Tarik - Ausbildung meines Menschen (Kapitel 4),und weitere

Gedanken, Gedichte, Ideen, Visionen, usw. Für jeden, der öffentlich grübeln will. Ein Platz für Deine Gedanken. Anonyme Postings willkommen!

Tarik - Ausbildung meines Menschen (Kapitel 4),und weitere

Beitragvon Leonie » Do 28. Aug 2008, 18:07

Ich war von Anfang an bestrebt, in Tomahna einen richtigen Sozialstaat zu betreiben, in dem der König nicht gefürchtet, sondern respektiert, geehrt und geliebt wird. Siehe hierzu mein Portrait (Abbildung Nr. 2 in der Foto-Ecke), mich im königlich-offiziellen Ornat zeigend. Der Wahrheit die Ehre: Ich trage es nur bei glücklicherweise seltenen offiziellen Anlässen, denn es ist einfach zu schwer, als dass man es mit der angemessenen Würde geniessen könnte.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich Mammi eine Grundausbildung in der Hundeschule angedeihen liess. Sie war ja auch eine richtig fleissige Schülerin, und wandte das, was sie da gelernt hatte, auch ordnungsgemäss an, insbesondere das fleissige Spendieren von Leckerlies.
Es ist elementar wichtig, dass die Menschen Leckerlies in dem Bewusstsein spendieren, dass es für sie selbst keine befriedigendere Tätigkeit gibt oder überhaupt geben kann, als dem eigenen Hund und Herrscher diese ständig anzubieten, oder wenigstens bei jeder möglichen und auch unmöglichen Gelegenheit.

Aber für meine hochfliegenden Ansprüche war das kaum mehr als ein bescheidener Anfang. Jetzt ging es darum, aus Mammi ein wirklich vollwertiges, zuverlässiges Mitglied meines Reiches zu machen, dem ich die Verwaltung der Ämter und den ganzen Alltag meiner Regierung relativ unbesorgt anvertrauen konnte.

Also brachte ich ihr einen sinnvollen, ihren bescheidenen Kommunikationsmöglichkeiten angepassten Laut- und Zeichen-Code bei, wobei sie stets ihr "verstanden" oder "zu Befehl" zu bestätigen hatte, und zwar in Form von Leckerlies. In anderen Worten: Jede Tat, Untat, Missetat, Zutat, Heldentat oder was auch immer war durch Wurst-, Käse-, Keks-, oder andere feine Happen zu quittieren. Dafür belohnte ich Mammi, indem ich gestattete, dass sie mein königliches Haupt berühren durfte. Na ja, nicht, dass ich es nicht gerne gehabt hätte, so hinter den Ohren, oder im Nacken gekrault zu werden, oder wenn sie mir zärtlich die Ohren verdrehte. Doch muss ich klar und deutlich bemerken, dass Mammi es mindestens so gerne tat, wie ich, dass sie es tat. Wahrscheinlich tat sie es so gerne, dass es ihr einiges wert war, und ich kassierte denn auch fleissig Leckerlies dafür, dass ich ihr gestattete, etwas zu tun, was ich eigentlich auch ganz gerne hatte.

Oder, ebenfalls eine beliebte Leckerlies-abkassier-Methode ist, sich auf Mammis Schoss niederzulassen, wenn sie im Sessel sitzt, dann hat man nicht nur eine bequeme, warme Unterlage, sondern kann sich seitlich an Mammi anlehnen und den Kopf wahlweise auf ihre Schulter oder auf die seitliche Kopflehne des Sessels zu legen, oder aber seitlich herunter hängen lassen, was die Blutzufuhr in das Gehirn stark begünstigt, und die Tiefe meiner Meditation erhöht; das sieht man dann ganz deutlich an meinen tiefen Denker-Falten auf der Stirn. Ganz klar, dass Mammis Hände dann praktisch voll damit beschäftigt sind, meinen edlen Korpus zu streicheln und zu kraulen; eventuell kann eine Hand auch kurzzeitig (dafür jedoch öfter!) abgezogen werden, um Leckerlies anzubieten, die natürlich sofort inhaliert werden, damit Mammis Leckerlies-Hand sofort wieder für die elementar wichtige Aufgabe des Kraulens frei wird.

Überhaupt ist der Kontakt in jeder Situation (d.h., Kontakt-Liegen, Kontakt-Sitzen, usw.) ungeheuer wichtig, es ist für den Menschen eine der schönsten Belohnungen, wenn der Hund ihm die ach so kuschelige Wärme spendet, sei es längs dem im Bett liegenden Rücken, auf den Füssen liegend, auf dem Schoss kuschelnd. Alle diese Kontakte stärken die Bindung zwischen Hund und Menschen, und geben dem Menschen ein wertvolles Gefühl der Geborgenheit.

Leider wird "Kontakt-Liegen" mitunter von unbedarften Menschen als "Dominanz-Gebaren" bezeichnet. Nichts ist fataler, als dieser Ausdruck! So etwas gibt es zwischen Hund und Mensch einfach nicht, und zwar, weil Dominanz prinzipiell jedem vernünftigen Verhältnis entgegen steht. So würde zu einem menschlichen Dominanz-Gebaren unbedingt gehören, dass sie ihr wirkliches oder eingebildetes Gebiet ordnungsgemäss mit Duftmarken versehen. Oder dass sie sich durch olfaktorische Kontrollen der Ano-Genital-Regionen ihrer Artgenossen über deren Wohlergehen informieren. Sie können auch kleinere, vorübergehende Missstimmungen nicht durch Haare-Sträuben, Zähne-Fletschen oder einem der Situation angemessenem Knurren zum Ausdruck bringen.

