Tarik - Ausbildung meines Menschen (Kapitel 4),und weitere

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Kleider machen Leute (Kapitel 9)

Beitragvon Leonie » Mi 3. Sep 2008, 17:24

Na ja, so oder ähnlich sagen es die Menschen.

Analog kann man dann wohl sagen, dass Felle die Hunde machen. Oder dass ein schönes, glänzendes, glattes, gepflegtes Fell eben den edlen Eindruck unterstreicht, den ein aristokratischer Hund (etwa wie ich) schon von sich aus vermittelt.
Daher lege ich auch grossen Wert darauf, dass meine Reichs-Fell-Pflegerin mein schon von Natur aus wunderschönes Fell regelmässig kämmt und striegelt. Man merkt es schon beim täglichen Trainings- Rennen, ob das Fell schön glatt anliegt, oder ob unziemliche Haarbüschel die Aerodynamik stören.

Den grössten Teil des Jahres ist mein Fell die reinste Pracht, ich erwähnte es bereits: Schwarz-lohfarben, mit weissen Abzeichen an Heldenbrust, Pfoten und Kehle.

Aber im Sommer merken selbst aristokratische Hunde, dass ihnen auch das schönste Fell zu warm werden kann. Dann hilft nur eine Erfrischung in einem See (auf die Dauer aber zu eintönig, man kann ja nicht ständig auf einen verirrten Frosch hoffen, der einem die Zeit verkürzt, und doch niemals kommt...), oder aber ... Sommerkleidung!

Da haben die Menschen es eigentlich ganz gut; praktisch völlig unbefellt, müssen sie sich gegen Wind und Wetter mit sogenannten Kleidern schützen, das sind so eine Art Wechsel-Fellchen, manche dicker, manche dünner. Mammi hat einige, die sind so dünn, dass sie praktisch durchsichtig sind, aber die trägt sie eigentlich nur zuhause, und wenn sie in den Garten geht, zieht sie noch ein anderes Fellchen drüber. Na, das muss sie wissen, zu was so viele Fellchen im Sommer nützlich sein sollen. Ich würde, wenn ich könnte, ganz ohne Fell daherlaufen, wenn es nur kühler wirken würde...

Also berief ich den aus mir und Mammi bestehenden Reichsrat ein, und versuchte, auszuloten, was man so alles machen könne, auch in Hinblick auf mein vor Hitze dahinschmelzendes Volk Happy. Die Lösung war ganz einfach, und analog zu der Menschen-Lösung. Denn wenn diese andere Kleider brauchen, gehen sie zum Schneider, der so ein anderes Kleid zurecht schneidert und noch sonstwie bearbeitet. Oder sie lassen sich eines geben, das schon fertig geschneidert ist.

Und so, wie es Kleider-Schneider gibt, gibt es auch Fell-Schneider. Die schneidern allerdings nicht das ganze Fell, sondern nur die Haare. Keine kleine Aufgabe bei einem aristokratischen Alton-Terrier. Doch auch bei meinem Volk und Reichs-Katzen-Büttel Happy ist das Fell-Schneidern nicht einfach, weil der arme Kerl halt sehr struppig ist.

Aber, wie dem auch sei, wir fuhren eines Tages zu so einem Fell-Schneider, der sich als Fell-Schneiderin entpuppte. Ganz sympathisch, die Mamsell, aber natürlich nichts für meine hochfliegenden Reichs-Pläne. Geschickt schnitt sie meine Haare, ich sah im Spiegel den Fortschritt ihrer Bemühungen, und schliesslich sah ich mich, obwohl von einem grossen Haufen Fell erleichert, als ebenso elegant an wie eh und je. Ich war zufrieden, und wollte eigentlich nur noch eine Proberunde auf Maranello drehen, um festzustellen, was der Gewichtsverlust an meiner Spitzen-Geschwindigkeit ausmachte. Aber erst musste noch mein Volk, Happy, erleichtert werden, wobei aber auf sein Finish nur verringerter Wert gelegt wurde.

Endlich wieder im Reich, startete ich zu meiner ersehnten Maranello-Runde, doch hatte ich Andruck-Probleme im rückwärtigen Laufwerk. Ich kontrollierte eingehend alles, auch den für die Hochgeschwindigkeits-Stabilität so extrem wichtigen Schwanz, und entdeckte das Übel! Die Fell-Schneider-Mamsell hatte mir die nach hinten aerodynamisch spitz auslaufenden Schwanz-Spitzen-Haare gekappt! Also endete meine Stabilitäts-Steuerung in einem stumpfen, jede Menge bremsender Turbulenzen auslösenden Schwanzende! Ich lag nur noch zerstört am Boden!

Ich reichte scharfen Protest ein, und liess die diplomatischen Beziehungen zu jener Fell-Schneider-Mamsell umgehend abbrechen. Ich bot auch noch mein Volk, Happy, als Nebenkläger auf, da sein Fell voller Kinken und winziger Wunden war, obwohl ich selbst glaube, dass das nur durch Happys heftige Zitter-Anfälle bedingt war, die er ständig während der Fell-Schneidern-Prozedur erlitt. Eventuell konnten seine Zitteranfälle auch lediglich durch seine unvollkommenen Bemühungen verursacht sein, unsichtbar zu werden, und dass dadurch seine Konturen reichlich unscharf wurden.

Aber wie auch immer. Ich ordnete an, dass Mammi selbst die Pflichten meines Reichs-Fell-Schneider-Ministers übernahm, eine heikle Aufgabe, die sie sofort mit der ihr eigenen Sorgfalt anging. Sie beschaffte eine sogenannte Schermaschine, ein zuerst Furcht-einflössendes Gerät mit permanent leuchtender roter Gefahrenanzeige. Aber Mammi erklärte, dass das rote Licht lediglich eine Ladungskontrolle sei (was auch immer das ist), völlig ungefährlich, und dass sie sich selbstverständlich die grösste Mühe geben wolle. Na ja, viel mehr kann man bei einer neuen Institution wohl nicht verlangen.

Und so kam der erste heimische Fell-Schneider-Tag.
»Nicht die Schwanzspitze!« erinnerte ich an meine inzwischen wieder nachgewachsene Heck-Aerodynamik. Und, es ist ganz klar, dieser wichtige Teil meiner Hochgeschwindigkeits-Stabilität blieb denn auch unversehrt. Das war schon mal sehr gut!

