Tarik - Ausbildung meines Menschen (Kapitel 4),und weitere

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Auf zum Turnier! (Kapitel 17)

Beitragvon Leonie » Di 16. Sep 2008, 13:40

Es ergab sich eines Tages, dass in einem nicht allzu nahem Ort ein Turnier stattfinden sollte, wo Hunde ihre Menschen vorführen sollten. Keine Frage, wir waren sofort entschlossen, daran teilzunehmen. Ich war zwar bereit, in allen Einzel-Prüfungen zu siegen, aber für Mammi wäre das wohl zu viel gewesen. Auch fand ich, dass man Happy eine Gelegenheit geben müsse, sich irgendwie zu bestätigen, so etwas tut der Psyche gut! Daher würde ich an Happys Wettbewerb natürlich nicht teilnehmen, das wäre dem lieben Kerl gegenüber einfach unfair gewesen.

Kurz und gut, wir fuhren mit Mammis Auto dahin, und waren als eifrigst-erste bei der Einschreibung, ich mit der Startnummer “1” und Happy mit der “2”.

Eine der Prüfungen hiess "Agility", da sollten die Hunde ihre Sportlichkeit zeigen, indem sie über und durch eine Reihe von "Hindernissen" genannten Spielsachen hüpfen, kriechen und rennen, möglichst ohne den jeweils daneben keuchenden Menschen zu überholen oder einfach aus den Augen zu verlieren. Wahrlich, ein Welpenspiel, wie es auf Armida fast tagtäglich veranstaltet wird.

Wir starteten natürlich als erste, und haben dann unsere Sache auch sehr gut gemacht, Mammi hat sich nur ein einziges Mal und nur ganz kurz, kaum bemerkbar verlaufen, und ich habe sie auch nicht überholt, wir sind immer wunderbar zusammen geblieben.

Nur, und das kann ich bis heute einfach nicht begeifen: die anderen Hunde hatten ihre Menschen angeleint, die waren aufeinander so schlecht abgestimmt, dass sie wohl kaum die gleiche Strecke gelaufen wären!
Und, was noch viel unverständlicher erschien: manche Hunde waren im Hüpfen (weil man so etwas einfach nicht "springen" nennen kann) so ungeschickt, dass sie ihre Menschen angewiesen hatten, sie an der Leine über die "Hindernisse" zu hieven! Ein anderer Hund fand den Tunnel so gefährlich, dass er seinem Menschen dazu veranlasste, erst mal selber durchzukriechen! Ich fand diese Vorgehensarten, gelinde gesagt, reichlich unsportlich, und erwartete eine Disqualifikation nach der anderen. Aber nein, es waren wohl nur blinde oder extrem kurzsichtige Juroren anwesend, oder sie hatten von Hundeturnieren einfach keine Ahnung. Jedenfalls wurde niemand disqualifiziert!

Zum Sieger erklärt wurde so ein superschneller Husky, der seinen Menschen einfach mit Gewalt über den Parcours gezerrt hatte, der war tatsächlich dreieinhalb Sekunden schneller gewesen, als ich mit Mammi. Und dann war da noch so ein Ungetüm von Hund (man konnte ihn glatt für einen Bären halten!), der hat seinen keuchenden Menschen quer über den Platz geschleift, wobei sie abwechselnd alle sogenannten Hindernisse umrannten. Und die waren immer noch eine Sekunde schneller als ich!
Und so bekamen wir nur den dritten Preis, obwohl wir die mit Abstand beste Leistung gezeigt hatten, denn es ging ja auch um das Zusammenspiel mit dem Menschen, wozu man ja keine Leine brauchen sollte!

Happy trat mit Mammi in einer Prüfung an, die "Lieber Hund" genannt wurde, eine Sache für Anfänger, aber für Happy durchaus fordernd, was mich in meiner volksnahen Güte und Einfühlsamkeit bewog, Happy einige prägnante, gute Ratschläge (kaum mehr als zweihundert) mit in diese Prüfung zu geben. Auch Mammi erinnerte ich an alle die Dinge, die ich ihr so mühsam beigebracht hatte, und ermahnte sie zu Disziplin und Beachtung meiner Ratschläge. Ich anerkenne, dass beide meinen fundierten Anweisungen peinlich genau folgten, und so war es nur gerecht, dass Mammi und Happy den zweiten Platz belegten.

Danach trat ich mit Mammi bei einem "Musical Sit" an, eine Art von "Reise nach Jerusalem", wo jedoch nicht die Menschen sich bei Musikabbruch hinzusetzen hatten, sondern die Hunde, da kam es natürlich sehr auf schnelle Reaktionen an. Nun, die hatte ich, selbstverständlich, bis wir am Schluss nur noch zwei Paare waren; die anderen waren ein süsses Maltesermädchen mit einem etwa 12-jährigen Menschenmädchen an der Leine. Ich wäre gewiss kein Kavalier, wenn ich der Kleinen nicht den Sieg zugeschanzt hätte. Und, tatsächlich, ihr dankbar-schmelzender Blick entschädigte mich für den entgangenen sicheren ersten Platz!

Der Höhepunkt des Tages wurde jedoch die Prüfung "Schnellster Rückruf", da sollten die Hunde auf einer Linie sein, und auf ein Signal zu ihren Menschen laufen. Mammi und ich einigten uns auf die kleine Pfeife als Signal. Also begleitete ich Mammi auf ihren Platz, und ging dann zur Startlinie, wo ich mich bequem hinsetzte. Nur, auch hier lief die Sache ziemlich irregulär ab, weil alle anderen Hunde einen Starthelfer hatten, der wohl dafür zu sorgen hatte, dass es keine Frühstarts gäbe. Aber bei meinem Tempo und meiner sportlichen Disziplin war da ja nichts zu befürchten! Als dann alle Menschen anfingen zu rufen und zu brüllen, und ich Mammis kristallklare Pfeife hörte, startete ich mit nur leicht durchdrehenden Pfoten und war im Nu in ihren Armen.
Aber - der Starthelfer links neben mir hatte seinen Schützling ganz einfach über die halbe Strecke geworfen, und, nach einer bemerkenswerten vier-Pfoten-Landung, war der eine ganze Hundelänge vor mir an seinem Ziel. Nur: in der Turnier-Ausschreibung stand nichts über Fliegende Hunde! Und abermals: keine Disqualifikation!

Doch dann brach plötzlich Happy schlitternd durch die Hunde- und Menschen-Menge, und bremste mit qualmenden Pfoten vor Mammi, überglücklich über seine Leistung. Was war geschehen? Happy war in unserem unter schattenspendenden Bäumen geparkten Auto gewesen, zusammen mit "Pappi", meinem neu ernannten Biographen, und der mit Mammi wohl irgendwie verwandt ist, aber kein sonderlich nützliches Mitglied meines Reiches ist, weswegen ich ihm ja meine Memoiren anvertraut habe. Na ja, natürlich kontrolliere ich alles, was er so schreibt.