Aber Menschen sind nun einmal in ihren diversen Sinnen und auch in ihrer Motorik so sehr eingeschränkt, dass sie überhaupt keine Dominanz ausüben könnten. Andrerseits wäre es für den sozial bewussten Hund äusserst unziemlich und daher unangebracht, seine sinnliche und motorische Überlegenheit dem Menschen gegenüber in dominanter Form auszuspielen.
Die Bindung zwischen Hund und Mensch beruht vielmehr auf der unendlichen Wohltat, die insbesondere dem Menschen dadurch bereitet wird, dass sein Hund ihn vor anderen Menschen vorgezogen hat, und ihm dies auch freigiebig kund tut.

Dass dieses wirklich so ist, kann man unschwer daran erkennen, wie durchaus erstaunlich lange Zeit die Menschen alle diese Tätigkeiten aushalten, und das ist ein ultimativer Beweis dafür, dass ihnen das Ganze wahnsinnig gut tut. Also darf man in dem Bemühen, seinem Menschen Gutes zu tun, niemals nachlassen, auch dann nicht, wenn es schwer fallen sollte! Also: Kontakt halten und pflegen, unser Mensch muss uns das einfach wert sein!

Dass wir uns recht verstehen: das ganze Hund/Mensch-Verhältnis hat also rein gar nichts mit Dominanz irgendwelcher Art zu tun, was auch immer unbedarfte, unwissende, unrichtig geführte Menschen darunter verstehen mögen.
Oder all’ dieses unerträgliche Geschwafel über Alpha-Hunde oder sonstige griechische Ordnungs- und Hierarchie-Begriffe.

Um es ganz klar auszudrücken: ich habe rein gar nichts gegen Griechen, es sind, soweit ich selbst sie kenne, durchaus nette Leute. Aber mit derem schrägen Alphabet kann man die soziale Position eines aristokratischen Alton-Terriers unmöglich beschreiben, das hat mit den Tatsachen des realen Lebens einfach nichts zu tun. Man denke nur daran, wo alle diese Alphabete hinführen, nämlich dahin, dass die Menschen einander nicht verstehen, und sich nicht in geziemender, zivilisierter Art und Weise vertragen, weder mit ihren Hunden noch untereinander.

Es handelt sich ganz einfach um eine rein sozial ausgerichtete Manifestation meiner alles überragenden Intelligenz, logischerweise im Zusammenspiel mit meiner Alton-Gabe, die es mir ja ermöglicht, direkt die Psyche meiner Volks-Angehörigen zu beeinflussen.

Also machte ich mich daran, Mammi mit Güte und Verständnis zu lenken und ihre Fähigkeiten weiter auszubilden. Allerdings war ich mir dabei ihrer Einschränkungen durchaus bewusst, ebenso wie ihrer Fähigkeiten und positiven Anlagen, schliesslich hatte ich sie ja aus genau diesen Gründen zu meinem Alton-Königlichen Privat-Menschen gemacht. Und - mir bricht es keinen Zacken aus der königlichen Krone, wenn ich es offen zugebe - ich habe eine wirklich herzliche Zuneigung zu ihr gefasst. Man möchte fast sagen, ich mag sie richtig gerne! Ach, was soll's, ich sage es gerade heraus, es ist alles andere als unziemlich oder unköniglich: Ich würde sie nicht mehr hergeben! Natürlich berücksichtige ich dabei auch den hohen Wert der Ausbildung, die ich bereits in sie investiert habe.

Doch da wäre die trotz allem modernen Fortschritt immer noch so sehr im Argen liegende Hygiene. Es ist einfach kaum vorstellbar, dass Mammi ihre - na, sagen wir einmal - Intim-Teile nie ordentlich säubert, was man eigentlich nur mit der Zunge machen kann. Bekanntlich ist die Zunge weich, anschmiegsam, warm, immer feucht, hat genau den richtigen pH-Wert, und der Speichel enthält wichtige Enzyme und Antikörper, die einer möglichen Infektion vorbeugen.

Statt dessen setzt sie sich in warmes, übelriechendes, schäumendes, seifiges Wasser, dem jeglicher biologische Wert fehlt, oder sie stellt sich unter die sogenannte Dusche, von der unangenehm prasselndes Wasser auf ihr mickriges, wenn auch durchaus niedliches Fellchen fällt. Und, was noch mit das Schlimmste ist - danach riecht sie absolut widerlich, so nach Blumen und sonstigen aufdringlichen Gerüchen, denn von Düften darf man in diesem Zusammenhang wahrlich nicht sprechen. Immerhin, diese üblen Gerüche verfliegen schnell.

Anders, leider, wenn man selbst einen wahren Wohlgeruch findet, etwa eine tote Ratte, einen verendeten Leguan, oder, am Strand, das Höchste unter den Wohlgerüchen des Orients und auch des Okzidents, ein zu zwei Dritteln verwester Fisch (2/3 ist das Optimum!); den NICHTS kann das Gefühl beschreiben (und schon gar nicht übertreffen), wenn man sich in dieser weichen, glibbrigen und gerade noch konsistenten Masse und ihrer wunderbaren Duftwolke wälzen kann! Nur, leider, gibt es dann immer eine regelrechte Palast-Revolution. Ungeachtet meiner Würde und Autorität, wendet Mammi dann rohe Gewalt an, missachtet Rang und Titel, und - es fällt mir schwer, es auszudrücken - sie ... tut ... mir ... das ... an, ... sie ... BADET ... mich!!!
Und, noch nicht genug damit, missbraucht sie die ihr von mir übertragenen Befugnisse als Verkehrs-Minister, und sperrt alle Wege, die zu schönen Düften führen könnten. König hin, König her, es bleibt danach nichts anderes übrig, als sich auf dem nackten Boden zu wälzen, um so wenigstens ein kleines bisschen Wohlgeruch annehmen zu können.