Nur, es schmerzt mich fast, es zu erwähnen: Mein restliches Gala-Fell sah nicht mehr so sehr glatt aus, da waren jetzt etliche Unebenheiten, die zwar meiner Aerodynamik keinen Abbruch taten, aber doch meiner majestätischen Erscheinung. Aber nach zwei oder drei Nachbesserungs-Sitzungen beherrschte Mammi das Handwerk und die Schermaschine, und ich konnte mit ihren Leistungen wirklich zufrieden sein. Immerhin, diese Unabhängigkeit von externen Ressourcen hat ja auch den Vorteil, dass so ein Fell-Schnitt im Bedarfsfall (wie bei einem plötzlichen Hitze-Einbruch) sofort und auf der Stelle gemacht werden kann, und ohne dass ich mein Reich für längere Zeit unbewacht zurücklassen muss.

Mit meinem Volk, Happy, gab es weniger Probleme, weil ein oder zwei Dutzend Kinken in seinem struppigen Fell nicht weiter auffallen. Hauptsache, er bleibt unverletzt, meint er. Na ja.-
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Gesunde Ernährung (Kapitel 10)

Beitragvon Leonie » Fr 5. Sep 2008, 12:12

Wie es allgemein bekannt sein dürfte, ist eine gesunde, ausgeglichene, ausgewogene, schmackhafte, reichliche und pünktliche Ernährung elementar wichtig. Dabei, trotz "reichlich", keineswegs zuviel, denn dann wäre ja kein Mageninhalt mehr für Leckerlies vorhanden, aber jedenfalls genug, um gute Muskeln auszubilden und rundherum satt zu werden. Auf die hiermit zusammenhängende Hof-Etikette, die im Reich Tomahna beim Abendessen gilt, komme ich später zurück. Man kann ja nicht über alles gleichzeitig referieren.

Das Abendessen, das ja primär der Ernährung dient, besteht aus getrockneten, prima knusprigen Fleisch-Kroketten, die Mammi mit einem Schuss Olivenöl zu garnieren pflegt. Wirklich schmackhaft und sättigend, echte mediterrane Kost, ohne dass man sich danach vollgefressen fühlt. Wie ich bereits erwähnte, für ein paar Leckerlies muss immer noch Platz bleiben, auch wenn der Leckerlies mal mehr als nur ein paar werden.
In der freien Natur ist nicht viel wirklich Leckeres zu holen, allenfalls mal ein paar Kräuter als Magentonikum. Aber zu gewissen Zeiten lassen manche Bäume so eine Art Futter fallen, und das ist mitunter ausgesprochen schmackhaft: Pflaumen, Äpfel, Aprikosen, Pfirsische, Granatäpfel, usw.

Manche haben grosse, unkaubare Knochen drin, andere nur leicht knusprig knirschende Kerne. Und gewisse sogenannte Früchte haben eine scheusslich schmeckende Schale, aber ein delikates, saftiges, süsses, durstlöschendes Innere. Aber das bringt einen doch zur Erkenntnis, dass pflanzliche Nahrung durchaus schmackhaft sein kann, insbesondere sehr nuancenreich, und so dehnte ich meine diesbezüglichen Erkundungen auch auf Mammis Küche aus. Leider isst Mammi viele Sachen ganz alleine auf, und bedenkt nicht (na ja, sagen wir: kaum), dass sie ihrem König gegenüber Tribut-pflichtig ist.

Aber Probieren geht über Lamentieren! Und, tatsächlich, ich stellte fest, dass rohe Kartoffeln, ebensolche Möhren und Paprikaschoten, aber auch Gurken, Bananen, Birnen, Eier (gekocht oder als Omelett), Maiskörner, Erbsen und noch etliche Vegetalien mehr den Gaumen wirklich verwöhnen können, ebenso wie gefüllte Brote (sogenannte Burger, oder Hot-Dogs) (Häh? Heisse Hunde? Nie gesehen, die Viecher!). Auch Yoghurt ist absolut nicht zu verachten, es macht auch einen Heidenspass, den Becher leer-schlabbernd und klappernd hin und her zu schieben, um auch das letzte Quentchen Hochgenuss herauszulecken, und ihn anschliessend in klitzekleine Flöckchen zu shreddern. Fein ist es auch, wenn Mammi die ungeniessbare Schale von Orangen oder Mandarinen abmacht, und mir das feine, goldene, saftig-süsse Innere anbietet. Nicht, dass ich ein Stück Schinken oder Käse nicht doch vorziehen würde, aber seitdem ich alle diese Delikatessen kennen gelernt habe, möchte ich weder auf Gemüse noch auf Obst, Eier und Milchprodukte auf meinem königlichen Speiseplan verzichten!

Na ja, nicht gerade JEDES Gemüse oder Obst. Zwiebeln, zum Beispiel, riechen sehr interessant, aber schmecken tun sie absolut nicht, jedenfalls nicht roh und pur, sie erinnern an die runden Dinger, die Mammi mitunter in der Erde vergisst, wenn sie vorgibt, Blumen zu pflanzen. Aber wenn sie in einer Nudel-Sauce vorkommen, dann sind sie doch richtig angenehm. Nicht, dass Mammi Nudeln auf die königliche Abendtafel bringen würde, die laufen als Leckerlies, was sie ja auch wirklich sind.
Und da wären noch die Eier zu erwähnen: Gekocht, gebraten, mit oder ohne diverse Zutaten - delikat!

Mammi ist ja auch keine Kostverächterin. Manchmal macht sie sich so eine Art Müsli aus Äpfeln, und dann fordere ich den mir zustehenden Tribut, der zum Beispiel aus dem Apfelbutzen bestehen kann, natürlich mit reichlich Apfel dran. Im Extremfall, den ich auch ganz gerne akzeptieren würde, dürfte es auch der ganze Apfel sein, aber man ist ja nicht so. Jedenfalls nicht so gierig, ich gönne ihr schon die Schale und noch etwas Apfel dran! Doch einmal fiel ihr im Eifer des Gefechtes ein fast ganzer halber Apfel (ohne den Butzen) auf den Boden, genau vor meine königlichen Vorderpfoten. Und so ein frischer Apfel ist nun mal eine Delikatesse für gebildete Hunde. Nun war dies offenbar ein Irrtum, oder Fehler, oder wie man sowas nennen mag, von Seiten Mammis, das war klar wie Klossbrühe. Also schaute ich sie an, und fragte, was das soll, so einfach mit Apfelhälften in der Gegend herum zu werfen? Mammi erstarrte zur Salzsäule, na ja, fast. Mir war klar, dass sie mit dieser Situation total überfordert war, und nach meinen Erfahrungen muss man Menschen bei solchen schwierigen Situationen behutsam und mit viel Bedacht an den entstandenen Schwierigkeiten vorbeiführen. Ich betrachtete aufmerksam den Apfel, aber es war nicht sonderbares dran. Doch nun kam noch ein Missverständnis auf Seiten Mammis dazu: Statt mir zu sagen "lauf!" (wenn etwas weit weg ist) oder "OK!", wen sie die Sache völlig freigibt, sagte sie "nimm!", was klar heisst, dass ich das, was da auf dem Boden liegt, bitte sehr, Hilfe leistender Weise aufnehmen möge, um es ihr auszuhändigen, die Arme kann sich manchmal nicht so gut bücken. Also nahm ich den wunderbar aromatischen halben Apfel vorsichtig auf, und als Mammi zitternd ihre Hand ausstreckte, legte ihn ihr zartfühlend hinein. Worauf sie in unaussprechliche Freude über meine wie immer mustergültige Kooperation und Hilfeleistung ausbrach, ihren Fehler und Irrtum zugab, sich gründlichst entschuldigte, den besagten halben Apfel reinigte und ihn mir samt Butzen auf beiden Handflächen anbot, in der gleichen zeremoniellen Art, wie sie seit eh und je den höchsten Würdenträgern gegenüber angebracht ist. Nun ja, durchaus angemessen. Also nahm ich huldvoll den insgesamt fast ganzen Apfel an, knurrte meinem Reichs-Katzen-Büttel noch zu, dass es diesmal nichts für ihn gäbe und er sich zu verziehen habe. Dann zog ich mich auf mein königliches Ruhelager zurück, um den Apfel ungestört zu geniessen. Es tut richtig gut, wenn man feststellt, dass die in einen Menschen investierte Ausbildungsmühe im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt.

