Abschluß des Lernvorgangs gemacht, nachdem der Hund ausreichende Kenntnisse über das erwünschte Verhalten hat. Wenn Du Dich an diese Reihenfolge hältst, wirst Du überrascht sein, wie selten Dein Hund Korrekturen benötigt.
Aber es wird immer ein Zeitpunkt kommen, an dem Du Deinem Hund vermitteln musst, dass Gehorsam nicht zur Wahl steht.

2) Clickertraining wurde von Delfintrainern erfunden.

Nein. Die ersten Menschen, die die operante Konditionierung aus dem Labor übertrugen, waren Keller und Marian Breland, zwei Studenten von B.F.Skinner. Sie trainierten mit Hunden, in den 40ern des letzten Jahrhunderts. Erst Mitte der 50er entwickelten Keller/Breland das Training mit Meeressäugern. Beide Trainingsformen haben ähnliche Ursprünge. Aber: Hunde sind keine Delfine!
Zum Beispiel können Meeressäuger zu jeder Zeit des Trainings UND der Vorstellung belohnt werden – vergleichbar mit einer Hundeprüfung, bei der es erlaubt ist, zwischendurch mit Futter zu belohnen. Beim Training mit Delfinen oder Walen kommt es kaum zu mehr als vier oder fünf gezeigten Ausführungen von erwünschten Verhaltensweisen oder Tricks, ohne eine Belohnung zu erhalten. Von Hunden wird erwartet, daß sie weitaus längere Zeiträume ohne Futterbehlohnung arbeiten.
Es gibt viele grundlegende Unterschiede dieser zwei Trainingsgebiete dass der Versuch, Trainingsmethoden von Meeressäugern direkt auf Hunde zu übertragen, entweder nicht das ganze Potential des Hundes ausschöpft oder ganz scheitert.

3) Man kann einem Tier alles mit dem Clicker beibringen

Nein, es gibt Grenzen. Hunde haben Instinktverhalten, die durch keine Art der Konditionierung kontrollierbar sind. (Und ich habe viele dieser Hunde in den letzten Jahren gesehen). Die Idee, daß man mit Clickertraining alles erreichen kann, ist Wunschdenken derjenigen mit beschränkter Erfahrung. Wer meint, mit Clickertraining liese sich jedes Trainingsziel erreichen, überschätzt die Bedeutung des Clickertrainings – es gibt einige schöne, bemerkenswerte Trainingserfolge, die nur zu Tage treten wenn man einen Clicker benutzt, ansonsten ist Clickertraining anderen Methoden gegenüber gleichwertig.

4) Clickertrainer benutzen ausschließlich Futter, um ein Verhalten zu belohnen.

Nein. Futter ist ein großartiger Bestärker in vielen Situationen, hat aber einige offensichtliche Einschränkungen. Ein cleverer Trainer benutzt seine Stimme, Lob mit hoher Stimme, seine Zuneigung, Bälle, Quietscher oder sonst irgendwas, wofür Hunde gerne arbeiten. Wer nur mit Futter belohnt übersieht, daß Hunde – je nach momentaner Motivation – durch ganz andere Dinge in ihrem Verhalten bestärkt werden können.

5) Man kann Clickertraining nicht im Gruppenunterricht anwenden, weil die vielen Clicks die Hunde verwirren

Nachdem ich jahrelang Clickergruppen unterrichtet habe, muß ich darüber etwas lächeln. Hunde haben ein besseres Gehör wie wir und sie lernen schnell, nur auf den Click ihres Herr-/Frauchens zu achten und all die anderen Clicks zu ignorieren. Ein angenehmer Nebeneffekt dieses Trainings ist – die Hunde tendieren schnell dazu, sich auf ihren Menschen zu konzentrieren – weil sie nur so erfolgreich sein können. Mein Rat für diejenigen, die besorgt sind, daß Clickertraining im Gruppenunterricht die Hunde verwirrt, ist (frei nach dem “Nike”-Slogan):
Just do it!

6) Der Clicker ist ein schlechtes Hilfmittel, weil man ihn nicht in Prüfungssituationen benutzen kann.

Du musst bedenken, dass der Clicker vor allem ein Trainingshilfsmittel ist, weniger eines für Vorführungen. So gesehen ist der Clicker genauso einzuordnen wie eine Leinenkorrektur – beides kann Verhalten formen, beides ist aber kein Mittel während der Vorführung. Mit dem Clicker in den Ring zu gehen, ist etwa genau so, wie wenn Du auf einem Gala Dinner ein Baströckchen tragen würdest. Wenn Du glaubst, während einer Prüfung nicht ohne Clicker auszukommen, ist’s wahrscheinlich noch zu früh für diese Prüfung.