Ja, es sind harte Worte, aber sie müssen sein, im Sinne eines vollständigen und wahrheitsgetreuen Berichtes über meinen königlichen Lebenswandel. Aber das sind halt die modernen Zeiten; ein heutiger König ist einfach nicht mehr das, was er früher einmal war. Immerhin: Mammi versucht danach (wie ich zugebe, meistens erfolgreich) mich wieder gnädig zu stimmen. Genau, meine verehrte Leserschaft, das von ihr angewendete Zaubermittel heisst "Leckerlies"!

Die Pfotenpflege: Was ein Hund von Welt ist, der hat auch gepflegte Pfoten. Da sind die Zwischenräume der Zehen zu säubern, wobei auch gleich eventuelle Reizungen oder gar kleine Wunden von der einfühlsamen Zunge gepflegt werden. Aber Mammi verunstaltet ihre eigenen Pfoten mit Seife, pH-falschem Wasser und scharfen Folterwerkzeugen aus Metall. Dafür findet Mammi es offenbar attraktiv, wenn sie ihre Nägel blutrot anmalt. Na ja, nobody ist perfect (excepting myself), wie jedes kultivierte Wesen weiss.

Dass eine feuchte, kalte Nase zum klassischen Merkmal für Gesundheit und Wohlbefinden gehört, weiss wohl jeder Welpe, und er lernt natürlich auch, dass so eine Nase eben ständig geleckt werden muss. Umso bedenklicher ist Mammis immer trockene und warme Nase. Das heisst, manchmal wird Mammis Nase hoffnungserweckend feucht, dabei aber nicht kalt, sondern rot, und Mammi scheint sich dann gar nicht wohl zu fühlen. Nun, man ist ja jovial, freundlich und zuvorkommend seinen Untertanen gegenüber, und so pflege ich Mammis Nase spontan zu lecken, damit sie wieder gesund wird. Nur - einerseits mag sie das gern (logisch, es tut ja soooooooo gut...!), denn sie lacht dann immer, andrerseits wehrt sie meine feuchte Fürsorglichkeit mit sämtlichen Pfoten ab. Irgendwie ist das alles sehr schwer zu verstehen. Dennoch, ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass es mir und meiner telepathischen Alton-Gabe letztendlich gelingen wird, Mammi zu einem ordentlichen, zivilisierten, effizienten, zuverlässigen, Leckerlies-spendier-freudigen, sauberen und für Hunde wohlriechenden Mitglied meines Reiches umzuformen.-
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Beitragvon Cece » Do 28. Aug 2008, 19:46

:kaputtlachen: :nichtwuerdig: Ich liebe es!
Weitermachen! :applaus:
Cece
 
Beiträge: 1170
Registriert: Sa 19. Apr 2008, 20:00

Beitragvon Jenny99 » Fr 29. Aug 2008, 05:17

Einfach super! Ist wirklich ein tolles Lesevergnügen, das mir meinen Morgen nach 5h Schlaf extrem verschönt hat! Danke :)
Jenny99
 
Beiträge: 555
Registriert: Mi 13. Sep 2006, 15:52

Beitragvon Leonie » Fr 29. Aug 2008, 07:43

Das freut mich sehr, dass Ihr es mögt - ich werde es Tarik sagen, sobald er aufwacht (er hatte schon einen Morgenpatrouillengang, Happy mit einigen Aufgaben beauftragt und jetzt ruht er).

Fortsetzung folgt sofort.

LG

Leonie
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Beitragvon Crime » Mo 1. Sep 2008, 08:30

:kaputtlachen: :kaputtlachen: :lachen: Ich lach mich schlapp. GENIAL :-) :o
Crime
 
Beiträge: 4059
Registriert: Fr 2. Feb 2007, 17:12

Beitragvon Leonie » Mo 1. Sep 2008, 15:02

Hallo Crime,
König Tarik geruht, Deine Ansicht zu teilen - er IST genial ;)
Dennoch, vielen vielen Dank für die Anerkennung!

LG

Leonie
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Die Leine und ihre Bedeutung (Kapitel 5)

Beitragvon Leonie » Mi 3. Sep 2008, 17:14

Viele unbedarfte Menschen glauben, die Leine diene dazu, den Hund an den Menschen zu binden, im wahrsten Sinne der Worte.
Doch, nichts ist falscher als das! Richtig ist, dass die Leine dem Hund die Möglichkeit bietet, seinen Menschen unter Kontrolle zu halten, besonders weil die Leine den Menschen daran hindert, sich unerlaubt und somit unkontrolliert zu entfernen.

Zwischen gut ausgebildeten Menschen (das sind leider die wenigsten...) und vernünftigen Hunden (na ja, so massig viele sind das auch nicht...) dürfte es eigentlich kein Ziehen und Zerren an der Leine geben. Die Leine wird also zum reinen Zugehörigkeits-Symbol, bar jeder mechanischen Funktion. So ist die Leine besonders da angebracht, wo viele Hunde ihre Menschen spazieren führen. Es ist für den sozial interessierten Hund ja mitunter schwierig, seinen Menschen, von dem er so aus der Nähe kaum mehr als die Beine sieht, im Auge zu behalten, und auch noch dafür zu sorgen, dass sein Mensch sich nicht verläuft, und dann irgendwo einsam und verirrt sitzt, und seinem Hund nachweint, ohne den er sich genau so fühlt, wie er in einem solchem Fall tatsächlich ist: verloren.

Es ist schon gut, dass die Stadtverwaltungen vorschreiben, dass im Stadtgebiet (das ist da, wo es mehr Autoreifen als ehrliche Baumstämme gibt) die Menschen an ihre Hunde angeleint sein müssen, es erspart wirklich viel Kummer auf allen Seiten.
Doch wird die Leine viel zu oft aus reiner, krasser Unkenntnis falsch angewendet, oder schlicht und einfach missbraucht. Mehr über dieses brisantes Thema in meinen Bericht über das von uns besuchte Turnier!