Nur, manchmal macht sie die Apfelschnitze warm, und tut Rum-Rosinen und viel Zimt daran, und das ist gar nicht gut! Ob es der Rum ist, oder der Zimt, oder die Tatsache, dass das Ganze warm ist, es schmeckt einfach nicht! Arme Mammi, nicht nur ihr Geruchssinn ist lädiert, und ihre Hör- und Sprach-Organe sind defizient, auch ihre Geschmacksnerven sind verbogen! Aber, das muss man ihr lassen, sie sorgt sich schon um gesunde Speisen für ihren König, denn sie hat versucht, mir zu erklären, dass Rum und Rum-Rosinen nichts für Hunde seien. Sie kann ja viel erklären, wenn der Tag lang ist, aber etwas, das sooooo stinkt, wie dieser Rum, das ist auf jeden Fall und absolut abzulehnen! Nur, wie gesagt, sie merkt gar nicht, wie abscheulich das schon riecht, geschweige denn, dass es kaum besser schmecken kann!

Andrerseits überkommt Mammi mitunter (aber natürlich nicht oft genug!) ein Grosszügigkeits-Anfall in Bezug auf den Leckerlies-Haushalt, und dankt mir für alle noch nicht ordnungsgemäss belohnten Wohltaten, die ich meinem ganzen Volk und somit auch ihr ständig beschere, indem sie mir in einer feierlichen Zeremonie eine ganze Schale voller Leckerlies anbietet, gewissermassen als Zeichen ihrer Dankbarkeit und hohen Wertschätzung meiner erlauchten Person und Position im Reich. Natürlich kann man so ein Zeichen der Anerkennung aus rein höflichen Gründen nicht gut ablehnen, also bleibt mir dann nichts anderes übrig, als dieses Präsent herablassend-gnädig anzunehmen, und ein paar Worte oder Gesten der Dankbarkeit ob solcher durchaus verdienten Ehrung zu verlieren. Man hat doch auch als König seinem Volk gegenüber gewisse Verpflichtungen, und Höflichkeit ist nun mal eine königliche Wesensart.-
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Nach des Tages Lasten (Kapitel 11)

Beitragvon Leonie » So 7. Sep 2008, 08:18

Wenn Mammi von ihren langen, einsamen Ausflügen zurück kommt, hat sie logischerweise ein schlechtes Gewissen mir gegenüber. Schliesslich weiss das jeder Hund, und ich habe es in der Hundeschule bestätigt bekommen, dass die Rückkehr stets ein begrüssenswerter Vorgang ist, besser spät als gar nicht, und daher darf ein Mensch niemals bei der Rückkehr irgendwie bestraft werden, etwa weil er nach der einzig massgeblichen Ansicht des Hundes viel zu lange fort war. Kommt so ein verspäteter Mensch endlich doch nach Hause, würde er die Strafe irrtümlich aber unweigerlich mit der Rückkehr verbinden, statt mit dem Verspäten oder gar dem vorhergegangenem Weggehen - und das könnte wirklich fatale Folgen haben. Daher versuche ich dann, sie zu trösten, indem ich sie überschwänglich begrüsse, das kann ich sehr gut.

Der Erfolg dieser meiner Diplomatie ist natürlich, dass Mammi immer ganz gerührt ist, dass ich ihr sooo grossherzig verziehen habe - und dann drückt sie ihren tief empfundenen Dank in Form von delikaten, aber keineswegs wenigen Leckerlies aus.
Und beim abendlichen Essen und Fernsehen belohne ich sie, indem ich ihren Schoss als mein königliches Ruhelager wähle. Happy darf dann unten liegen, und gewissermassen als Mammis Fusswärmer fungieren.

Ich vergass: Vorher findet natürlich mein und Happys Nachtmahl statt.
Dabei gehört es zum guten Ton (das ist immer sehr wichtig, besonders in Aristokraten-Kreisen!), ganz einfach still und ruhig abwarten, allenfalls ein wenig belangloses "small talk" machen, bis es soweit ist, also bis unser Essen Einnahme-bereit angerichtet ist. Erst nach dem höfisch-höflichen Hinweis:
»Euer Majestät, es ist angerichtet«, schreite ich zum Mahl, nicht jedoch ohne meinem Reichs-Katzen-Büttel zu sagen:
»Jetzt darfst du auch!«

Das gehört sich einfach so, denn Happy wartet selbstverständlich darauf, dass ich ihm gnädigst die Nahrungsaufnahme erlaube, und es wäre meiner nicht würdig, ihn in diesem Sinne zu schikanieren. Und jovial und volkstümlich wie ich nun einmal bin, decke ich die Abendtafel nach dem Mahl auch ab, indem ich beide Näpfe in die Küche bringe. Natürlich weiss Mammi, dass diese Zuvorkommenheit meinerseits auch entsprechend belohnt zu werden hat. Und, weil ich so jovial und volkstümlich bin, wie ich nun einmal bin, schanze ich Happy auch einen Happen zu, obwohl der Arme gar nicht weiss, warum er so einen Gunstbeweis erhält.

Und danach, die Nachtruhe. Also, ein geruhsamer Schlaf ist eine vielseitig sinnvolle Aktivität: Sie ist gesundheitlich notwendig, sozial aufbauend, und für das allgemeine Wohlbefinden ein unerlässlicher Vorgang. Natürlich kann man so eine wichtige, ja elementare Tätigkeit einfach überall verrichten. Aber es gibt schon kleinere, durchaus sekundäre oder gar tertiäre Unterschiede.