Aber zurück zum Turnier und zu Happy: der Gute hatte Mammis Pfeife ebenfalls gehört, war daraufhin direkt aus dem Auto eilgestartet, "Pappi" einfach und elegant überspringend, und hatte alles über den Weg gerannt, was in der geraden Linie zwischen Auto und Mammis Pfeife war. Unter Berücksichtigung der dabei zurückgelegten Entfernung, war Happy (nach meiner Majestät) der zweitschnellste nicht fliegende Hund! Dieses wirklich bemerkenswerte Ergebnis wurde zwar nicht gewertet, aber ich und Mammi waren schon sehr stolz auf mein Volk!

Eine mittelkurze Zeit nach Happy kam Pappi angekeucht, und wollte wohl melden, dass Happy sich seiner Aufsicht entzogen hatte. Aber Happy war ja ganz ordentlich da vorhanden, wo er hingehörte, nämlich unter meiner eigenen königlichen Obhut.

Es ist eigentlich weit und breit bekannt, dass Leinenführung und Fliegende Hunde nicht mit den regulären Turnier-Regeln zu vereinbaren sind. Also darf ich das Ergebnis für unseren Hausgebrauch auch mit Fug und Recht bereinigen: Sieg und Doppelsieg!
So sagte Mammi denn auch, dankbar und gerührt:
»Als wir zum Turnier fuhren, glaubte ich, den besten Hund (mich!) begleiten zu dürfen. Jetzt, wo wir zurück sind, weiss ich, dass ich die Ehre hatte, die beiden besten Hunde begleitet zu haben!«
Natürlich hatte sie Recht, ich selbst war ja stets über jeden Zweifel erhaben, aber es tat mir schon gut, dass meine viele in Happy investierte Mühe ihre Früchte trug.

Obwohl wir mit Ruhm, Anerkennung und Preisen reich beladen nach Hause kamen, beschloss ich und gab Anweisung, nicht wieder auf so unbedarfte Turniere zu gehen.
Wahrhaftig, ich hatte allen Grund, auf mich und mein Reich samt seinen Einwohnern stolz zu sein!-

Nachtrag; leider ist die "Agility" wirklich so abgelaufen. Tarik war der einzige Hund, der ohne Leine und Halsband an den Start ging. Was ds mit Agility zu tun hat, ausser, dass da ein Tunnel und Hürden waren, weiss ich bis heute nicht. Und der "Fastest Recall" war nicht viel besser.

Aber Happy, das war wirklich ein Highlight.
Leonie
 
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Strandläufe (Kapitel 18)

Beitragvon Leonie » Do 18. Sep 2008, 15:44

Manchmal (leider viel zu selten, halt nur, wenn es die Staatsgeschäfte und sonstigen Verpflichtungen mal zulassen) setzt meine Regierung eine Expedition an das grosse Meer an. Immerhin, es ist der Atlantik, der hier gemeint ist!

Im allgemeinen ist der Strand für Hunde nicht zugelassen; man kann es verstehen, weil es so viele Menschen, und auch Hunde gibt, die sich nicht so richtig zu verhalten wissen, oder Menschen, die sogar Angst vor bösen Hunden haben. Nun ja, es gibt sie tatsächlich, solche bösen Hunde, obwohl meistens deren Menschen an diesem unsozialen Verhalten der Hunde schuld sind. Und genau deswegen, um diesem misslichen Zustand wenigstens ein wenig abzuhelfen, habe ich ja meine Universität zu Armida ins Leben gerufen.

Aber ich wollte über die Expeditonen an das grosse Meer berichten. Strand ist ein weiter Begriff, und die Menschen kennen eigentlich nur den, der für sie badegünstig gelegen ist. Wir gehen jedoch auf Abenteuer aus!
Schön ist es bei Ebbe (das ist dann, wenn das Meer sich zurückzieht), weil dann der Sand noch feucht und kühl ist, aber dennoch ganz fest, eine herrliche Rennpiste! O ja, ich kann es gut verstehen, dass die ersten Autorennen eben auf Stränden veranstaltet wurden, so wie lange vor meiner Zeit vor Daytona, in den USA (wo und was das auch immer sein mag...).

Es ist wunderbar, auf fast endlosen, topfebenen Geraden mit Höchstgeschwindigkeit dahin zu brausen, und sich die Seeluft über das aerodynamisch glatte Fell streichen zu lassen! Und die kühlende Feuchtigkeit des Sandes trägt dazu bei, dass die Pfoten sich bei dem hohen Tempo nicht allzusehr erhitzen. Wer genau wissen will, wie wichtig das ist, der kann sich ja mal bei Michael Schumacher oder einem seiner Kollegen erkundigen, die haben nämlich genau das gleiche Problem mit ihren Reifen.

Ach, ich könnte ins Schwärmen kommen, schon allein bei dem Gedanken an den waagerecht ausgestreckten, stabilisierenden Schwanz, an die vor Schnelligkeit kaum sichtbaren, schwirrenden Pfoten, an die zurück gelegten Ohren, an die bis auf einen Spalt zugekniffenen Augen, an den heulenden Laufwind, durch den sich mein edler, aerodynamischer Rennkörper bohrt ... nicht mal Fliegen ist schöner! Und wenn meine Betriebstemperatur einmal zu sehr ansteigt, dann ist ein ausgiebiges Plätscherchen im Atlantik genau das richtige, sogar im Winter!
Mammi sagt, dass sie dann eine Gänsehaut bekommt, wenn sie das sieht, aber das glaube ich nicht, denn ich habe noch nie Federn an ihr gesehen.

Klar, es geschieht schon mal, wenn man so mit Höchstgeschwindigkeit dahinbraust, dass man eine Pfütze übersieht, die Pfoten Aquaplaning machen, und der ganze Hund unvorhergesehene Kapriolen macht, bis hin zum Überschlag, aber das ist bisher nur Happy passiert.

Was hingegen mir schon mal passiert ist, das war, dass ich zu nahe an dem sich ständig bewegendem Wasser dahinpreschte, eine von meinen Pfoten und dem logischen Luftdruck aufgewirbelte Gischt-Wolke hinter mir herziehend, und dass ich dann eine grössere, auf den Strand zu rollende Welle übersehen oder als zu klein eingeschätzt hatte. Klar, dann wurde schlagartig aus einem rasenden Formel-1-Rennboliden ein Speedboot, das noch eine kurze Strecke über das Wasser glitt, bis der Schwung aufgebraucht war, und ich ans Ufer paddeln musste, um wieder anständige Piste unter die Pfoten zu kriegen.
Aber so einem richtigen, passioniertem Sporthund wie mir tut so etwas natürlich in keiner Weise auch nur den geringsten Abbruch. Im Gegenteil, es fordert meinen Sportsgeist nur noch mehr heraus!