Na ja, man muss den Tatsachen halt ins Auge blicken, es gibt auch dumme Hunde, die ihre anderthalb Gedanken nicht zusammen halten können. Dass solchen unbedarften Hunden der Besuch einer Stadt über die Ohren geht, ist klar. In solchen Fällen obliegt es tatsächlich dem seiner Verantwortung bewussten Menschen, dafür zu sorgen, dass der Hund, dem er sich anvertraut hat, sich nicht vor lauter Staunen im Getümmel verläuft. Und, was in solchen Fällen auch schon vorgekommen ist, in seiner Panik davon läuft, nur weg von dieser schrecklichen Stadt, und letzten Endes auch nicht mehr nach Hause findet. Also, wieder ein Punkt für die Benutzung der Leine im Stadtgebiet.

Und diese traurige Möglichkeit bringt mich wieder auf die Notwendigkeit der Ausbildung: Hunde müssen die Unzulänglichkeiten und Eigenarten ihrer Menschen kennenlernen, und Menschen müssen über ihre Hunde Bescheid wissen und, logischerweise, von ihnen lernen. Was mich wieder auf meine epochale Armida-Universität (mehr darüber in einem späteren Kapitel) bringt, wo beides auf wissenschaftlicher Basis studiert, gefördert und angewendet wird. Dass so ein Studium auch einen unbändigen Spass macht, und zwar den Menschen nicht minder als den Hunden, dürfte ja kein Nachteil sein!

So ist es auch wichtig, dass der Mensch seinem Hund mitteilen kann, wenn er seiner bedarf, und zwar eiligst! Es könnte auch ein echter Notfall vorliegen, der es angebracht erscheinen lässt, dass der Hund von dieser Situation erfährt. Und da die Menschen sich nur auf kürzeste Entfernung verständigen können (daher ja auch die vielen weit-Strecken-Verständigungs-Geräte, oft kurz Telefone genannt), sollte ihnen angeraten werden, für solche Fälle eine kleine, hoch tönende Pfeife zu besitzen, und sie dann anzuwenden, wenn sie ihren Hund bei sich benötigen. Da Hunde ausgezeichnet hören, ist so eine sichere Kommunikation gewährleistet. Siehe auch hier meinen Bericht über das Turnier!
So eine Pfeife hat den enormen Vorteil, dass sie ein definiertes, unveränderliches Signal darstellt, klar zu erkennen, auch in dem allgemeinen Lärmpegel, den die Menschen so gerne produzieren. Dieser gar nicht laute, jedoch klare Pfiff differenziert sich auch überdeutlich von der sonstigen inter-menschlichen Kommunikation, die überartikuliert und chaotisch klingt.

Ähnlich ist es mit der Anerkennung der Leistungen des Hundes. Manche Menschen meinen, ein Tätscheln des Hundes und ein paar gemurmelte Floskeln würden es auch tun, aber das öffnet nur dem Menschen den Weg zur Mehrdeutigkeit, wenn nicht gar zum Unverständnis. Nein, die Anerkennung einer Leistung geschieht am besten mit einem unverwechselbaren Signal, dann weiss der Hund, dass sein Mensch nicht (nur) geschlafen hat, sondern sich dessen bewusst ist, dass sein Hund ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Nun ja, das Pfeifen sollte man nicht übertreiben, das verwirrt dann nur. Ein anderer Sound? Den es nicht oder nur sehr selten gibt? Ja, es ist der "Klicker", als Kinderspielzeug auch "Knackfrosch" genannt, und der ein gut hörbares "klick-klack" produziert. Hört ein Hund dieses Geräusch, und ist sein Mensch entsprechend abgerichtet, so weiss der Hund, dass er es endlich so weitgebracht hat, dass sein Mensch seine Leistungen gebührend erkennt und ihm umgehend eine angemessen entsprechende Anerkennung überreichen wird, vornehmlich in Form von etwas Feinem zwischen die Zähne.

So einfach ist das, wenn alles richtig organisiert wird. Und viel mehr sollte man von seinen Menschen nicht erwarten, sie werden so leicht überfordert, die Armen. Schliesslich, wie es der Weise sagt: "Kein Mensch ist fehlerfrei".
Und so muss man halt die Unzulänglichkeiten seiner Menschen hinnehmen, und immer daran denken, dass man an ihnen arbeiten kann und muss, um ihre positiven Anlagen möglichst zu fördern. Und: trotz aller Mühe, die man in diese Ausbildung investieren muss, letzten Endes lohnt es sich!-
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Meine Regierung (Kapitel 6)

Beitragvon Leonie » Mi 3. Sep 2008, 17:16

Meine gesellschaftliche Stellung festigte sich immer mehr, und ich hatte bald für eine lebenslange, meiner Stellung angemesene Unterkunft gesorgt, sowie auch für eine medizinische, kosmetische, wirtschaftliche, kulturelle und gastronomische Versorgung. Es war nicht gerade leicht, aber dank meiner telepathischen Fähigkeiten (die ich bedenkenlos einsetzte, denn wozu hat man so etwas) war mir ein wahrlich vollkommener Erfolg beschieden. Allerdings hatte ich keinen Grund, weniger zu erwarten, da jeder meiner Schritte sehr gut durchdacht war, und konsequent ausgeführt wurde.

So, ausgesorgt hatte ich also, jeder hundsgewöhnliche Hund wäre mehr als zufrieden gewesen, aber so ein Aristokrat wie ich strebt halt höheren Zielen zu. Mein Staatsapparat, in Person von Mammi, war voll in Funktion, da gab es nicht viel zu meckern. Nicht, dass sie nicht hier und da zurecht gewiesen werden musste, oder ich sie an bestimmte Pflichten zu erinnern hatte.