Da wäre der von Aristokraten durchaus und zu Recht verpönte, sogenannte "Hundekorb". Er mag vielleicht in kalten Regionen ein gewisses Gefühl der Geborgenheit vermitteln, weil er den Einlieger quasi zu einer zusammen-gerollt-Position zwingt, die ja an und für sich sehr gemütlich sein kann, andrerseits aber auch recht einseitig ist. So ein Hundekorb ist meistens dünn gepolstert (die Polster könnten ruhig wesentlich dicker sein), und der Rand hindert einen daran, sich so richtig räkeln und dehnen zu können. Na ja, sollte ein Hunde-Korb-Hersteller auf den meiner Ansicht nach durchaus begrüssenswerten, jedoch leider völlig unwahrscheinlichen Gedanken kommen, sich bei mir fachlich begründeten und absolut wohlgemeinten Rat zu holen, so werde ich sein Anliegen wohlwollend in Betracht ziehen. Nicht desto weniger, so ein normaler Hundekorb mag für unbedarfte, anspruchslose, simple Wesen angebracht und durchaus hinreichend sein. Oder als Spielsachen-Depot.

Anders, hingegen, ein Sessel oder gar ein Sofa. Da hat man Platz und Status, insbesondere, weil Mammi sich gerne auf so etwas niederlässt. Und eigentlich wird erst dann so ein Sessel oder Sofa zum absolutistischen Gemütlichkeits- und Status-Symbol, nämlich wenn man Mammi die Ehre erweist, sich gnädigst auf ihrem Schoss niederzulassen. Dass wir uns recht verstehen: das hat mit dem Begriff eines sogenannten "Schosshundes" rein gar nichts zu tun! Bei der Gelegenheit ermöglich man ihr, einem den königlichen Pelz zu kraulen, oder sanft die Ohren zu verdehen, Mammi macht das irgendwie gern, und warum soll man ihr so eine kleine Freude nicht gönnen? Man ist ja nicht so, man muss seinem Volk halt auch so ein kleines Vergnügen gönnen. Natürlich kommt es bei einer so ruhigen Aktivität vor, dass man vor lauter völkischer Hingabe einfach einschläft. Aber aristokratische Alton-Terrier haben immer einen sehr leichten Schlaf, und die telepathische Wahrnehmung ist sowieso stets aktiv. Ausserdem tue ich oft nur so, als ob ich schlafen würde, weil Mammi sich dadurch, dass ich auf ihrem Schoss zu schlafen geruhe, geehrt fühlt, und das selbstverständlich sehr zu Recht.

Aber so richtig schlafen kann man eigentlich nur in einem ausgewachsenen Bett, möglichst so ein ganz breites, weil man dann, ohne eigene Einbussen an Bequemlichkeit und Raumbedarf, Mammi die Möglichkeit einräumen kann, ebenda auch zu schlafen, halt so am Rand, und ohne alle Viere von sich zu strecken, weil dieses höchst genussvolle Strecken eben nur der hohen Aristokratie vorbehalten ist, es ist somit mein exklusives Vorrecht. Na ja, manchmal darf sie auch, ich bin ja voller Verständnis, und gönne ihr durchaus mal so ein kleines, vergnügliches Streckerchen. Und da Mammi oft an kalten Füssen leidet (ganz unbehaart sind sie, die armen Zehchen...), darf mein Untertan Happy während der kälteren Jahreszeit auf Mammis Füssen schlafen, keineswegs weiter oben, weil das Kopfkissen und die weitere Umgebung selbstverständlich nur mir zustehen. Und in der warmen Jahreszeit habe ich natürlich absolut freie Platzwahl, Mammi nimmt dann eben mit den restlichen Fleckchen vorlieb, ich überlasse ihr auch gerne ein ganz kleines Kissen, und Happy verbringt die Nacht dann irgendwo, wo er mir nicht lästig fällt: ein ca. 10 x 20 cm kleiner Fleck am äussersten Fussende, oder, wesentlich komfortabler, unten: Hundekorb, Teppich oder blanker Boden, je nachdem, was er gerade vorziehen mag, ich überlasse ihm grosszügig die Wahl. Doch wenn der Sommer so richtig auf Hochtouren kommt, dann wird es einem im Bett doch zu warm, trotz des grossen, runden, sich drehenden Fächers an der Decke, der für ein lindes, kühlendes Lüftchen sorgt. Dann sind die kühlen Fliesen des Bodens doch vorzuziehen. Aber: wie kann die arme Mammi überhaupt einschlafen, wenn ich nicht daneben liege, um sie zu beschützen? Sie könnte vor Angst und Kummer kein Auge zumachen, geschweige denn, geruhsam schlafen zu können! Also gehe ich auch ins Bett, tue so, als würde ich schlafen, und wenn Mammi endlich sanft schlummert, dann stehe ich ganz vorsichtig auf, ohne sie zu wecken, steige elegant und lautlos vom Bett herunter und suche den kühlen Platz meiner Wahl auf.

Aber, mitunter gibt es auf der Strasse nichtsnutzige Hunde, die zu nächtlicher Stunde da herumlaufen, bellen, Krawall machen, und königlichen Schlafbedarf unberücksichtigt lassen. Dann hilft es nicht, ich muss Mammi und mein in diesem Fall zum amtlichen Reichs-Nachtruhe-Büttel umfunktionierten Volk Happy wecken, das Öffnen der Tür veranlassen, und hinausstürmen, um für Ordnung zu sorgen. Leider geht das meist nicht ohne kräftiges Gebell unsrerseits ab, weil diese Nachtruhe-Störer sonst nicht begreifen, dass sie und ihr Lärm unerwünscht sind. Aber, leider, mischen sich oft die Hunde anderer benachbarten Domänen mitunter lautstark und immer überflüssigerweise in meine Zurechtweisungen ein, mit dem traurigen Ergebnis, dass es in der weiteren Umgebung wohl keinen Hund mehr gibt, der nicht seinen Senf dazu gibt.

Und, leider, Mammi macht dann nicht nur den fremden Krawallmachern und Happy, sondern sogar mir Vorwürfe wegen nächtlicher Ruhestörung. Manchmal versteht sie doch erschreckend wenig von Politik!-
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Handelsangelegenheiten (Kapitel 12)

Beitragvon Leonie » Mo 8. Sep 2008, 17:31

Manche Tage werden Feiertage genannt, und zwar, weil dann etwas gefeiert wird. Und damit man feiern kann, wird etwas besonders Gutes aufgetischt. Aber klar, die Menschen kriegen auch etwas extra Feines! Meine Präferenzen decken sich mit denen meines Volkes, und warum auch nicht? Wenn ein König gerne mal einen Knochen geniesst, so ist das doch kein Grund, warum der Reichs-Katzen-Büttel namens Happy nicht auch Knochen mögen darf. Nur: Während ich so etwas andächtig geniesse, und mich an den verschiedenen Geschmacksnuancen der diversen Knochen-Komponenten verlustiere, shreddert und verschlingt der eher proletarisch angehauchte Happy das gute Stück; ruck-zuck, weg ist der Knochen, und zwar restlos!

