Ein tolles Hundespiel – Hund in der Mitte

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(Anm.d.Ü: Im O-Text “Monkey in the middle” – “Affe in der Mitte”. Die Kinder formen einen Kreis und werfen sich gegenseitig einen Ball zu, den eine Person in der Mitte, der Affe, abfangen muss. Hier ist halt ein Hund in der Mitte).

Organisiere genug Mitspieler, die sich in einen geschlossenen Kreis setzen, so dass der Hund nicht einfach aus dem Kreis heraus kann. Das Spiel kann man gut mit etwa 6-12 Personen, je nach Sportlichkeit und Größe des Hundes, spielen. Wenn du mit weniger Leuten spielst, spielt es in einer Ecke, an einem Zaun oder schließt die offene Seite des Kreises mit irgendwelchen Dingen, die gerade zur Hand sind. Jeder Mitspieler hat wunderbare Leckerchen und der Ausbilder sitzt mit den Mitspielern im Kreis.

Das Spiel kann man auf zwei verschiedene Arten spielen. Ziel des Spieles ist es, den Hund “auszugleichen”. Scheue Hunde, zurückhaltende Hunde und Hunde, die nicht gerne zu Menschen kommen, um sie zu begrüßen, spielen es auf eine Art. Unerschrockene Hunde, Draufgänger und Hunde, die prinzipiell ihre Ausbilder ignorieren, spielen es auf eine andere Art.

Bei scheuen Hunden füttert jeder außer dem Ausbilder den Hund. Manchmal beginnen wir das Spiel, indem jeder seine Augen abwendet und die flache Hand mit dem Leckerli vor sich hält, manchmal lassen wir die Leckerli auch auf den Boden fallen. Der Ausbilder gibt dem Hund keine Leckerchen, er darf ihn aber begrüßen, wenn der Hund zu ihm kommt. Die anderen Mitspieler können, müssen aber den Hund nicht rufen, das hängt ganz von der Reaktion des Hundes ab. Gelegentlich kann ein Mitspieler auch seine Hand ausstrecken, so dass der scheue Hund eine Hand berühren muss, um aus der anderen Hand sein Leckerli zu bekommen, aber niemand versucht, ihn aktiv zu berühren oder anzufassen. Das ist eine wunderbare Erfahrung für den Hund. Nach einem oder zwei Durchgängen sollte er sich darauf freuen, in den Kreis zu gehen und mitspielen zu dürfen. Mit der Zeit wird er fremden Leuten gegenüber etwas gelassener, entspannter und freundlicher, kurz ausgeglichener sein.

Hier steht Banner w200-rightFür Draufgänger wird das Spiel genau andersherum gespielt. Der ganze Kreis hat Leckerli, aber niemand – außer dem Ausbilder – gibt ihm welche. Der gesamte Kreis – außer dem Ausbilder – spielt Hand-Zen mit ihm. Niemand belohnt ihn in irgendeiner Art und Weise. Niemand spricht mit ihm, guckt ihn an oder streichelt ihn. Wenn er an jemandem hochspringt, steht derjenige auf und dreht sich weg. Null Kommunikation, wenn er jemanden begrüßen will. Alle anderen Mitspieler versuchen, den Hund zu sich zu rufen, sie rufen “Hallo, Wuffel, hier bin ich!” oder “Willst du ein Leckerchen?”, sie schnalzen mit den Fingern und pfeifen (bitte ruft ihn nicht bei seinem Namen oder mit seinem Komm-Signal, das ist nicht nur unfair, sondern auch noch kontraproduktiv). Aber sobald der Hund bei ihnen ist, schotten sich die Mitspieler total ab. Früher oder später, wahrscheinlich eher per Zufall, landet er bei seinem Ausbilder, der ihm fünf tolle Leckerchen nacheinander gibt und ihm dann sagt “Los, spiel weiter”. Wenn sie das hören, rufen die anderen Spieler wieder den Hund. Und ziemlich bald wird auch der unbekümmertste Bruder Leichtpfote sein Herrle oder Fraule für kein Leckerli der Welt verlassen! Es gibt auch noch die Variante, Fußboden-Zen zu spielen: Die Leckerchen liegen auf dem Boden und die Mitspieler stellen ihren Fuß darauf, wenn der Hund kommt.

Eines der vielen Dinge, die ich an diesem Spiel mag, ist, dass der Hund lernt, dass andere Leute total uninteressant sind, ohne ihn dabei aber zu ängstigen oder scheu zu machen.

Spielt dieses Spiel einige Minuten, bevor ihr mit der wöchentlichen Hundestunde oder dem Hundetreff beginnt. Nach einigen Wochen entscheidet ihr je nach Tagesform des Hundes, welche Variante ihr heute spielt. Dann wisst ihr, dass euer Hund wirklich ausgeglichen im Umgang mit anderen Leuten ist.

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