Leider ist mein Volk und Reichs-Katzen-Büttel Happy nicht so rennsportbegeistert, wie ich, vielleicht, weil seine Erfolge absolut selten und mager sind. Er rennt zwar fleissig mit, aber so richtigen Speed entwickelt er mehr als selten. Er behauptet zwar, dass er es nicht über sich und seine Aufsichtspflicht bringt, Mammi so weit und so lange alleine zu lassen, aber das ist nur eine faule Ausrede, weil ich, sollte Mammis Notpfeife ertönen, trotzdem lange vor Happy zur Stelle wäre und Hilfe leisten könnte. Aber, jovial und einfühlsam, wie ich nun mal bin, danke ich Happy für diese menschenfreundliche Einstellung, und dass er mir damit eben ermöglicht, kurzfristig, buchstäblich und mit gutem Gewissen das Weite zu suchen. Worauf Happy mir natürlich ehrerbietigst dankt für meine Anerkennung seiner Leistungen, wenn auch nicht sportlicher Natur.

Aber nicht alleine aus Rennen besteht die Welt, und bei meinem üblichen Tempo habe ich das errennbare Areal auch im Nu erforscht und begutachtet, wobei letzteres manchmal auch ein wenig aufwendiger sein kann.
Abwechslung muss also auch sein. Natürlich bietet sich dann Mammis Weiterbildung an. Also wird das ganze Repertoire durchgenommen:

Bei Pfote gehen, und zwar sehr lange und genau. Das ist besonders wichtig bei der Begegnung mit anderen Menschen und Hunden, damit Mammi sich immer beschützt weiss, und nicht in die klägliche Versuchung kommt, andere Hunde zu befummeln (sie nennt das "streicheln"), oder gar nur mir zustehende Leckerlies an solche niedrigen Geschöpfe zu verschwenden.
Oder einen von mir entwickelten Slalom-Schritt, den Mammi ausführt, so dass ich zwischen ihren Beinen im Zickzack laufen kann. Diese Übung ist für Menschen elementar wichtig, einerseits lernen sie, dass Berührungen an den Beinen keine Bedrohung darstellen, andrerseits schult es ihre Koordination und Geschicklichkeit, was wiederum die Gefahr von unbeabsichtigten Tritten auf zwischen ihren Beinen herumwuselnden Hunden ganz beachtlich verringert. Klar, dass Mammi ihre Lehrgebühren in Form von Leckerlies brav entrichtet.

Da Mammi auch musikalisch-rhythmisch nicht ganz unbedarft ist, übe ich mit ihr einfache Tänzchen, mit kleinen Pirouetten, seitlich und rückwärts Gehen, und ähnlichen leichten Aufgaben; man darf die Menschen ja nicht überfordern, sonst verlieren sie die Lust und Freude an solchen Übungen.

Dagegen ist mein Volk und Reichs-Katzen-Büttel Happy von solchen Übungen denkbar überfordert; er sitzt oder liegt dann untätig herum oder patroulliert zum x-ten Male bereits bestens bekannte und absolut unbekatzte Regionen ab. Klar, für Untätigkeit gibt es keine Leckerlies.

Um Happy jedoch nicht zu sehr zu frustrieren, bietet Mammi ihm ganz elementare Dinge an, wie zum Beispiel ein ganz einfaches bei-Pfote-gehen.
Aber im Lehrplan meiner Universität auf Armida bilden diese Übungen die Grundlage für das "Dog-Dancing" genannte Hochleistungsfach. Später mehr darüber!

Am Strand gibt es auch kleine Gaststätten, und manche sind ausgesprochen weltoffen und gebildet, sie bieten nicht nur mir, sondern auch Mammi und Happy frische Getränke an, wenn ich ihnen huldvoll die Gnade erweise, bei ihnen einzukehren. Klar, dass Mammi auch diesen netten Leuten ein paar Leckerlies zukommen lässt, das gehört sich so! Und wenn ich das Signal zum Aufbruch gebe, bedanken sich die Menschen der Gaststätte auch freundlichst dafür, dass ich ihnen eine solche Ehre zukommen liess. Ich werde mal darüber nachdenken, ob es in Erwägung gezogen werden kann, besonders ausgewählten Gaststätten irgendeine Art von königlicher Anerkennung zukommen lassen, vielleicht so etwas wie das zu Recht begehrte "Rote Halsband", das an einem Ehrenplatz über der Theke angebracht wird.

Eigentlich erübrigt es sich, zu erwähnen, dass nur ein sauberer Strand wirklich Spass macht. Es ist traurig, dass manche Hunde ihre Menschen nicht zu mehr Reinlichkeit erziehen. So findet man Zigarettenkippen, leere Flaschen aus Glas und Plastik; Papiere, Tüten und Deckel jeglicher Art, sowie die Hinterlassenschaften von Notdürften unterschiedlichster Herkunft. Ein Glück, dass die Möwen wenigstens die meisten Speisenreste entsorgen. Und es ist auch zu begrüssen, dass die menschliche Verwaltung frühmorgens Menschen ausschickt, die zum Teil mit grossen Maschinen, zum Teil in mühseliger Handarbeit den Strand von unziemlichen Dingen säubern, die alle in grossen, schwarzen Säcken deponiert werden.

Happy hat vor diesen Maschinen und ihren Menschen sehr viel Angst, denn er fürchtet, ebenfalls in so einen schwarzen Sack gesteckt zu werden. Es ist dem armen Kerl halt immer noch nicht so richtig klargeworden, dass er, als mein Volk und Reichs-Katzen-Büttel, ebensosehr unter meinem königlichen Schutz steht, wie Mammi. Na ja, fast so sehr...

Aber da hat Mammi wirklich ein meiner Regierung würdiges Umwelt-Bewusstsein: Sie hat immer sogenannte Abfallbeutel bei sich, und sammelt brav alles auf, was Happy an gelegentlich entgleisten "Häufchen" produziert. Es erübrigt sich wohl, zu erwähnen, dass meine persönliche Einstellung zur Umwelt derartige Entgleisungen nicht zulässt; wenn mich wirklich mal so eine Notwendigkeit überkommt, so zische ich ab, in die Büsche zwischen den Dünen, wo es niemand stört, und verrichte dort in aller Diskretion was auch immer nötig ist.-
Leonie
 
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Jagdsaison (Kapitel 19)

Beitragvon Leonie » Fr 19. Sep 2008, 21:48

Also, dass der alleinige Daseins-Zweck der Kaninchen der ist, gejagt zu werden, daran besteht wohl nicht der geringste Zweifel.