Leider treten manchmal Zwischenfälle ein, die mich zwingen, meinen Knochen für eine Weile liegen zu lassen, um dringenden Staatsgeschäften nachzugehen; es sieht und hört sich ja zutiefst unköniglich aus und an, wenn ich daherkäme und mit einem Knochen zwischen den Zähnen versuchen würde, Ordnung zu schaffen!

Nun ist es jedoch bereits vorgekommen, dass ich nach erfolgreicher und zufriedenstellender Regelung besagter Staatsgeschäfte wieder meinen wohlverdienten Knochen geniessen möchte, dass ich jedoch feststellen muss, dass er nicht mehr vorhanden ist. Böse Zungen bezichtigten mitunter Happy als den Knochen-Usurpator, aber das kann ich mir kaum vorstellen. Happy als Majestäts-Knochen-Dieb? Undenkbar, dass Happy eines derartigen Frevels fähig sein könnte. Doch - hm - andrerseits - normalerweise wäre doch von Happys Knochen nur noch der Nachgeschmack auf seiner Zunge vorhanden! Und trotzdem bearbeitet er weiterhin Geräusch- und Genuss-voll seinen Knochen? Tatsache ist: Happy bearbeitet Geräusch- und Genuss-voll einen Knochen. Die Dinger haben ja keine Seriennummer, da geht alles auf Treu und Glauben. Schliesslich heisst es "in dubio pro canem". Wie ist das Problem zu lösen? Nach langem ausgiebigen Grübeln und Nachdenken kam ich auf die Lösung des Problems, eine Lösung, wie sie von Sherlock Holmes auch nicht geschickter formuliert werden könnte: Ich belle Alarm und schicke meinen Reichsbüttel auf Katzenjagd!

Pflichtbewusst lässt Happy seinen bzw. den Knochen liegen, und stürmt den Katzen entgegen, die es jedoch gar nicht gibt. Aber die kurze Abwesenheit genügt mir, um den fraglichen Knochen kurz zu inspizieren. Und - tatsächlich! - er liegt genau so im Mund, wie mein vermisster Leckerbissen! Denn es muss dem unwissenden Leser gesagt werden, dass jeder Knochen einzig ist, gewissermassen ein Unikat, und wenn man einen im Mund hatte, so erkennt man ihn sofort wieder. Nicht etwa am Geschmack, auch nicht am Aroma, obwohl das auch wichtige Merkmale sind, sondern einfach an der Art, wie er so zwischen die Zähne zu liegen kommt. Weil durch diese Prozedur ein notwendiger, aber auch völlig genügender Beweis meines Besitz-Anspruches an dem fraglichen Knochen erbracht wurde, verlustiere ich mich dann ohne Groll an meiner königlichen Delikatesse. Und Happy ist in dem Fall auch bestraft genug, denn er schaut dann aus, als ob er gleich aus meinem paradiesischen Reich verbannt, oder aber wenigstens hingerichtet werden sollte.

Aber, meine sehr geneigte Leserschaft, es ist ja allgemein bekannt, dass vergeben königlich ist. Und ich vergebe. Es könnte allenfalls mal vorkommen, dass aussergewöhnlich viele Katzen eines Alarms schuldig werden, und dass Happy tatsächlich seinen Knochen mal unaufgenagt liegen lässt. Nun, was kann ich dafür, wenn sich so ein vereinsamter Knochen mal versehentlich verflüchtigt?

Ganz anderer Art sind jedoch meine Handelsbeziehungen mit Mammi. Ich darf meine geneigte Leserschaft an dieser Stelle ganz vorsichtig, und ohne jede böse oder diskriminatorische Absicht daran erinnern, dass Mammi, bei allen ihren völlig unbestrittenen Vorzügen, halt doch nur ein Mensch ist. Und Menschen sind vergesslich, ständig lassen sie irgendetwas fallen, oder einfach liegen, und suchen es danach verzweifelt. Und, zuvorkommend, grossherzig und hilfsbereit, wie ich nun in aller Bescheidenheit bin, tut mir Mammi dann leid. Also nehme ich das fragliche, verlorene oder vergessene Objekt auf und bringe es ihr. Die Freude, die in ihr das wieder vorhandene Ding auslöst, belohnt einen eigentlich schon für alle Mühe. Aber was Recht ist, muss auch Recht bleiben, und jede gute Tat ist einer Belohnung wert, die in solchen Fällen aus Leckerlies besteht. Na ja, ich gebe es ja zu, dass ich manchmal Sachen anbringe, von denen ich genau weiss, dass sie die keineswegs so sehr vermisst, aber wenn man Leckerlies halt soooo gern mag, dann wird auch ein König mal schwach.

Was ausgesprochen Spass macht, das ist, wenn Mammi in den diversen Regionen meines Reiches den Boden bearbeitet. Sie pflügt zwar nicht, und sie sät auch kein Getreide, aber sie hält das Gras auf eine ästhetisch ansprechende und pfotengerechte Wuchshöhe, und sie sorgt auch für farbige Pflanzen, die sie Blümchen nennt, und die meist entlang der Reichsgrenzen angelegt werden. Na ja, so als Demarkation der Grenzen mögen sie ja ganz hübsch sein, aber stinken tun sie alle. Nirgends ist eine Pflanze, die so fein nach 2/3 verfaultem Fisch duftet (ich erwähnte diesen Duft bereits), oder wenigstens nach toter Ratte, was auch nicht zu verachten ist.

All' dieses tut sie natürlich unter meiner Aufsicht, und ich mache sie auch auf Ameisenlöcher aufmerksam, und helfe ihr beim Graben. Drüberhinaus trage ich ihr die Werkzeuge nach, die sie ständig verlegt, und auch gewisse annähernd kugelige Dinge, die sie in ihrer Zerstreutheit in die Erde steckt, und dann dort vergisst; natürlich grabe ich sie aus und bringe sie ihr. Hier und da ist es schon vorgekommen, dass ich so ein Kugeldings zu fest packte, und dann lief Saft heraus, aber der schmeckte gar nicht gut, ähnlich wie Zwiebeln, nur noch viel pfuiiger. Und wenn Mammi mal irgendwelche Pflanzen an unziemlichen Orten einsetzt, so buddle ich auch sie wieder aus, und bringe sie Mammi, die sich dann vor Freude nicht mehr kriegt. Manche Pflanzen bestehen nach dem Ausbuddeln nicht mehr aus einem zusammenhängenden Ganzen, es ist klar, die wären sowieso eingegangen, und dann shreddere ich sie, damit sie wenigstens noch auf dem Komposthaufen von Nutzen sein können.