Aber mein nächstes Ziel war, ein eigenes Volk zu haben, ganz genau so, wie es einem König geziemt. Untertanen nennt man das. Nein, nicht einen Stall voller Alton-Terrier-Welpen, denn dazu hätte ich mir eine sogenannte Gefährtin anschaffen müssen, und in meiner Regierung ist die Frauenquote ja durchaus erfüllt. Nein, ich wollte richtige Hunde, die mir untertan zu sein hatten. Ich gebe es ja zu, keine einfache Aufgabe!

Doch ist das Glück des Tüchtigen Helfer! Eines Tages sah ich unter einem Auto ein Häufchen Elend, einen Putzlumpen, der winselte und zitterte, und praktisch nur aus einem Haufen Dreck und zwei angsterfüllten Augen bestand. Aber, grossmütig wie ich bin, dachte ich zuerst nur daran, dieses Elend zu mildern. Erst später kam mir der Gedanke, diesen Putzlumpen in ein für mich und meine hohen Ziele irgendwie brauchbares Volk umzufunktionieren. Also, edelmütig machte ich Mammi darauf aufmerksam, und gab ihr Anweisung, alle Ressourcen meiner Regierung in Gang zu setzen, um den Putzlumpen ans Tageslicht zu bringen.

Und, ganz wie angeordnet, zog Mammi das Elend an den jenen angsterfüllten Augen nächstgelegenen Pfoten unter dem Auto hervor und nahm es in unsere damalige Residenz zu Estepona mit.

Sie nannte den Putzlumpen "Happy", doch ich war der begründeten Ansicht, dass "Unhappy" ein treffenderer Name wäre. Aber der aus Mammi und mir bestehende Reichsrat gab schliesslich der wissenschaftlich-psychologisch begründeten Ansicht Recht, dass dem Putzlumpen ein wenn auch noch so unwahrscheinliches, doch durchaus erstrebenswertes Lebensziel vorzugaukeln sei. So sei es denn!

Tatsächlich wurde Happy dann unter der Pflege meiner Sozialdienste bald zu einem brauchbaren Volk in meinem Reich. Allerdings zeigte er eine sogar den berühmten Versteck-Künstler Houdini weit übertreffende Fähigkeit, sich selbst zu miniaturisieren und in winzige, vorzugsweise dunkelschwarze Löcher und Ecken zu verschwinden. Wenn man Glück hatte, konnte man ihn gerade noch an den Augen erkennen.

Vorausgesetzt, natürlich, dass er diese nicht in Vogel-Strauss-Manier einfach zukniff. Dennoch, unter meiner weisen Anleitung gedieh Happy, und entwickelte sich aus dem ursprünglichen, sich ständig versteckenden, angsterfüllten Putzlumpen zu einem nur ein ganz kleines bisschen ungeschickten, hell-Zimt-farbenen, 51 cm Schulterhöhe grossen und 17 kg schweren, durchaus ansehnlichen Hund zweiter Klasse, einer ihm durchaus zustehenden Stellung. Er freute sich auch dementsprechend, als ich ihm eröffnete, dass er als Bürger meines Reiches akzeptiert wurde, und bedankte sich überschwänglich für eine solche Gnade, die ich später durch ein Stipendim für das Studium auf Armida aufstockte.

Da die königliche Residenz zu Estepona langsam aber sicher zu klein für meine weitreichenden Pläne wurde, ordnete ich an, ein anderes, angemesseneres Reich ausfindig zu machen, um uns dort niederzulassen.

Dies ist anscheinend ein für viele Menschen mühseliges Unternehmen, aber dank meiner brillanten Initiative und Strategie fand Mammi bald ein neues, hinreichend grosses, unbehundetes und unbemenschtes Reich, in dem wir uns niederlassen konnten.

Ich gab ihm den Namen "Tomahna". Entsprechend vorgebildete Menschen (Myst-Expeditionäre) werden den tieferen Sinn dieser Namensgebung erkennen und verstehen.

Und, jovial und fürsorglich wie ich meinem Volk gegenüber nun einmal bin, hielt ich Happy zu sportlichen Tätigkeiten an, weil er ja nicht berechtigt ist, sich mit meinen "Spielzeugen" zu beschäftigen, denn im Königreich Tomahna hat die Krone (das bin ich!) ein absolutes Spielzeug-Monopol.

Da Mammi meine diesbezüglichen Anweisungen befolgt hatte, und in einem langgestreckten Teil meines Reiches eine meinen Neigungen und Ansprüchen hinreichend entsprechende, recht interessante Rennstrecke nach dem bekannten Vorbild in Maranello angelegt hatte, konnte ich meiner aristokratischen Neigung, in einen überwältigenden Geschwindigkeitsrausch zu verfallen, bestens nachkommen.

Es blieb nicht aus, dass Happy verkannte, dass ein klappriger Dampfkarren nicht mit einem Formel-1-Rennwagen konkurrieren kann. Na ja, vier Pfoten haben beide, Happy tat sein Möglichstes, und dank meiner trainerischen Fürsorge und einem ausgeklügelten Fitnessprogramm wurde er im Laufe der Zeit tatsächlich schneller, so dass es richtig Spass machte, zu jagen. Nein, nicht den armen Happy zu jagen, das wäre ja langweilig, weil es doch gleich vorbei gehen würde. Der Witz war, ihn so lange zu trietzen, bis er den Respekt vor meiner königlichen Würde kurzzeitig vergass, und er mich zu jagen versuchte. Es war ein Riesenspass, und Happy war auch deutlich schneller, als Mammi! Es darf halt nicht übersehen werden, dass Mammi ja auch keinen vier-Pfoten-Antrieb hat.