Die Kaninchen-Jagd ist ein edler Sport, dem ich mit Geschick und Leidenschaft nachrenne, wann immer wir Expeditionen in die mein Reich Tomahna umgebende ausländische Domänen unternehmen. Nur, es ist eben ein Sport, und den Kaninchen irgendeinen Schaden zuzufügen, wäre natürlich total unsportlich. Denn, das darf unter keinen Umständen übersehen werden, wie soll man denn Kaninchen jagen, wenn sie nicht mehr da sind?

Also jage ich, mit der zweifelhaften und durchaus entbehrlichen Hilfe meines Reichs-Katzen-Büttels (also nicht Kaninchen-Büttel!) die Kaninchen, bis ich beschliesse, dass der Rennerei nunmehr genug ist. Vorläufig, jedenfalls.

Mammi scheint mitunter zu glauben, dass die Kaninchen einfach schneller sind, als ich. Oder dass diese Hoppelchens genau in dem Moment nach links abdüsen, wenn ich nach rechts in die Kurve gehe. Ja, sie lacht dann sogar! Und das finde ich gut, es ist schön, wenn Menschen im Allgemeinen und Mammi im Besonderen sich freuen, und daher lege ich eben ganz bewusst solche "Pannen" ein, wohl wissend, dass, wenn Mammi sich freut, ihre eigentlich immer gute Leckerlies-Spendier-Freudigkeit mindestens im gleichen Verhältnis ansteigt, wie ihre Freude.

Ich glaube doch, dass ich mich verständlich ausdrücke. Wenn also das Kaninchen einen Haken nach links schlägt, und ich eine Kurve nach rechts drehe, so ist das einfach, weil mich dieser Weg gleichzeitig in Mammis Nähe bringt. Ich brauche dann nur kurz bei ihr zu halten, und schon habe ich nicht nur ein, sondern gleich mehrere Leckerlies intus. Das dauert etwa so lange, wie ein Boxenstop für Reifenwechsel und Tanken bei der Formel 1, mit der ich ja im Geiste der Geschwindigkeits eng verwandt bin. Ein eventuelles, wenn auch nur minimales Zögern Mammis in Sachen Leckerlies hervorholen, wird durch ein kurzes, lautstarkes Hecheln oder gar durch ostentatives Augen-Verdrehen in Keime erstickt. Man darf solche Massnahmen allerdings nicht übertreiben, sonst tippt sie nicht auf eine nur kurze, durch die Anstrengung ausgelöste akute Muskelschwäche, die eben durch Leckerlies augenblicklich behoben wird, sondern womöglich auf ernstere, chronische Beschwerden, für die nicht mehr die Verabreichung von Leckerlies, sondern ein Tierarzt zuständig ist, was natürlich ebenso überflüssig wie abzulehnen wäre.

Auch Menschen jagen Kaninchen, und wer will es ihnen verdenken? Aber sie machen es nicht auf die sportliche Art, indem sie ihnen nachrennen, so wie ich es tue, sondern sie benutzen Feuerwaffen, und erschiessen sie! Also, ich frage alle, die diese Zeilen lesen, wo bleibt denn da der Sport? Und mehr noch, sie schiessen mit weit streuendem Schrot, das heisst, dass sie nicht einmal genau zielen und treffen müssen, was ja auch eine grosse Kunst ist, und soweit auch verständlich wäre; beim menschlich-winterlichen Biathlon wird ja auch gelaufen und geschossen.

Aber so? Nein, ich finde das gar nicht gut! Einerseits gibt es danach weniger Kaninchen zum Jagen, andrerseits tun diese menschlichen Jäger ja auch gar nicht laufenderweise jagen, was so gesund für sie wäre, und ausserdem benutzen sie keine einzelnen Geschosse, was den Kaninchen eine mindestens enorme Entkommens-Chance geben würde. Und noch etwas: So ein Schuss ist eine unzumutbare Beeinträchtigung der allgemeinen Ruhe, besonders morgens, wenn ich noch im Bett des Schlummerns fröne, und dann urplözlich zwischen einer erschrockenen Mammi und einem bibbernden Happy hin und her gezittert werde. Da helfen meist auch keine Zusicherungen, dass unter meinem Schutz niemand etwas passieren kann, nein, es muss gezittert werden, dass das Bett wackelt!

In meiner globalen und Zukunfts-orientierten Denkweise habe ich auch versucht, Hunde, Kaninchen und entsprechend denkende Menschen zu Demonstrationen aufzurufen, nach dem Motto "Zurück zu Pfeil und Bogen!", oder "Pfui über Schrot-Jäger!", oder "Jagen ist Laufsport!", oder "Sportliche Jagd auf sportliche Kaninchen". Aber zum Teil waren viele Hunde nicht von den Vorzügen der sportlichen Kaninchenjagd zu überzeugen, und manche wussten nicht einmal, wie so ein Kaninchen aussieht.

Zu meiner grossen Überraschung waren es aber auch die Kaninchen selbst, die Einwände darüber erhoben, warum sie eigentlich überhaupt zu jagen seien? Und über eine Antwort auf diese Frage habe ich lange gegrübelt, und ausgiebig recherchiert. Und, tatsächlich, es gibt Leute, sogenannte Zauberkünstler, die jagen solche Kaninchen nicht, sondern holen sie aus einem Hut.

Das ist eine Prozedur, die ich ernsthaft in Zweifel ziehen muss, weil da mit Hilfe einer Menge künstlich erzeugter Sterne und einem total überflüssigen Herumwedeln mit einem Stöckchen höchst wahrscheinlich verschleiert wird, dass das arme Tierchen gerade erst mühsam in diesen Hut hineingestopft wurde.
Und, unter Vernachlässigung dieser nur der guten Ordnung wegen erwähnten Kaninchen-Anwendung bleibt eigentlich immer noch eine Frage offen: Ja, wozu sind Kaninchen denn überhaupt da, wenn nicht, um gejagt zu werden?

Und obwohl ich Mammi bereits Anweisung gegeben hatte, rechtzeitig für eine angemessene Menge an Plakaten, Schildern und Transparenten zu sorgen, wurde aus der Riesen-Demonstration, die ich erwartete (na ja, mit so einigen Tausend Hunden, Kaninchen und Menschen hatte ich schon gerechnet) nur eine kleine Gruppe aus zwei Hunden (mich mitgezählt), einem Menschen und überhaupt keinem Kaninchen. Das war schon sehr enttäuschend!