Doch es sind nicht diese zweifelhaften Gerüche, die mir Spass machen, sondern besonders wenn Wind aufkommt, und dann Mammis Strohhut auf und davon fliegt. Heissa, ist das dann eine Jagd! Dabei ist es gar nicht so einfach, so einen halb fliegenden, halb am Boden kollernden Hut zu fassen, da muss man sich schon mit allen Pfoten und sämtlichen Reisszähnen draufwerfen! Dabei kann es schon mal passieren, nicht wahr, dass der Hut seine ursprüngliche Form mehr oder weniger einbüsst, oder dass er dann ein oder zwei Lüftungslöcher mehr aufweist, als vor der Jagd.

Aber das macht nichts, Mammis Dankbarkeit ist rührend, und die obligaten Leckerlies angemessen schmackhaft. Wobei es eines Tages, nach einer besonders langen Hutjagd und der obligaten Leckerlies-Verleihung dazu kam, dass die verwirrte Mammi den Hut (na ja, es war nicht mehr der neueste, und die lange Jagd hat ihm auch nicht gerade gut getan) versehentlich zum Abfall tat. Reine Verwirrtheit von der Armen war das, ganz klar, die Freude über den wieder gefangenen Hut hatte sie einfach überwältigt. Also rettete ich den Hut (eigentlich zwei fast völlig von einander getrennte Teile) aus dem Abfall und brachte ihn ihr abermals. Mammis Freude darüber war schlicht und einfach unbeschreiblich! Sie brach fast in sich zusammen, erinnerte sich jedoch noch an ihre Pflicht, Leckerlies zu verleihen.
Nur: diesen Hut habe ich danach nie wieder gesehen. Sicher hat Mammi ihn in meinem huldvollen Namen einer wohltätigen Vereinigung gestiftet.

Aus Gesprächen zwischen Mammi und anderen Hunde-eigenen Menschen entnahm ich, dass diese Tätigkeit mitunter "Apportieren" genannt wird, und dass das für manche viertklassige Hunde richtig schwierig sein kann. Die Menschen pflegen dann Stöckchen zu werfen, und erwarten, dass der betreffende Hund dieses völlig wertlose Stöckchen findet und zurück bringt, um es seinem Menschen vor oder gar auf die Füsse zu spucken.
Die äusserliche Ähnlichkeit zwischen diesem "Apportieren" und meiner das Volksvermögen erhaltenden Tätigkeit mag viele Menschen und auch etliche Hunde auf den Gedanken bringen, beides wäre das gleiche. Es mag ja sein, dass ein üblich-gewöhnliches Apportieren so aussieht, aber, bitte sehr, wie soll ich Mammi etwas überreichen, wenn sie es nicht sehen und betrachten kann? Also setze ich mich in aller meiner aristokratischen Würde vor sie, und zeige ihr, was ich für sie gerettet habe. Und, klar, sie sieht, dass ich ihr keinen Skorpion oder sonst etwas Ablehnungswürdiges bringe, sondern eben ein wertvolles Ding, das sie bereits bitterlich vermisst hat. Ebenso klar, dass sie vor mir auf die Knie fällt, mir zutiefst gerührt dankt, das wertvolle Ding entgegennimmt, und mir entsprechend angemessene Leckerlies verleiht.

Also, mit dem ansonsten Hunde-üblichen "Apportieren" hat das rein gar nichts zu tun! Es handelt sich hier vielmehr um wirtschaftliche Transaktionen, auch Tausch-Geschäfte genannt, in denen ein Wertgegenstand (das verlorene Ding) durch einen anderen Wertgegenstand (Leckerlies) getauscht wird.

In diesem Zusammenhang kommt eine Episode in mein erlauchtes Gedächtnis: Mit meiner zeitlich begrenzten Genehmigung hatte Mammi einen kranken Windhund zur Pflege aufgenommen. Nun ja, karitative Tätigkeiten müssen halt auch sein, schliesslich kam sogar mein Reichs-Katzen-Büttel Happy so zu mir.

Doch als es besagtem Windhund besser ging, und ich ihn in meiner jovialen Art auf ein von der Wäscheleine herabgefallenes Wäschestück aufmerksam machte, wollte ich ihn lediglich lehren, dass man solche herabgefallenen Dinge tunlichst aufzuheben habe, um sie anschliessend mit einem freundlichen Lächeln Mammi zu präsentieren. Doch dieser Windhund (er war wirklich ein geistig windiges Kerlchen) nahm das gute Stück auf, und raste damit davon, Maranello auf und ab, und noch eine Runde Armida, bis ihm die Puste ausging, weil ich natürlich hinter ihm her war, um Schlimmeres zu vermeiden. Mammi beobachtete uns reichlich nervös, denn es war so ein dünnes, spitzenbesetztes Teil, das sie sich um den Oberkörper zu schlingen pflegt, und an dem sie anscheinend sehr hängt. Sie trägt es offenbar an Stelle eines Halsbandes, weil sie ja einen unfunktionell kurzen Hals hat. Na ja, ich erlöste den nach Atem ringenden Kerl von Mammis Wäschestück, und brachte es Mammi. Allerdings schien es mir, dass es jetzt ein paar lose Enden mehr hatte, als vor dieser Hatz. Ich weiss ja nicht, wie Menschen so ein Verhalten nennen, aber mit "Apportieren" hat es bestimmt nichts zu tun.

Um es wissenschaftlich korrekt zu definieren: Apportieren heisst, dass der Mensch einen bestimmten Gegenstand, etwa wie Hut, Schlüssel, Kugelschreiber, Brieftasche, tote Ratte (soll auch schon vorgekommen sein!), usw. vermisst, oder dies in seinem Training so simuliert. Der aufmerksame Hund weiss das, und rennt los, sobald der fehlende Gegenstand irgendwie bezeichnet oder genannt wurde. Nach erfolgter Findung des Gegenstandes nimmt der Hund ihn auf, und eilt zu seinem Menschen, dem es den geretteten Gegenstand zeigt, und dann auch übergibt. All dieses hat zwar schnell, aber keineswegs überstürzt zu erfolgen. Ein Hund von Welt (etwa so wie ich) wird auch keineswegs seinen Menschen dazu anhalten, einen Gegenstand absichtlich wegzuwerfen, nur damit der Hund ihn "apportiert".-
Leonie
 
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Der technisierte Haushalt (Kapitel 13)

Beitragvon Leonie » Mi 10. Sep 2008, 07:45

Ich erwähnte bereits früher (anlässlich eines kleinen Missgeschickes), dass Mammi Geräte benutzt, die zum Teil recht sonderbar sind, und die im Wesentlich dazu dienen, ihre mitunter unzureichenden Sinne zu verbessern oder gar zu ersetzen.