Unvergessen wird der Tag bleiben, als Happy besonders gut getunt war, und in einem bisher nie gesehenen Tempo hinter mir her war. Nicht, dass ich nicht noch den Nachbrenner hätte einschalten können, aber, da die lange Gerade sowieso gleich zu Ende ging, legte ich mich scharf in die Kurve und bog ab. Happy sah das Ende der Geraden viel zu spät, versuchte, mit allem zu bremsen, was er hatte, verlor die Kontrolle, schleuderte, schlitterte, und landete mitten in Mammis Stechpalme. Es tat mir so leid um die Palme, sie hatte danach ein paar Stacheln weniger, die in Happy steckten. Aber meine Abschlepp- und Rettungs-Dienste nahmen sich des zum Wrack degradierten Happy an, und schon bald konnten wir wieder unsere stets rekordverdächtigen Runden drehen.

So ein zünftiger Geschwindigkeitsrausch kann schon toll sein! Wenn ab einer bestimmen Geschwindigkeit die Luft anfängt, so richtig spürbar dick zu werden (nicht im bleihaltigen Sinne zu verstehen), wenn sich die Luft in der Nase staut, dann macht es so richtig Spass!

Und besonders im Sommer, wenn man vor lauter Hitze nicht weiss, wohin man sich aushecheln soll, und dann langsam und vorsichtig die Treppe zum viereckigen See hinuntergeht (die Menschen nennen es Schwimmbecken), dann werden zuerst die Pfoten gekühlt, dann die Beine, dann der Bauch, und, man glaubt es kaum, es tut sogar gut, wenn der Rücken mit unter Wasser kommt! Und genüsslich Wasser schlabbern kann man auch, jede Menge sogar!

Doch, urplötzlich ist die richtige Betriebstemperatur wieder erreicht, und ich spüre den Drang, mal wieder so ein richtiges Renntempo zu geniessen, das Gefühl, die Luft wie eine kompakte Masse an meinem aerodynamischen Körper entlang streichen zu lassen, und den Luftstau in meiner Nase, die Steuerwirkung meines Schwanzes zu fühlen. Bereits bei meinem blitzartigen Start bleibt das meiste Wasser, das ich im Fell hatte, einfach am Startplatz zurück, einen Augenblick träge in der Luft schwebend und noch an meine edle Körperform erinnernd, um dann müde auf den Boden zu klatschen. Inzwischen bin ich jedoch schon einige Kurven weiter gerast, sichtlich tiefergelegt, wie man so sagt, und mit waagerecht ausgestrecktem, als Steuerelement dienendem Schwanz! Ich empfinde mich dann einfach als der Schwarze Blitz, und sollte jemals ein Konkurrenz-fähiger Formel-Eins-Rennstall ein Rennfarben-Design suchen, so diene ich ihm gerne als Inspirations-Beispiel: Tiefschwarz mit goldenen und weissen Details!-
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Die Morgenroutine (Kapitel 7)

Beitragvon Leonie » Mi 3. Sep 2008, 17:18

Jeder König braucht morgens eine Massage, die ihn für seine vielfältigen Aufgaben fit macht. Da Mammi u.A. meine Gesundheits- und Sport-Ministerin ist, übernimmt sie es, jeden Morgen meinen königlichen Rücken sanft zu kraulen bis feste zu kratzen und zu massieren. Anschliessend das gleiche Kraulen, Kratzen und Massieren in Rückenlage, wobei sie mir beim Recken hilft, indem sie sich mit ihrem Gewicht behutsam gegen meine Pfoten lehnt, auf dass ich diese samt Beine unter Last weit dehnen und stemmen kann, das tut dem Muskel-Tonus unwahrscheinlich gut! Natürlich ist Mammi unbändig stolz darauf, dass ich ihr diese verantwortungsvolle Aufgabe zugewiesen habe, und erfüllt sie mit grosser Freude, Hingabe und Sorgfalt.

Anschliessend gibt es ein leichtes Frühstück, voll aus Leckerlies bestehend. Und danach werden die Alltags-Uniformen angelegt: Ich trage ein nahezu goldfarbenes Halsband, und Happy ein zu seinem ihm neuerdings von mir verliehenen Titel eines Reichs-Katzen-Büttels und dem entsprechenden Status passendes, einfaches blaues.

Ein morgendlicher Patrouillengang durch mein ganzes Reich, einschliesslich der Inspektion aller Grenzen und Einrichtungen, schliesst ein, dass Happy sich daran beteiligen darf. Nicht, dass er jemals irgend etwas Relevantes zu melden hätte, aber es gibt dem armen Kerl ein gutes Gefühl. Ausserdem erweitert es seinen Horizont.

An und für sich wäre danach ein ausgiebiger Bildungs- und Studien- Ausflug in benachbarte und auch weiter entfernte Domänen fällig, aber aus unerfindlichen Gründen unternimmt Mammi den meist alleine, und bleibt bis zum Abend weg. Diese lange Abwesenheit versucht Mammi immer, mir schmackhaft zu machen, indem sie mir eine ihrer voraussichtlichen Abwesenheit angemessene Menge an Leckerlies zukommen lässt. Ich nehme jedoch an, dass diese Abwesenheiten irgendetwas mit ihren Aufgaben als Wirtschafts- und Finanz-Ministerin zu tun hat. Nun ja, das muss halt auch sein...

Trotzdem, so ein relativ einsamer Morgen hat auch seine Reize: Man kann Happy triezen und trainieren, und sich mit den Hunden der benachbarten Domänen unterhalten, und ihnen vielleicht auch mal einen gutgemeinten und fundierten Rat geben, wie sie mit ihren läppischen, kleinlichen Problemchen besser fertig werden können. Es ist nämlich erschreckend, wie viele Hunde einfach keinen Schimmer davon haben, wie sie mit ihren Leuten umgehen sollen, geschweige denn gar, diese zu nützlichen Mitgliedern ihrer ureigensten Gebiete zu erziehen. Und, noch viel schlimmer, sie verstehen einfach nicht, wie sehr es sich lohnt, ein ganz klein wenig Mühe in die Erziehung und Ausbildung der jeweiligen Menschen zu investieren.