Aber, und das ist das traurige an der Geschichte, es wird immer wieder die Sportlichkeit der edlen Kaninchenjagd übersehen, dass es erst dann so richtig Spass macht, wenn die Kaninchen auch die Möglichkeit haben, sich zu verstecken. Und die idealen Bedingungen dafür sind nun mal in den Dünen am Strand gegeben: einmal die Mulden zwischen den Dünen, und dann die vielen Büsche, die da wachsen, alles gute Kaninchen-Verstecke, andrerseits aber durchweg ein Gelände, in dem Hunde sowohl ihre Geschwindigkeit als auch ihre Geländegängigkeit zur Geltung bringen können.-
Leonie
 
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Dogdancing (Kapitel 20)

Beitragvon Leonie » Fr 26. Sep 2008, 17:28

Ich habe bereits viel über die akademische Ausbildung von Menschen und ihren Hunden erzählt, und die edlen, hochgesteckten Zielen meiner Universität zu Armida.
Es ist ja nicht so, dass die ganze Menschen/Hund-Erziehung nicht schon früher von erleuchteten Hunden angeregt worden wäre. In rudimentären Ansätzen wurden solche Themen ja auch auf dem früher erwähnten, total misslungenen Turnier angedeutet: "Obedience", "Agility", und was sonst noch.

"Obedience" heisst ganz einfach "Gehorsam", und ist im Wesentlichen, dass der Mensch Leinenführigkeit nachweist und den Anweisungen seines Hundes auch wirklich annehmbar schnell gehorcht, und zwar besonders auch ohne Leine. Eigentlich ein Basis-Fach, dessen Beherrschung auf Armida grundsätzlich vorausgesetzt wird, um zum weiteren Studium zugelassen zu werden.

"Agility" ist schon ein wenig sportlicher, und daher auch interessanter. Prinzipiell hat hier der Mensch nicht angeleint zu sein! Ziel dieser Disziplin ist, dass sich der Hund an diversen Hürden und Sportgeräten beweist und amüsiert, während sein Mensch unbedingt versuchen muss, mit ihm Schritt zu halten; keineswegs darf der Mensch weit hinter seinem Hund zurückhängen, oder ihn gar aus den Augen verlieren. Auch für den Hund ist dieses Fach anspruchsvoll, weil nicht nur die sportliche Konstitution wichtig ist, es ist auch gar nicht so einfach, dafür zu sorgen, dass der Mensch so richtig nachkommt. Gegebenenfalls wird der gute Hundestudent sein Tempo angemessen verringern, um seinen Menschen nicht zu überfordern.
Es gibt innerhalb des Oberbegriffes "Agility" noch mehrere spezielle Fächer, die zum Teil auf Armida entwickelt wurden und weiter erforscht werden: Weitsprung, Hochsprung, Mutsprünge und Geschicklichkeits-Übungen jeglicher Art.

Doch der derzeitige Gipfel der Hund/Mensch-Ausbildung wird "Dog Dancing" genannt. Es ist die musikalisch unterlegte Version von vielen einzelnen Sportarten, eine Art inter- oder vielmehr über-disziplinärer Kür, in der das rhythmisch-melodische Zusammenwirken von Hund und Mensch in kreativer Form dargestellt wird.

Also, zuerst ist eine passende, prägnante Melodie auszusuchen, so ein Ohrwurm mit guten Rhythmus. Und dann ist, auf diese Melodie abgestimmt, eine nicht allzu simple Choreografie zu entwicklen, in der genau festgelegt wird, was der Mensch zu tun hat, wenn der Hund was macht. Da sind Pirouetten, bei denen der Mensch um seinen sich drehenden Hund herumlaufen soll, oder auch andersrum.
Oder, sehr schön anzusehen, der Mensch macht weit ausholende Schritte, so dass der Hund zwischen den Beinen hin und her laufen kann, vorwärts, seitwärts, rückwärts, wechselnd, es ist alles und noch viel mehr möglich.
Auch Sprünge lassen sich bestens eingliedern: Mensch springt über Hund, Hund springt über Mensch, oder durch seine Arme, über ein hochgehaltenes Bein.
Und ein exakter Gleichschritt gehört mindestens in der Einleitung zum Programm, wobei für den Menschen "vierpfotig" ebenso angebracht ist, wie "zweipfotig" für den Hund.
Wie gesagt, es handelt sich um eine Kür, bei welcher der Phantasie, der Sportlichkeit und der Choreografie keinerlei Grenzen gesetzt sind.

Wichtig ist, dass zwischen Hund und Mensch eine völlige, harmonische Übereinstimmung herrscht, auf gar keinen Fall darf der Hund seinen Menschen zu etwas drängen oder gar zwingen, es muss beiden jederzeit Spass machen, und das muss man ihnen auch ansehen. Es wäre ja wirklich ein jämmerlicher Anblick, wenn der Mensch nur unter Zwang (welcher Art auch immer) seine Schritte vorführt, das macht dann weder dem Hundestudent noch dem anwesenden Lehrkörper Spass! Ganz zu schweigen von den Richtern, wenn es dann in die richtigen Prüfungen geht...

Die Universität zu Armida will ja (wie alle Hochschulen der Welt) nicht zwingen, denn ein akademisches Studium unter Zwang bringt niemand etwas, weder dem Lehrkörper noch den Studenten oder ihren Angehörigen. Ein Studium muss Spass machen, Spass am Lernen neuer Methoden, neuer Dinge, neuer Fähigkeiten.
So, wie es keine Kunst gibt, der nicht wenigstens etwas Wissenschaft zugrunde liegt, gibt es auch keine Wissenschaft, die keine Kunst in sich trägt.

Und - bei aller ernsthafter Arbeit, die im Bereich Dog Dancing aufzuwenden ist - es ist immer wieder ein erhebender Anblick, zu sehen, mit welcher Freude, ja man möchte fast sagen, mit welcher Anmut sich nicht nur die Hunde, sondern auch ihre Menschen bewegen können! Womit auch der Aberglaube widerlegt ist, dass nur Hunde Grazie inne haben; nein, auch Menschen sind graziöser Bewegungen fähig!
Dieses Fach ist so anspruchsvoll, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, es mit der höchsten akademischen Ehrung zu verbinden, die meine Universität zu Armida zu vergeben hat: Der Promotion zum "Dr.D.D." (= Doktor in Dog-Dancing).-
Leonie
 
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Hoho!!