Da ist ihr "Handy" genanntes Ding, mit dem sie nahezu kontinuierlich (na ja, jedenfalls geht diese Zeit von der ab, die mir an Kraulen, Ohrendrehen, usw. von Rechts wegen zusteht) redet, als wenn es eine Person wäre. Da andere Personen auch solche "Handys" haben und in der gleichen Weise benutzen, neige ich zu der Vermutung, dass diese "Handys" sich untereinander irgendwie verständigen können, und dass die Menschen sie benutzen, um mit jemand zu sprechen, der gar nicht hier ist. Den Sinn verstehe ich aber nicht so ganz, weil - worüber soll man sich denn unterhalten, wenn man sich trifft, und man hat sich schon alles gesagt?

Im Vorhof (gut eingezäunt, damit sie nicht ausbüchsen können!) stehen die "Autos", die sind lustig, sie sind wie kleine Häuser, aber voll mit Sesseln und Sofas ausgestattet, und haben rundherum Fenster, damit man alles beobachten kann.

Irgendwie erinnert mich so ein Auto an eine Kutsche, die von Pferden gezogen wird, und diese werden über die Zügel gelenkt, was alles sehr sinnvoll ist. Wahrscheinlich sind vorne im Auto auch Pferde drin, aber die haben ein Dach über dem Kopf, damit sie nicht nass werden. Schlaue Sache, so ein Auto. Wir benutzen es oft auf unseren Expeditionen in andere Domänen, oder auch an den Strand.

Aber manchmal nimmt Mammi für kürzere Expeditionen etwas, das sie einen "Drahtesel" nennt, was ich trotz meiner hohen Intelligenz nicht ganz verstehe. Das mit dem Draht ist schon klar, das ist an dem Ding massig vorhanden, aber ich weiss genau, wie ein Esel aussieht, ein Esel hat doch Beine, und auch einen Schwanz, ähnlich wie ein Pferd, nur etwas kleiner??? Wie auch immer, Mammi setzt sich drauf, und tritt feste auf zwei Dinger, und dann rollt sie recht schnell dahin, mehr oder weniger wackelig, aber sie fällt selten um (eigentlich nie...). Irgendwie sieht dieser Drahtesel komisch aus, weil er einen winzigen Sitz hat (könnte ruhig wesentlich grösser sein...), und vorne und hinten je ein Rad, ähnlich wie ein Auto, aber die haben ja vier Räder. Aber es ist nett, wenn Mammi mal ein wenig schneller sein kann, dann macht das Laufen einfach mehr Spass.

Dann ist drinnen im Haus so ein besonderes Fenster (natürlich verglast!), durch das man die tollsten Dinge sehen kann: Häuser, Menschen, Autos, aber auch Pferde und viele sonderbare Tiere. Manchmal sieht man auch Hunde, die ich immer grüsse, aber die grüssen nie zurück. Finde ich gar nicht nett! Mammi nennt es einen "Fernseher", was ich ganz klar verstehe, man kann durch dieses Fenster in die Ferne sehen, das ist natürlich angenehm und interessant, aber irgendwie stimmt da etwas nicht, weil man aus solcher Entfernung die ganzen Geräusche doch nicht so klar hören würde. Andrerseits stimmt das mit der Entfernung doch, weil man absolut nichts riechen kann.

Und dann ist da dieser weisse Schrank, der immer zu ist, und denn ich einfach nicht aufkriege (versucht habe ich es schon mehrmals), was absolut lohnend wäre, weil es da drin viele Leckereien gibt, wie Käse, Wurst und was es sonst noch an feinen Dingen gibt. Aber es ist ein recht komischer Schrank, denn manchmal summt er ganz leise, und weil es in dem drinnen immer eisig kalt ist, noch schlimmer, als im Winter im Garten, obwohl drinnen eine winzige Sonne dafür sorgt, dass das fensterlose Innere gut beleuchtet ist.
Ich habe Mammi so verstanden, dass sie alle diese feinen Dinge deswegen da rein tut, "damit sie sich halten", also damit sie nicht schlecht werden, worunter sie wohl versteht, dass sie faulen könnten. Und das verstehe ich überhaupt nicht, denn so ein schön angefaultes Stück Fleisch oder Fisch ist doch die reinste Wonne an Geruch und Geschmack! Und, ausserdem, wenn sie die Sachen draussen liesse, würde ich schon dafür sorgen, dass nichts schlecht wird! Da bräuchte man doch diesen ganzen Winter-Schrank überhaupt nicht!

Wenn ich speise, so hinterlasse ich meinen Napf absolut klinisch sauber, ich finde, das gehört sich so. Ich kontrolliere auch stets, ob mein Reichs-Katzen-Büttel das auch tut; gegebenenfalls arbeite ich da ein wenig nach. Also nicht nur leer oder sauber, sondern absolut rein!

Anders jedoch die Menschen; sie haben aber auch nicht so eine lange, einfühlsame Zunge, wie ich. Somit sind ihre Näpfe nach dem Essen immer noch nicht richtig leer. Aber, anstelle dass man sich in diesem Sinne irgendwie Mühe geben möchte, oder sie mir zwecks Endreinigung übergeben würde, werden die Menschen-Näpfe in so einen weissen Kasten gesteckt, der anschliessend recht lange zischt, plätschert und rumpelt; und wenn er fertig ist, dann kann man die Näpfe, Töpfe, Bestecke, Schüsseln, Gläser, Tassen, Teller, usw. herausholen, sie sind dann ziemlich sauber. Nicht, dass mein Napf nicht immer noch wesentlich reiner wäre...

Eine ebenfalls weisse, ganz ähnliche Maschine dient dazu, die Menschen-Fellchen zu waschen, eine Prozedur, die ich überhaupt nicht verstehe, weil es geht doch nichts über so ein gewisses, vertrautes Müffeln der Fellchen, da weiss man, was man hat, und was war, und kann einfach alle diese Düfte analysieren und bewerten.
Anders jedoch, wenn die Fellchen aus der sogenannten Wasch-Maschine kommen, dann stinken sie ganz erbärmlich nach Blümchen und sogenannter "März-Frische". Oder war es ein anderer Monat, der angeblich so schön stinkt? Andrerseits: Wieso sollen oder können Monate denn überhaupt duften? Hat die Zeit etwa einen Geruch? Der Geruch der Zeiten! Das klingt schon richtig poetisch, nicht wahr? Aber ja doch, die Zeiten haben tatsächlich einen Geruch!

Der Sommer riecht nach Wärme, nach Badeöl, nach Blumen und sehr stark nach Katzen, aber für die ist mein Reichs-Katzen-Büttel zuständig.