Na ja, nicht jeder Hund kann eine so erlauchte Mentalität haben, wie ich. Oder gar über die Alton-Gabe verfügen.
Nicht, dass ich etwa eingebildet wäre, keineswegs, wenn überhaupt, dann schon gleich zwei- oder dreigebildet! Aber nichts läge mir ferner, als irgendwie anzugeben. Gebildet bin ich, sogar hoch gebildet, ganz klar. Weit gebildet, ebenso logisch. Dazu weltoffen, pragmatisch, und - ich bin bescheiden genug, es zuzugeben - stets bereit, mehr über diese komplexe Welt zu lernen, in der zu leben ich den vielen und vielfältigen Mitbewohnern die Ehre gebe.

Doch zurück zu den wichtigen Patrouillen!
In meinem Reich wimmelt es von Kontroll-würdigen Details. Da wäre die automatische Wasserbar, die durch eine sinnvolle Vorrichtung immer gefüllt ist, man kann da schlabbern, so lange man will, sie wird niemals leer.

Oder aber die vielen verdächtigen Löcher im ausgedehnten Erdreich, bei denen kontrolliert werden muss, ob sie irgendwie bewohnt sind, und gegebenenfalls von was oder wem. Keine leichte Aufgabe, sie erfordert viel Geduld, noch mehr Geschick, und hohe staatsmännische Räson, wenn man nicht nur ein paar lumpige Ameisen oder eine winzige Maus findet, sondern vielleicht so einen Gekko genannten Mini-Drachen an einer Wand oder gar ein Chamäleon in einem Baum sitzen sieht. In diesen ernsteren Fällen pflege ich mich als Alleinherrscher dieses meines Reiches vorzustellen, und diesen Geschöpfen kund tun, dass sie eine von mir jederzeit widerrufbare Erlaubnis erteilt bekommen, sich hier und da aufzuhalten, und sich ansonsten wie zivilisierte Gäste in meinem Reich aufzuführen haben. Und, damit alles klar wird, pflege ich einen kleinen Hinweis anzufügen, nämlich, dass es unliebsamen Eindringlingen gar nicht gut zu gehen pflegt.

Anders ist die Sache allerdings mit Katzen, besonders bei Nacht, denn die haben in meinem Reich schon mal gar nichts verloren, und somit auch nichts zu suchen.

Nicht, dass ich ein blindwütiger Katzenhasser wäre, nein, es ist mir durchaus bewusst, dass diese Klein-Tiger durchaus eigene Heime besitzen, aber dann sollen sie, bitte sehr, ihre Geschäfte auch dort verrichten. Oder, wenn sich diese pseudo-Troubadoure einbilden, mit ihren schmerzhaft dissonanten katzenjämmerlichen Serenaden zu nächtlicher Zeit irgendwelchen Katzendamen imponieren zu können, und das auch noch während ihrer nicht genehmigten Aufenthalten in meinem Reich.

Nein, das ist dann wirklich zuviel. In solchen Fällen pflege ich Mammi Anweisung zu geben, die Haustür zu öffnen, und ich gehe raus, sehe nach dem Rechten, und erteile Happy, der mir natürlich gefolgt ist, den Befehl, als speziell für solche Einsätze ernannter Reichs-Katzen-Büttel für gebührende Ordnung zu sorgen, was er denn auch mit bewunderswertem Eifer und Pflichtgefühl erledigt.

Natürlich kommt es manchmal zum Pfotengemenge mit aufmüpfigen Katzen, und Happy kommt leicht lädiert zurück, aber das ist sein Berufsrisiko, und meine Sanitätsdienste nehmen sich ja auch seiner an.

Nachdem ich Happy derart auf seine Pflichten aufmerksam gemacht habe, und während er sie lautstark ausübt, pflege ich mich ins Bett zu begeben und königlich zu ruhen, was ich am liebsten so bewerkstellige, dass ich mich quer über das Bett lege, dabei aber den Kopf über die Bettkante runterhängen lasse, das tut gut, weil dann mein Hirn besser durchblutet wird, und das fördert meine geistigen Fähigkeiten ganz ungemein. Das kommt mir bei der ständigen Weiterentwicklung meiner hochfliegenden Plänen, die ja bis ins kleinste Detail durchgedacht sein müssen, natürlich sehr zugute.

Man sieht also, dass so ein König, wenigstens wenn er sein Reich weiter entwickeln möchte, buchstäblich Tag und Nacht zu arbeiten hat.
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Tarik hat Flöhe (Kapitel 8)

Beitragvon Leonie » Mi 3. Sep 2008, 17:20

Über Katzen habe ich ja bereits referiert, und dass sie besonders nachts denkbar unerwünscht sind. Nun ist für die Katzen-Vertreibung Happy, mein Reichs-Katzen-Büttel zuständig, und er macht das ja auch ganz gut. Aber Katzen sind ja nicht nur störende Eindringlinge, sondern, wahrscheinlich hauptberuflich, Flohtransporter. Und nicht nur, dass diese elendiglichen Piesacker sich an meinem Reichs-Katzen-Büttel gütlich tun, sie lassen sich auch überall nieder, wo die eingedrungene Katze vorbeistreicht. Und das heisst, dass man nicht direkten Katzenkontakt haben muss, um von diesen illegalen Blutsaugern angefallen zu werden.
Aber meine Sanitätsdienste, in Person von Mammi, sind sich dieser Bedrohung bewusst, und statten die gesamte Bevölkerung des Reiches mit sogenannten "Scalibor"-Halsbänder aus (in erster Linie, damit niemand von Leishmania befallen wird), und ausserdem werden die Nackenhaare der legalen Reichsbewohner mit einer Flüssigkeit getränkt, die haben die Wirkung, dass Flöhe ihre Nähe nicht vertragen, und bald das Zeitliche segnen, wenn sie versuchen, sich im Fell bequem einzurichten. Also: Floh, der sich an Bewohner Tomahnas heranmacht, ist gleich Floh, der umkommt.