Beitragvon Leonie » Fr 21. Aug 2009, 07:31

Nch langer Pause nun ein weiteres Kapitel in der epochalen Biographie von Tarik dem Grossen:

[CENTER][B]Ho, ho, ho, ho![/B][/CENTER]

[BLOCK]Es war schon ziemlich kalt geworden, es regnete auch fast jeden Tag. Na ja, jeden zweiten Tag, aber das ist auch schon zuviel des Nassen, weil dann eine Fernexpedition (wie zum Strand) nach der anderen abgesagt wird. Nicht, dass mir und meinem herrlichen Pelz, der mit allerfeinster Unterwolle versehen ist, Kälte oder Regen etwas anhaben könnten. Aber die Kaninchen lassen sich dann nicht sehen, die hocken in ihren Nestern, Höhlen oder Bauen, kuscheln sich gegenseitig warm, und denken nicht daran, sich sportlich jagen zu lassen.

Also, an einem solchen Abend war auch die gesamte Bevölkerung von Tomahna im Trocknen/Warmen versammelt. Mammi hatte sich mit Hilfe von ihrem kleinem in-die-Ferne-Seher in eine anrüchige Gegend namens „Haven” begeben, um dort irgendwelche „Camodile”, „Mangris“ und wild gewordene Leute zu jagen.
Na, da sollte sie MICH mal mitnehmen, ich würde da schon mal aufräumen!

Ähhh - wo war ich? Ach, ja, wie erwähnt, war Mammi in eine wilde Jagd verstrickt. Pappi protokollierte Mammis Taten und Untaten, und Happy lag zusammengekuschelt und pflichtvergessen auf dem Bett.
In dieser Lage musste also ich selbst sämtliche Wach- Aufsichts- und Verwaltungs-Funktionen des Reiches wahren.

So, mitten im tiefsten Reichsfrieden, vernahm ich Geräusche, die wohl nur von einer eklatanten Grenzverletzung kommen konnten.
»Auf, auf, Reichskatzenbüttel, auf zum Jagen des Ordnungsbrechers!«
»Neee - (gäääääääähn) - bei DEM Wetter ist keine Katze unterwegs, also bin ich dafür nicht zuständig...«
»Grenzverletzung, Überfall, Einbruch, Diebstahl!« erklärte ich meinem Volk das derzeitige Geschehen.
»(Gääääääähn) - von mir aus - solange sie mich hier lassen...« Und schon pennte mein pflichtvergessener Büttel weiter.
Na ja, für das Disziplinargericht war jetzt keine Zeit. Mammi jagte frohgemut ihre Camodile, und mit Pappi konnte man sowieso nicht zählen. Also stellte ich alle meine Rückenhaare auf „Bürste” (das sieht wirklich sehr schlimm aus!), nahm tief Atem und stürmte mutig der unbekannten Gefahr entgegen.

Tatsächlich war in der Eingangs-Porche ein Wesen, entfernt menschlicher Gestalt, jedoch rot gekleidet, das Gesicht hinter einem weissen Gestrüpp verborgen, und mit blinkenden roten Lichtern an der Mütze. Es hielt einen Sack in der Hand, sicherlich um eines Grossteil des Reichsvermögens einzusackeln. Ausserdem gab das sichtlich unirdische Wesen sonderbare Geräusche von sich, die wie »Ho, ho, ho, ho!« klangen.
Es galt handeln, heroisch das Reich verteidigen! Also zuerst angreifen, jagen, erlegen, und erst danach die Personalien fesstellen. Alte, bewährte, logische Vorgehensweise.
»Wuff!« war meine Warnung, gewissermassen der Schuss vor den Bug. Und da sich nichts tat, erschallte mein Kriegsruf:
»Garrrugrrraurrr!«, und, meine sämtlichen Reisszähne furchterregend entblösst, stürmte ich auf das Wesen zu. Aber das Wesen gab in einem solchen Tempo Fersengeld, dass ich nur noch feststellen konnte, dass es über die Grenzmauer sprang (rund zwei Meter hoch, eine tolle athletische Leistung, das gebe ich gerne zu) und das Weite suchte.

Eine anschliessende, vorläufige Kontrolle der Reichsbestände ergab. dass nichts fehlte, dass dagegen ein Pappteller mit diversen Süssigkeiten, darunter auch von mir so sehr geschätzte Mandarinen, auf dem Tisch im Porche stand. Eine weitergehende Kontrolle ergab, dass keinerlei gefährliche Stoffe (Dynamit, Nitroglyzerin, usw.) dabei waren ... nur haftete dem Teller die persönliche Geruchsmarke einer gewissen Sven an...

Also, DAS machte wirklich wenig Sinn. Ich halte Sven zwar für ein wenig verrückt, mitunter auch zu gewaltigen Wildheits-Ausbrüchen neigend, aber keineswegs gefährlich.
War Sven etwa in der Gewalt des Hohohoho-Wesens?
Zur Sklavenarbeit gezwungene Geisel?
Oder - eigentlich abwegiger Gedanke! - war Sven selbst das Hohohoho-Wesen gewesen? Warum nur? Ich hätte ihn doch mit Freude und Ehren (wenn auch mit dem geziemenden Vorbehalt) empfangen!

Tage später erfuhr ich über die exzellent funktionierende Buschtrommel, dass Sven sich indirekt bei Mammi beschwert hätte, wie aggressiv ich wäre, und dass er effektiv gefürchtet hätte, dass ich ihn alle machen würde. Nun, die Absicht war wenigstens ansatzweise schon vorhanden, und durchaus berechtigt. Aber ich vermute schon, dass ich rechtzeitig vor dem terminalen Biss schon erkannt hätte, wessen Gurgel ich da in der Mache habe.

Also war Sven das Hohohoho-Wesen gewesen! Na ja, ein wenig verrückt ist er schon, aber sooooo sehr?
Happy war davon unbeeindruckt. »Ich sagte Euer Majestät ja, dass ich dafür nicht zuständig bin...«

Aber, wie schon erwähnt, es waren auch Mandarinen in dem Teller, und davon habe ich einen Teil abbekommen, Nicht wirklich genug, aber doch so viel, dass ich Sven verzeihen konnte. Er kann also jederzeit wieder nach Tomahna kommen. Ich werde ihm zwar keinen Staatsempfang bereiten, aber freundlich begrüssen werde ich ihn schon. Besonders, wenn er Mandarinen mitbringt. Oder Orangen. [/BLOCK]
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Happy ergreift das Wort (Kap. 21)

Beitragvon Leonie » Sa 22. Aug 2009, 07:07

Liebe Mithunde und deren Menschen, es ist wohl angebracht, wenn ich, der ich König Tarik so lange nahe war und glücklicherweise noch bin, auch noch etwas erzähle, obwohl es sich leider nicht so brillant anhört, wie der Werdegang unseres Königs, denn von meiner Jugend kann ich nicht viel erzählen, ich habe das glücklicherweise weitgehend vergessen. Und das ist gut so, weil ich mich nur dunkel an Hunger, Angst und Prügel erinnern kann.

An jenem denkwürdigen Tag, als ein gnädiges Schicksal König Tarik zu mir führte, hatte ich eigentlich nur noch den Wunsch, in die ewigen Jagdgründe einzuziehen, und hoffte, dass es sich nur noch um Stunden handeln möge. Aber König Tarik veranlasste ja, dass man mich an meinen armen, geschundenen Vorderpfoten packte und mich roh unter dem Metalldings hervorzerrte, denn freiwillig wäre ich mit niemand irgendwohin gegangen.

Ich hatte Angst, viel Angst, panische Angst sogar, denn ich wurde in ein mir völlig fremdes Haus geschleppt. Aber, immerhin, die Prügel blieben aus. Ich bekam sogar Essen, ich wusste gar nicht, dass Essen so gut schmecken kann! Zwar tat mir das Maul so weh, dass das Essen für mich eher eine Qual als ein Genuss war, dabei war es keineswegs hart, sondern ein feiner, weicher Brei. Aber mir tat sogar das Schlucken weh, und Angst hatte ich ausserdem, so dass ich nicht alles aufessen konnte. Ich durfte sogar aus dem gleichen Wassernapf wie König Tarik trinken, allerdings nach ihm. Als die Frau sah, dass ich nicht aufgegessen hatte, schüttelte sie den Kopf und murmelte irgendetwas. Wahrscheinlich, dass ich so nie und nimmer etwas werden würde.
Mir wurde sogar ein Polster zugewiesen, aber ich wagte es einfach nicht, es zu benutzen. Ich fand es sicherer, mich hinter dem Sofa zu verstecken.
Ich war wohl sehr erschöpft, denn am nächsten Morgen wusste ich gar nicht mehr, wo ich war. Nur langsam kam mir eine nebelhafte Erinnerung...

Dann merkte ich, dass ich gesucht wurde, aber ich fürchtete mich vor dem neuen Tag und seinen Ereignissen, die es bestimmt auf mich abgesehen hatten, wie alle Tage, die ich bisher erlebt hatte! Doch endlich fand König Tarik mich, und rief seine Gesundheitsministerin herbei, vor der ich fast vor Angst gestorben wäre. Aber sie tat mir nicht weh, sondern sah mich an, und streichelte mich sogar! Dann hob sie mich hoch und trug mich in den Garten. Dort setzte sie mich ab, und wartete. Ich blieb versteinert stehen, denn sie konnte wohl nur auf meinen Henker warten. Doch kam dieser (noch?) nicht, und sie hatte wohl auch anderweitig etwas zu tun; jedenfalls liess sie mich im Garten stehen, ging ins Haus und schloss die Tür hinter sich. Da stand ich also in fremder Umgebung, alleine, zitternd, und mit drückender Blase. Na ja, dachte ich, wenn ich mich hinter dem Baum verstecke, dann kann ich ja auch gleich... Ach, was war das eine Erleichterung!

Aber dann kam Tariks “Mammi” (nur ER darf sie offiziell so nennen ! ) heraus, schnallte mir breite Riemen um, hakte eine Leine ein, und trug mich davon. Na ja, dachte ich, es war zu schön, um wahr zu sein ! Sie schleppte mich aus dem Haus heraus, und in ihr Auto. König Tarik kam auch mit, jedoch aus freien Stücken. Klar, dachte ich, es ist ja auch nicht seine Hinrichtung!
Denn die schien mir sicher, besonders, als wir nach kurzer Fahrt in ein anderes Haus gingen, in dem es ganz scharf roch. Und da wurde ich auf einen sehr glatten Tisch getan, und eine weisse Frau befingerte mich, stach mich hierhin und dahin, und hantierte mit diversen kalten und spitzen Dingen an mir herum. Sie saugte sogar Blut aus meinem Vorderbein! Und das tat weh!
König Tarik und seine Gesundheitsministerin sahen besorgt aus. Und die weisse Frau sah auch nicht glücklich aus. Ich war sowieso nicht glücklich.
Später erfuhr ich, dass ich wirklich sehr krank war: Unterernährung, entzündete Zähne (die mir das Essen schwer machten), Leishmaniose, und noch ein paar kleinere Unstimmigkeiten. Na ja, diese Fachausdrücke kannte ich damals nicht (selbst heute weiss ich nicht so genau, was das alles heisst), aber dass es mit mir zu Ende ging, das hatte ich schon lange gewusst. König Tarik, seine Gesundheitsministerin und die weisse Frau sprachen in sehr ernstem Ton miteinander, aber ich verstand nicht, worüber sie redeten. Doch dann passierte weiter nichts, als dass wir wieder nach Hause fuhren. Dort angekommen, versteckte ich mich umgehend wieder hinter dem Sofa.

Diese Nacht schob Tariks Wohnungsministerin das mir zugewiesene Polster unter einen Schreibtisch, band mich darunter an, und verhängte den Schreibtisch rundherum mit Decken. Das war schön, warm, dunkel und geschützt! Diese Nacht wird mir ewig in Erinnerung bleiben, als meine erste praktisch angstfreie Nacht!
Aber ab dem nächsten Tag an musste ich sonderbare kleine, weisse Dinge essen (schmeckten scheusslich), und König Tariks Gesundheitsministerin stach jeden Tag ein neuen Loch in mein schon vor früher her strapaziertes Fell, und das tat manchmal gemein weh.
Gutes Essen gab es jedoch tagtäglich, ich konnte auch bald wieder richtig zubeissen (inzwischen kann ich sogar grosse Knochen voll und ganz shreddern!), und alle waren freundlich zu mir. Trotzdem, die Angst sass zu tief in mir drin, als dass ich mich einmal so richtig hätte freuen können. Zum Glück gab es im Haus etliche kleine Ecken und Winkel, in die ich mich verkriechen konnte, und die schützende, tröstliche Dunkelheit geniessen.
Nur sehr langsam festigte sich in mir die Einsicht, dass mir am Hofe König Tariks wirklich nichts Schlimmes drohte, auch nicht von sporadischen Reisenden, die jedoch immer nur für kurze Zeit da waren. Aber wenn jemand solche blauen Hosen an hatte, oder so eine Schirmmütze, dann hatte ich doch wieder viel Angst, und suchte hinter König Tarik oder seinem Stab Deckung und Schutz.

Doch dann kam der Tag, an dem König Tarik begann, in sein neues Reich, “Tomahna” genannt, umzuziehen. Für mich waren es schlimme Tage, weil da ständig fremde Männer in blauen Hosen und Schirmmützen ein- und ausgingen, und alles wegtrugen, auch meinen Lieblings-Schreibtisch, so dass ich ständig neue Verstecke suchen musste. Aber, nicht zuletzt Dank der Zusprache von König Tarik, habe ich es überstanden.
Hund, hat der eine Autorität! Der hat alles kontrolliert, jeden einzelnen Packer (so hiessen diese blaubehosten Männer) gecheckt, genau kontrolliert, was da herumgetragen wurde, hat absolut alles im Griff behalten!

Offensichtlich mit seiner üblichen Zielsicherheit, übernahm König Tarik mich in sein nunmehr voll ausgebautes Rehabilitations-Programm, und sorgte weiterhin dafür, dass ich körperlich gesund wurde. Na ja, das eine Ohr kann ich nicht so gut bewegen, und die hinteren Beine funktionieren auch nicht optimal. Und diese schreckliche Angst wollte einfach nicht aus mir raus. Doch unbeirrt förderte König Tariks Sanitätsdienst meine körperliche und geistige Entwicklung, und zuletzt bekam ich sogar ein Stipendium in König Tariks Universität zu Armida.
Und König Tarik selbst, dieser begnadete Rennläufer, hielt mich dazu an, auch an diesem elitären Leistungssport teilzunehmen. Nun, ich sagte schon, dass meine Hinterbeine nicht so ganz richtig funktionieren. Gehen kann ich gut, aber beim Traben gibt's schon Probleme. Und gar Rennen?
Doch dann kam der Tag, als König Tarik mich einlud, die neu angelegte Rennstrecke “Maranello” auszuprobieren. Und er sprach mir gut zu, ermutigte mich, doch mal einen Gang höher zu schalten.
Und schliesslich, nach vielen Tagen und langem, geduldigem Training, geschah das Wunder! Ich konnte rennen! Und springen!! Und weite Sätze machen!!! Natürlich lernte ich bald, dass es mit rennen alleine nicht getan ist, man muss auch rechtzeitig bremsen können! Nun, das habe ich auch gelernt. Gelernt habe ich auch, dass König Tariks Regierung, die hauptsächlich aus der netten Frau besteht, die er “Mammi” nennt, mich offensichtlich richtig mag! Auch der Mann, der “Pappi” genannt wird, hat mich noch nie geprügelt, obwohl er manchmal blaue Hosen und sogar eine Schirmmütze trägt.

Unvergessen wird mir auch der Tag bleiben, kurz nach dem Einzug in Tomahna, als König Tariks “Mammi” mir das Blaue Halsband der Reichs-Polizei umschnallte, und er selbst mich zu seinem Reichs-Katzen-Büttel ernannte. Ich, das einstige Elends-Bündel; ich, der ich wohl einer der unglücklichsten Hunde aller Zeiten war; ich, der ich nur noch ein möglichst friedliches Ende erhoffte; ich trug jetzt stolz das Blaue Halsband der Reichs-Polizei von Tomahna, und einen offiziellen Titel mit Amt, Würde und viel Verantwortung! Und, in Anlehnung an meine Vorliebe für Sonnenbäder, aber auch als Anerkennung meiner Leistungen, bekam ich den adligen Zunamen “von der Sonnleiten”. Also führe ich jetzt einen recht eindruckvollen Namen: Herr Reichs-Katzen-Büttel Happy von der Sonnleiten. Ab diesem Tag machte ich meinem Namen “Happy” alle Ehre! Ich war wirklich glücklich!

Die Katzen, na ja, die waren wohl weniger glücklich, weil ich bei Tag und Nacht rigoros und pflichtbewusst einschreite, wenn so ein Mikrotiger auftaucht.
Und an der Universität gebe ich mir viel Mühe, denn vieles geht zuerst nur sehr mühsam, kein Wunder bei meiner Vorbildung, nicht wahr, aber letztlich, so Schritt für Schritt, kommt doch der Erfolg; ich lernte hoch und weit springen, und verlor sogar meine riesige Höhenangst. Ich lernte, mich mit Mammi zu verständigen, auf König Tariks und ihre Anweisungen zu folgen (dafür gab es immer ein Leckerli), und mich auch auf mich und meine Augen, Ohren, Nase und Beine zu verlassen, einschliesslich meiner Hinterbeine! Manche der Prüfungen auf Armida bewältige ich inzwischen sozusagen mit links. Es macht mir sogar richtig Spass! Und wenn König Tarik mich zu einer Expedition an den Strand mitnimmt (wo es ausser Strand und Wasser auch Felsen, kleine Schluchten und einen ziemlichen Abhang gibt), so habe ich gar keine Angst mehr, ins Wasser zu rennen, und hurtig von Felsen zu Felsen zu hüpfen, rauf und runter, lauter Dinge, die ich mich früher niemals getraut hätte. Ich darf sogar König Tariks “Mammi” ebenfalls so nennen, aber ich tue es lieber nur, wenn Seine Majestät etwas weiter weg ist.

Und, was ich noch vor kurzer Zeit nicht für möglich gehalten hätte, ich habe dem sitzenden “Pappi” meinen Kopf auf das Bein gelegt, und ihm gezeigt, dass ich ihn gern habe, obwohl er an jenem Tag eine blaue Hose und eine Schirmmütze trug! Und er hat mich sogar gestreichelt! Das hat mich gefreut, aber ich hatte keine Angst mehr, ich wusste, dass er mich auch irgendwie mag.

Wau, das Leben ist schön! Und dieses schöne Leben, von dem ich früher nicht einmal wusste, dass es denkbar ist, das ist für mich jetzt Wirklichkeit geworden! Leider verfüge ich nicht über solche Geisteskräfte wie König Tarik, und das ist schade, weil ich nur mit einem solchen Intellekt meine Dankbarkeit ganz zum Ausdruck bringen könnte.-
Leonie
 
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RE: Happy ergreift das Wort (Kap. 21)

Beitragvon Miss Kitty » Sa 22. Aug 2009, 14:07


Hey, Happy!
Deine Geschichte rührt mich zu Tränen. Und ich freue mich für Dich, daß sie so gut ausgegangen ist. Ich lieeebe Happyends!! :D

[quote][i]Original geschrieben von Leonie[/i]

Leider verfüge ich nicht über solche Geisteskräfte wie König Tarik, und das ist schade, weil ich nur mit einem solchen Intellekt meine Dankbarkeit ganz zum Ausdruck bringn könnte.-
[/quote]

Aber Du solltest Dein Licht nicht so unter den Scheffel stellen. Du hast immerhin schon Level 6 erreicht. Und das ist mehr als alle anderen hier. Du hast also in Tarik einen wunderbaren Lehrer gefunden.
Miss Kitty
 
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