Clickertraining – der andere Weg?


10 Wochen alter Boxerwelpe zeigt “Sitz”.

Ohne Emotionen betrachtet ist Clickertraining weder neu noch revolutionär. Es nützt die Lerngesetze, die die Natur schon vor uns kannte, und dem jedes sogenannte höhere Lebewesen unterliegt: Lernen am Erfolg und Mißerfolg.

Und doch ist das “Clickern” ein wenig revolutionär, denn es ist der Ausbruch aus einer sich stetig enger drehenden Spirale, die manch absurdes in der Hundeszene zustande bringt, allzu menschliches und so gar nicht passend im Umgang mit dem Hund.

Erziehung durch hemmende Maßnahmen

Viele Jahre wurde meist nach dem Prinzip gelebt: Unerwünschtes Verhalten muß gehemmt werden. Wer sich auf dem Markt für Hundezubehör umsieht, kann wahre Folterinstrumente entdecken. Fast alle Hilfsmittel zielen auf eines ab: Zu hemmen/”strafen”, einzugrenzen, Schmerzen zuzufügen. Kontrolle zu haben – mechanische.
Einige möchte ich hier nennen, und es sei dem Leser überlassen, darüber nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen: Das Teletakt, ein Halsband, welches mittels Fernbedienung Stromstöße unterschiedlicher Stärke im Nacken des Hundes erzeugt. Die Koralle, ein Metallhalsband, das sich bei Zug oder Ruck bis zu einem gewissen Grad zusammenzieht und mit stumpfen Metallzacken auf den Hals des Hundes einwirkt. Das Oberländerhalsband, das mit spitzen Metallzacken arbeitet. Das Würgehalsband, das sich bei Ruck oder Zug ohne Begrenzung zusammenzieht. Master Plus, ein Halsband, das mittels Fernbedienung Preßluft erzeugt und dem Hund an den Fang bläst, manchmal wird auch Zitronenduft hinzugefügt. Bell-Ex, ein Halsband, das einen Zitronenduft verstößt, wenn der Hund bellt. Wurfketten, handliche Geschosse, die mehr oder weniger laut klappern, wenn sie auf den Boden geworfen werden – Disc Scheiben funktionieren nach dem gleichen Prinzip.


Belohnung muß nicht nur Futter sein.

Und der Hund…

All jene Hilfsmittel sind ein Zeichen dafür, wie sehr der Mensch, aus welchen Gründen auch immer, Kontrolle sucht. Der Hund, seit Jahrtausenden Begleiter des Menschen, so vertraut, so nah und bekannt erscheint er uns, daß wir manchmal aufhören zu fragen, ob wir ihn wirklich kennen und kennenlernen wollen und wirklich als Hund behandeln möchten. Wir erlauben uns, sein Verhalten zu interpretieren, im Zweifelsfall nennen wir es “Dominanz” und alles wird dadurch gerechtfertigt. Denn “Dominanz” ist der Supergau in der Vorstellung eines Hundehalters.
Hier steht Banner w200-leftEinerseits wird der Hund vermenschlicht, er wird als “treu”, “gehorsam” etc. bezeichnet, romantisch verklärte Geschichten, Hunde, treu bis über den Tod hinaus, finden regen Absatz und kreieren Filme wie Lassie und Kommissar Rex. Der Wunschtraum des Menschen? Der Hund, geschaffen nur für den Menschen, der Hund, der alles gibt für den Menschen, sogar sich selbst?
Andererseits wird der Hund bastardisiert, zum Biest und Gegner gemacht, wie in “Cujo” oder “Der weiße Hund von Beverly Hills”, teilweise wahre Geschichten, häufig aber irrational und übertrieben, wie die Hysterie und die überstürzten Gesetze, die beschlagnahmten, eingesperrten und getöteten Hunde in Deutschland auf traurige Weise zeigen nach dem Tod des Kindes Volkan.

…wo bleibt er?

Und irgendwo dazwischen steht er – der Hund, um den es eigentlich geht – manchmal auf ziemlich verlorenem Posten: Der Hund mit seiner Seele, inmitten einer menschlichen, nicht mehr natürlichen Welt, in einer Welt, für die der Hund gar nicht mehr geschaffen ist, die ihm dennoch so vieles abverlangt und so viel von seinem Hund sein nimmt und so wenig dafür zurückgibt.


Clickertraining hat sich besonders bei ängstlichen Hunden bewährt.

Der Mensch hat den Hund aus der Natur geholt und in seine Welt gepreßt, er hat Regeln erstellt, wie der “gute” Hund zu sein hat, wie er sich zu verhalten hat. Was Hunde leisten, allein dadurch, die ständige Reizüberflutung und Einengung unserer Regeln und unserer Welt zu ertragen, als einstiger revierbildender Rudeljäger, ist schon ein Wunder. Aber wird das so gesehen? Alles ist selbstverständlich, denn schließlich hat ihn der Mensch erschaffen: Seinen “besten Freund”. Er soll angenehm sein und vor allem – bitte niemals zu sehr Hund. Ureigenste Instinkte, wie etwa Jagen, nennen wir “Problemverhalten”.
Sein Seele ist dennoch in der Natur geblieben, dort jagt sie weiter dem Wild hinterher, lebt im Rudel im Wechsel der Jahreszeiten, selbst wenn wir den Hund schon lange in unsere Städte und Häuser entführt haben. Der Hund vollbringt das Wunder, sich einem artfremden Lebewesen anzuschließen mit einer Flexibilität, die ihresgleichen sucht. Er übersteht auch die widersprüchlichsten Erziehungsversuche.


Ersatzbeute kann helfen, Jagdverhalten in andere Bahnen zu lenken. Mischlingshündin mit Frisbee-Scheibe.

Der Clicker

Dann eroberte der Clicker die Hundewelt. Ein simples Teilchen, das wie ein Knackfrosch ein metallisches Klick-Klack erzeugt. So einfach und banal, eigentlich doch wieder nur mechanisch – aber dennoch eine Chance für den Menschen, eine neue Türe zu öffnen im Umgang mit dem Hund: Weg von der Interpretation, vom Lärm und vielem mehr hin zum reinen Beobachten in aller Stille. Der Schwerpunkt liegt nicht im Hemmen eines unerwünschten Verhaltens, sondern im Fördern und Bestärken erwünschten Verhaltens.

Jene, die sich in den Dominanztheorien verfangen haben und meinen, ohne Strafen geht es nicht, suchen die vermeintlichen Fehler am Clickertraining, meist zu mutlos, um sich wenigstens die Chance zu geben, es selbst zu versuchen. Hundeschulen haben erkannt, daß Clickern im Trend liegt, und so werben sie damit. Das, was manche

Clickertraining nennen, ist dieses Blechteilchen in der Hand, mit dem sie ein klick-klack erzeugen, ansonsten ist der Umgang mit dem Hund unverändert. Leinenruck, Stachelhalsband, Disc-Scheiben in Kombination mit dem Clicker, weil es ja angeblich ohne all dem nicht geht. Das aber ist kein Clickertraining. Das ist Vermarktung und Augenwischerei, Betrug am Kunden und vor allem am Hund.

Beim Clickertraining wird im Idealfall der Alltag entsprechend gelebt. Klar und deutlich. Der Hund ist nicht lediglich Befehlsempfänger, sondern agierender Teil einer Gemeinschaft. Aber vor allem eines ist neu: Der Hund hat die Möglichkeit zu lernen, daß er durch eigenes aktives Verhalten und Denken etwas erreichen kann.

Mischlingshündin beim Abliegen

Mehr als eine Methode

Clickern ist keine Methode, die man auf dem Hundeplatz für eine Stunde aus der Tasche holt, wie ein anderer das Stachelhalsband. Es ist vielmehr eine Lebenshaltung, die man die gesamten 24 Stunden eines Tages lebt. Und dafür benötigt man im Grunde nicht einmal dieses Blechteilchen. Denn es beginnt beim Menschen, indem er seine Einstellung ändert. Die “Suche”, welches unerwünschte Verhalten wie gehemmt werden kann oder auch das Rechtfertigen eines Alphawurfes, um die Rangordnung aufrechtzuerhalten, um dem Hund zu zeigen, wer der “Chef” ist, paßt nicht zum Clickertraining.
Während der Hundebesitzer also häufig versucht, eine Rangordnung künstlich mit starren Regeln oder mittels Aggression oder Gewalt herzustellen, ansonsten aber den Alltag häufig genau entgegengesetzt lebt, bleibt dem Hund nicht sehr viel übrig außer verwirrt zu sein. Es ist schon ein Beweis seiner besonders guten Anpassungsfähigkeit, trotz der vielen Fehler von seiten des Menschen immer noch friedlich zu bleiben.
Beim Clickertraining wird im Idealfall der Alltag entsprechend gelebt. Klar und deutlich. Der Hund ist nicht lediglich Befehlsempfänger, sondern agierender Teil einer Gemeinschaft. Aber vor allem eines ist neu: Der Hund hat die Möglichkeit zu lernen, daß er durch eigenes aktives Verhalten und Denken etwas erreichen kann. Wie jedes Lebewesen versucht auch der Hund, einen für ihn angenehmen Zustand zu erreichen. Ist ihm zu warm, wird er in den Schatten gehen, ist er durstig, wird er trinken usw. Diese Eigenschaft aber auch bei der Erziehung zu nützen, nämlich, daß der Hund für sich selbst den Erfolg sucht, den angenehmen Zustand, das fällt manchem schwer, positiv umzusetzen.


“Bei Fuß” ohne Leinenruck mittels positiver Bestärkung.

Kein Hund folgt aus “Liebe” zu seinem Menschen, er ‘gehorcht’ nur deshalb, weil er lernt, daß dies für ihn positiv ist. Sei es über hemmende Einwirkung, zB. Leinenruck, oder eben positive Bestärkung. Im ersten Fall wird der angenehme Zustand dadurch erreicht, daß der Hund lernt, einen Leinenruck zu vermeiden. Diese Art des Lernens setzt auf Hemmung eines unerwünschten Verhaltens.
Die Frage, die sich stellt, ist: Geht es denn nicht anders? Die einen behaupten nein, doch der Clicker beweist: Es geht.

Schule für den Menschen

Und so erzieht der Clicker im Laufe der Zeit auch den Menschen. Wer einst den Hund ständig lockte, betatschte und “Hilfen” gab, die keine waren, immerfort einredete auf seinen Vierbeiner, unzählige Male Worte wie “laß das”, “Nein”, “Pfui” von sich gab, wird allmählich zum stillen Beobachter, der den Hund nicht mehr verwirrt mit Hilfen und Worten und sinnlosen Strafaktionen.
Man könnte die Beziehung Mensch-Hund neu definieren: Anstatt des Sprichwortes “man rauft sich zusammen” ist es nun ein “man clickt sich zusammen”. Ein Grund zur Euphorie? Die heile, friedliche Welt, von der wir träumen?
Und während wir Menschen uns wieder einmal in die Haare kriegen, Endlosdiskussionen führen zwischen “Hardlinern” und “Softies” und jeder ist überzeugt davon, daß er das allein richtige macht, vergessen wir wieder einmal nur allzugerne, daß es eigentlich nicht um uns geht, sondern um Hunde. Der Clickerer ist nicht automatisch der bessere Mensch, nur weil er seinen Hund nicht ruckt oder schlägt. Vielleicht hat so mancher “Hardliner-Hund” immer noch ein hundlicheres Dasein als sein beclickter Kumpan.

Ist der Clicker nun das Wundermittel im Umgang mit dem Hund, nach dem der Mensch schon immer gesucht hat? Nein. Denn der Clicker ist nur so gut, wie der Mensch, der ihn benützt. Aber er ist eine Chance, unsere Beziehung zum Hund neu zu überdenken.

Christine Gebhard – hier geht’s zur Webseite der Autorin: www.bambuli.de

Clickertraining
Der Hund lernt, daß das metallische Geräusch des Clickers (ähnlich einem Knackfrosch) eine Belohnung (Erfolg) ankündigt. Somit hat der Mensch die Möglichkeit, seinem Hund präzise und punktgenau mitzuteilen: "Das hast Du gut gemacht, und nun bekommst Du eine Belohnung". Der Hund hat die Möglichkeit, durch eigenes aktives Probieren zu lernen: Wann ertönt das Click? Was führt zum Erfolg. Verhalten, das zum Erfolg führt, wird erst verstärkt und dann regelmäßig gezeigt.
Im Web:
http://www.clicker.de

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