Dennoch: zum einmaligen Blutsaugen reicht die Zeit allemal, da hilft auch das eingehendste Kratzen nichts! Klar, es ist natürlich gemein, dass mein Volk (meine Majestät inbegriffen!) prinzipiell vor Flöhen und deren Stichen nicht sicher ist, aber es mir doch ein gewisser Trost ist, dass diese Mini-Untiere nicht viel davon haben.

Aber, nicht genug damit, es besteht auch jederzeit die Gefahr, dass diese abscheulichen Insekten rechtzeitig dazu kommen, irgendwo unzählig viele Eier zu legen, die sogar nach erstaunlich langer Zeit noch reifen können, und dann sind plötzlich viele neue, junge, und logischerweise hungrige Flöhe vorhanden!

So stellte meine tägliche Patrouille eines Tages einen sonderbaren Eindringling fest, er war wesentlich kleiner und auch sehr viel langsamer als ich, und dazu rundherum stachelig. Genau das, was man sich zum Beschnuppern oder gar zum Kuscheln wünscht!
Dennoch, er wurde vorübergehend festgenommen (es bestand sowieso keine Fluchtgefahr), und während der folgenden eingehenden Befragung des Verdächtigen konnte ich feststellen, dass er eine offizielle Lizenz zum Schneckentöten hatte, ein Umstand, der mir sehr willkommen schien, weil diese Haus-mit-sich-Träger alles andere als erfreulich sind. Nun denn, der Igel erhielt eine ordnungsgemässe Genehmigung, sich bis auf Widerruf im Reich Tomahna als Schneckenvertilger nützlich zu machen. Schliesslich ist ein lizensierter, erfahrener Mitarbeiter auf dem Gebiet der Schneckenbekämpfung stets willkommen, insbesondere da Schnecken weder mir noch Happy schmecken.

Doch abends, als ich mich auf Mammis Schoss und mein Reichs-Katzen-Büttel Happy sich vor dem Kamin der häuslichen Gemütlichkeit erfreuten, überkam mich ein dringendes Bedürfnis, mich ausgiebig zu kratzen. Auch Happy unterbrach seine Kamin-Feuer-Brat-Orgie, um sich hier, da und auch dort zu kratzen. Was bei Mammi einen markerschütternden Urschrei auslöste, der als Schlachtruf die nächsten Wochen des bis dahin ungestörten und friedlichen Daseins in meinem Reich prägen sollte:

[CENTER]» FLÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHE!!!!! «
» Flöhe! Alarm! Feuerwehr! Polizei! Sanitätskorps! «[/CENTER]

Und sofort ergriff mein Reichs-Gesundheits-Minister, in Person von Mammi, die von ihr für geeignet angesehenen Massnahmen. Das normale Halsband, das wir insbesondere zur Abwehr der Leishmaniose-Gefahr tragen, und das auch etwas gegen Flöhe tut, wurde umgehend erneuert.

Aber nicht genug damit, alle meine Sanitätsdienste, in Person von Mammi, starteten eine grossflächige, umfassende Aktion, um praktisch das ganze Reich grundsätzlich und gründlich flohfrei zu machen. Alle unsere Kissen, Lager, Sessel, Polster und sonstige bevorzugten Aufenthalt-Plätze wurden brutal gewaschen, geschrubbt und mit angeblich wohlriechendem Floh-Pulver bestäubt. Es hat wahrlich zum Himmel gestunken, man wusste kaum noch, wo man noch hinriechen konnte, alles stank nach Zitronen und Limetten, aber was nimmt man nicht alles auf sich, um das Reich und sein Volk gesund und flohfrei zu erhalten! Sogar der Igel, als geständiger Floh-Gross-Transporter, wurde so eingehend mit Floh-Pulver verschüttet, dass er ganz weiss aussah. Froh schien er jedoch nicht zu sein.

Aber nicht genug damit, sie zerrte ihr "Staubsauger" genanntes heulendes Ungerät (später mehr darüber) hervor, und saugte alles ab, was dem Ding vor den Saugrüssel kam. Richtig unangenehm, dieses Unding. Ich nehme an, dass selbst Jahrhunderte nach der Verschrottung des Saug-Rüssel-Ungerätes seine Moleküle noch flohfrei sein werden.
Der Wahrheit die Ehre, unter dem Strich ist es sicherlich vorzuziehen, hier und da einem Flöhchen kurzzeitig als Transportmittel zu dienen, als so massive Entflohungs-Aktionen zu erdulden. Aber, als ich ein Machtwort sprechen wollte, da war schon alles zu spät. Hinzu kam noch, dass mein Sanitätsministerium erklärte, es käme weniger auf die Flöhe selbst an, als auf deren astronomisch zahlreichen Eiern, deren restlose Vernichtung eben das Ziel der Aktion sei.

Ja, man muss selbst als König doch unsagbar viele Unannehmlichkeiten auf sich nehmen, wenn man ein ordentliches Reich haben will.
Aber, ein König ist ja nicht einfach dazu da, um zu herrschen, nein, ein guter König (ich diene da gerne als leuchtendes Beispiel) hat auch die Pflicht, nach Kräften für sein Volk zu sorgen, auf dass sein Reich sich vielfältig und immer besser entwickeln kann!-
Leonie
 
Beiträge: 3293
Registriert: Fr 22. Aug 2003, 17:20

Nächste

Zurück zu Lyrics

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast