Apport

APPORT (Wahlfach)

Dein Hund berührt mit seiner Nase vier unterschiedliche Gegenstände, darunter ein Bringholz. Du kannst für jede Berührung ein Zeichen geben.

DARUM GEHT’S:

Die meisten Ausbilder unterteilen Hunde in “Naturapportierer” und Hunde, die nicht apportieren. Alle möglichen harten Ausbildungsmethoden wurden entwickelt, um Nicht-Apportierer zum Apportieren zu zwingen. Diese Methoden haben mehr potentielle Hundesportler abgestoßen, als jeder andere Bestandteil des Hundetrainings. Hab keine Angst! Es ist überhaupt nicht erforderlich, deinem Hund wehzutun oder ihn zu misshandeln, damit er zuverlässig apportiert. Sogar Hunde, die ihren Lebtag niemals daran gedacht haben, freiwillig einen Ast oder ein Spielzeug aufzuheben, können lernen, Spaß am Apportieren zu haben.
Für mich ist ein zuverlässiger Apport immer ein Wendepunkt in meiner Beziehung zu meinem Hund. Wenn ich ihn darum bitten kann, mir etwas zu bringen, spüre ich, wie wir miteinander kommunizieren.

Der Kernpunkt des Apportierens ist, dass dein Hund möglichst viele Objekte als “berührbar” und “tragbar” ansieht. Manipulation von Gegenständen ist wichtig für Hunde. Ein Agility-Hund überspringt, durchläuft oder überläuft die Hindernisse. Ein Assistenzhund muss die verschiedensten Dinge als bringbar, ziehbar oder drückbar kennen. Ein Obedience-Hund apportiert unterschiedliche Gegenstände und zeigt das Vorauslaufen in die mit Pylonen markierte Box und das Ablegen darin. Einem scheuen Hund kann das Apporttraining helfen, seine Ängstlichkeit zu überwinden, wenn er lernt, fremde Füße oder Hände als Zielobjekte zu berühren, und verschiedenste Gegenstände zu berühren oder aufzunehmen. Auch wenn sich diese Übungen nicht unbedingt bis zum Apport weiterentwickeln, sind sie sehr nützliche Verhaltensweisen.

ALLER ANFANG IST LEICHT:
Dein Hund kennt bereits deine Hand und den Targetstab, daher sollte es ihm nicht schwerfallen, auch andere Gegenstände als Zielobjekte anzunehmen. Für das Training habe ich einen ganzen Korb voller interessanter Dinge: eine Getränkedose, einen Bleistiftspitzer, einen Stift, eine zusammengerollte Zeitung, ein altes Handy, ein Videoband, eine Kleenex-Schachtel, eine Plastiktasse, einen Löffel, einen Handschuh und eine Leine. Denn je mehr Gegenstände dein Hund berühren lernt, um so besser versteht er, dass seine Welt voller Gegenstände ist, mit denen er etwas machen kann und soll.

Natürlich sollte dein Hund auch in der Lage sein, ein Bringholz oder ein Apportel aufzunehmen. Für Wettbewerbe wählst du es möglichst passend: Es darf nicht zu schwer und nicht zu leicht sein. Das Mittelstück sollte so lang sein, dass die Lefzen deines Hundes nicht seitlich eingezwickt werden, wenn er es im Maul hält, aber auch nicht länger als erforderlich. Die Seitenteile müssen so hoch sein, dass dein Hund es problemlos vom Boden aufnehmen kann, aber nicht zu hoch – sie dürfen nicht ans Auge reichen oder die Sicht beeinträchtigen. Momentan ist das alles noch nicht so wichtig, aber wenn ihr euch schon ein Apportel zulegt, kannst du auch ein wenig Mühe reinstecken und ein passendes kaufen. Trotzdem sollte dein Hund hin und wieder auch mit unbequemeren Apporteln üben.

Wenn ihr mit dem Apportel übt, ist es anfangs nicht wichtig, wo dein Hund es berührt. Erst dann, wenn er das Apportel eifrig anstupst, hältst du es ihm gezielt so hin, dass er öfter das Mittelteil berührt. Verändere die Position einige Male. Jetzt kannst du C&B weglassen, wenn er die Seitenteile anstupst. Jede andere Berührung zählt. Je nachdem, wie du ihm das Apportel hinhältst, wird dein Hund sich mehr oder weniger Clicks verdienen; mach es deinem Hund nicht zu schwer und achte auf eine hohe Verstärkungsrate.

Dein Hund ist begeistert dabei und trifft das Mittelteil bei mindestens neun von zehn Versuchen? Gut, dann clickst du nur noch, wenn er es wirklich in der Mitte berührt. Beim Shapen solltest du immer auf eine hohe Verstärkungsquote achten, damit dein Hund nicht entmutigt aufgibt. Dein Hund sollte wirklich mit Spaß und Eifer dabei sein und es als das tollste Spiel der Welt betrachten.

WAS IST, WENN…

… MEIN HUND EINEN METALLGEGENSTAND NICHT BERÜHREN MÖCHTE?
Lass ihn zehn Mal Handtarget machen, und clicke und belohne ihn dafür. Dann nimmst du den Metallgegenstand in deine Hand, und gibst wieder zehn Clicks und Belohnungen für das Anstupsen der Hand. Als nächstes lugt das Metall ein klein wenig aus deiner Hand heraus, und wieder gibt es zehn Clicks und Belohnungen. Bei den nächsten zehn Versuchen steht es schon ein klein wenig hervor, so dass dein Hund es streift, wenn er deine Hand berührt. Und zuletzt steht es so weit vor, dass dein Hund den Gegenstand berühren muss, wenn er deine Hand anstupsen will. Clicke ihn in genau dem Moment, wenn er den Gegenstand berührt und bevor er deine Hand berühren kann, und belohne fürstlich.

… MEIN HUND DEN GEGENSTAND NICHT BERÜHRT SONDERN NACH IHM GRABSCHT?
Wenn unser Zielverhalten “Target” wäre, müssten wir versuchen, das irgendwie in den Griff zu bekommen – aber da wir Apport üben, dürfen wir uns freuen, jubeln, clicken und diesem begabten Hund eine Belohnung zukommen lassen, egal wonach er grabscht. Lass ihn aber nicht triumphierend mit seiner Beute verschwinden, sondern tausche sie gegen das Leckerchen ein.

WIE SAG ICH’S MEINEM HUNDE:
Nein, noch sagst du gar nichts. Das Hinhalten eines Gegenstandes sollte ausreichen, damit er sich denkt: “Ha, Anstupsen wird mir einen Click und die Belohnung einbringen”. Du wirst auch keinesfalls das Targetsignal verwenden, weil wir das Verhalten noch ausbauen wollen. Du führst auch kein Apportzeichen ein, weil das noch kein Apport ist.

SO GEHT’S WEITER:
Lass deinen Hund alle Gegenstände berühren, die du erwischen kannst: große Sachen, kleine Sachen, weiche, harte, wuschelige Objekte, Dinge aus Metall, aus Leder… Alles, was du berühren kannst, kann dein Hund auch berühren!

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