7) Ein Lob (“fein”, “brav”, “ja”) funktioniert genauso gut wie der Clicker.

Nein. Es gibt noch immer einige Leute, die eine Allergie gegen den Clicker zu haben scheinen, obwohl sie wissen, wie gut er funktioniert. Nachdem ich beides mehrere tausend male benutzt habe, kann ich dir versichern, dass Du den Unterschied zwischen einem Click und einem Lobwort schnell erkennen wirst. Das Wesentliche dieser Methode ist ein zeitlich präzises Signal, dass erwünschtes Verhalten kennzeichnet. Worte sind weit weniger effekiv um erwünschtes Verhalten zu kennzeichnen, als ein markantes, kurzes Geräusch wie ein Click. Dies bedeutet aber nicht, dass Clickertrainer in jeder Trainingssituation ausschließlich den Clicker benutzen. Der Clicker ist nicht das einzige Trainingstool, dass wir in verschiedenen Sitationen benutzen können.

8) Wer einen Clicker benutzt um Instinktverhalten (wie Hüte- oder Schutzarbeit) zu verändern, zerstört damit den Trieb des Tieres.

Nein. Alle Trainer arbeiten mit Instinktverhalten als Grundlage ihres Trainings. Hütehund- oder Schutzhund-Trainer verändern laufend Instinktverhalten, nur benennen sie es anders, z.B. “Schutztrieb, Beutetrieb, Wehrtrieb, etc”. Egal wie Du es nennst, wenn Du den Clicker seiner Verwendung gemäß einsetzt um deinem Hund Informationen über das erwünschte Verhalten zu geben, wird doch die (Primäre) Motivation (der sogenannte “Trieb”) der Antrieb für Deinen Hund sein, gute Leistung zu bringen. Der Clicker ist vor allem ein großartiges Hilfsmittel für den Feinschliff eines triebstarken Hundes, der schwer zu kontrollieren ist.

9) Clicker trainierte Hunde sind unzuverlässig und bieten ständig irgend ein Verhalten an, nur um eine Belohnung zu bekommen.

Es ist richtig, dass Clicker trainierte Hunde in den Trainingsphasen weitaus kreativer sind, als traditionell trainierte Hunde. Dies ist einer der größten Vorteile dieser Methode. Beim Festigen eines bereits gelernten Verhaltens jedoch verwendest Du Bestärkung und Korrektur genau so, wie beim traditionellen Training. Wenn Dein Hund zum Beispiel im Alltag anfängt, anderes Verhalten anzubieten, sag einfach “Nein”. Er wird schnell erkennen, dass Kreativität während des Trainings gefragt ist, im Alltag aber Präzision und Genauigkeit. Es gibt viele, sehr zuverlässig arbeitende Rettungs- und Suchhunde und viele Behindertenbegleitunde, die alle mit dem Clicker trainiert wurden. Zuverlässigkeit hängt nicht davon ab, ob man mit dem Clicker oder etwas anderem arbeitet, sonder vor allem davon, wie gut man mit seinem Training das Temperament des Hundes erfassen und seine Leistungen fördern kann.

10) Clickertrainer sitzen nur da und warten, bis der Hund Verhalten anbietet.

Nicht sehr lange. Clickertraining beinhaltet vor allem, möglichst viele Wege zu entdecken, erwünschtes Verhalten hervorzurufen. Es wird z.B. der Targetstick benutzt um die Zeit, bis der Hund zufällig das richtige Verhalten anbietet, abzukürzen und damit ein gutes Ansatzverhalten, mit dem man weiter arbeiten kann, zu erhalten. Einfach nur abzuwarten, bis der Hund zufällig das richtige Verhalten anbietet, hat meiner Meinung nach nichts mit effektivem Training zu tun.

Nach vielen Jahren und ca. 3000 Hunden Trainingserfahrung weiß ich die Möglichkeit, erwünschtes Verhalten mit dem Clicker zu formen sehr zu schätzen, bin mir aber auch über die Grenzen der Anwendung bewusst geworden. Mein Ziel ist es, Dir hier einen objektiven Einblick in das Training zu geben und einige Anregungen um die Möglichkeiten des Clickers ausschöpfen zu können. Versuche es und Du wirst selbst schnell herausfinden, worum’s beim Clickertraining wirklich geht.