Der Herbst ist eine Komposition von bunten Aromen: reifen Früchten, am Boden zerplatzten Granatäpfeln, und auf den Feldern riecht es nach Heu und frisch aufgeworfenen Maulwurfshügeln.

Da ist der Winter, der duftet nach Kühle, nach feuchter Erde, nach feuchtem Laub, ein wenig nach Rauch (besonders abends), und am Meer riecht er ganz stark nach Nebel, nach Salz, nach unendlichen Weiten...

Und der Frühling (wo wir bei diesem Fellchen-Wasch-Maschinen-Superduft wären), der riecht nach jungen Mäusen und kleinen Kaninchen, mit einer feinen Duftnote von dicken Regenwürmern in frischer Erde.

Manchmal gehen bei Mammi die sogenannten "Sicherungen" durch (das ist auch so eine Redensart, die ich nicht ganz verstehe), und dann ergreift sie einen langen Stock mit so einer Art langhaarigem Fell an einem Ende, taucht ihn in einen Eimer mit einer übelriechenden, schäumenden Flüssigkeit, und wischt damit den ganzen Fussboden ab, so dass da nicht mehr ein Partikelchen Staub, Erde, Dreck oder sonstige ehrbare Patina drauf zu sehen ist.

Und dann benutzt sie auch ein kleines heulendes Ungerät, das einen langen Schlauch hat, und alles zu verschlucken versucht, das ihm in Reichweite kommt. Ich wollte es mal untersuchen, und bin wohl mit der Nase zu nahe an diesen Verschluck-Schlauch gekommen, jedenfalls hat mich das Ungerät richtig gebissen. Nun, Zähne hat es keine, aber die Art, wie es versuchte, meine Nase zu verschlucken, die war richtig gemein!

Es ist mir völlig schleierhaft, was Mammi an diesem fiesen, heulenden Ungerät findet. Aber sie scheint Wert darauf zu legen, dass der Verschluck-Schlauch nicht irgendwie zufällig zerkaut oder sonstwie bearbeitet wird.

Ansonsten gibt es aber auch richtig sinnvolle Geräte im Haus, die Mammi bei Bedarf anmacht, wie sie sich ausdrückt. Nun, ich habe viel darüber gehört, was manche Menschen unter "anmachen" verstehen, und finde dass Mammi sich eigentlich immer sehr korrekt diesen Geräten gegenüber verhält. Von "Anmache" keine Spur, das muss mal festgestellt werden!

Aber wie auch immer, ich nenne es aktivieren, was sie mit diesen Dingen tut, und das ist richtig! Denn wenn Mammi sie aktiviert, dann strahlen sie wie eine kleine Sonne (ich erwähnte diese Erscheinung bereits in Zusammenhang mit dem Winterschrank), wobei sie aber nicht so wärmen, wie die Sonne draussen. Aber schön hell wird es trotzdem, Mammi hat das gern, weil sie halt sonst mangels Riech-Orientation nicht weiss, was wo wie ist. Die meisten dieser kleinen Sonnen sind oben, an der Decke der Zimmer, aber ein paar andere sind auch weiter unten.

Ebenfalls an der Decke befinden sich grosse Fächer, die sind besonders im Sommer angenehm, wenn es sehr warm wird, und Mammi sie dann im Kreis laufen lässt, dann gibt es einen wunderbar angenehm kühlenden Luftzug, der aber niemals stürmisch scharf wird; wir haben auch über dem Bett so einen Rund-Fächer - ich berichtete bereits darüber!

In einer Ecke vom grossen Zimmer ist ein Loch in der Wand, da schmeisst Mammi gelegentlich (wenn es draussen kalt wird) Holz rein, aber nicht zum genüsslichen Zerkauen, sondern zum Verbrennen!

Na ja, es wird dann schön warm im Haus, aber manchmal kracht und knallt das Holz, und schmeisst mit brennenden Funken um sich, was ich gar nicht gut finde. Man sollte dem Holz so einen Mangel an Wohlverbrennen einfach untersagen!
Da sind doch die anderen, lochlosen Wärmegeräte angenehmer, die machen nur warm, ganz zivilisiert, und ohne die Umgebung im Allgemeinen und mein Volk Happy im Besonderen in Angst und Schrecken zu versetzen.
Aber Mammi findet das feurige Loch gemütlich, wie sie sich ausdrückt.-
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Beitragvon Cece » Mi 10. Sep 2008, 10:04

[quote][i]Original geschrieben von Leonie[/i]
Man sollte dem Holz so einen Mangel an Wohlverbrennen einfach untersagen![/quote]
:-) *scheckig lach*

Ich war irgendwo bei Kapitel 6 mit dem Lesen stehen geblieben und konnte jetzt (da Mann und Hund schlafen - welch Segen *g*) endlich mal die Geschichte weiterverfolgen. Erwähnte ich schon, dass ich deine Schreibweise toll finde?! :grosses_grinsen: So schön eloquent, witzig, ja pädagogisch wertvoll.

Weitermachen!

LG
Bauchpinsel-Cece :D

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Bauchpinselm

Beitragvon Leonie » Mi 10. Sep 2008, 14:56

Danke, Cece (*sehr geschmeichelt bin :augenaufschlag: *) aber zwischen Deinem Bauchpinseln, Happys morgendlicher Bauchwäsche und Tariks Bauchkitzeln (sein Fell kitzelt unheimlich) komm ich ja zu gar nix mehr --- nur noch blödes Rumgekichere ...
:kaputtlachen::kaputtlachen::kaputtlachen::kaputtlachen::kaputtlachen:

LG

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Übungen, die ein Mensch beherrschen muss (Kapitel 14)

Beitragvon Leonie » Do 11. Sep 2008, 11:51

Also, ganz klar, ein Mensch muss sehr gut bei Pfote gehen können, gegebenenfalls auch an der stets durchhängenden Leine, denn wenn der Mensch an der Leine zerrt, ist er eben nicht ganz bei der Sache, nämlich ständig darauf zu achten, was sein Hund braucht. Beachtet ein Mensch immer dieses Duchhängen der Leine, so spricht man von seiner guten "Leinen-Führigkeit".

Es ist ganz wesentlich, dass ein Mensch immer eine Hand frei hat, denn die braucht er unbedingt, um seinen Hund zu streicheln oder, vorzugsweise, um sich per Leckerlies bei ihm zu bedanken, dass er mit seinem Hund spazieren gehen darf.

Klar, dass die Leckerlies nicht vom Himmel fallen, der Mensch hat also einen hinreichend reichlichen Vorrat davon bei sich zu tragen, am Besten in einer nicht zu kleinen, möglichst prall vollen Nierentasche, die dann aber vorne getragen wird, wo sie von der freien Hand gut erreichbar ist. Komplizierte Verschlüsse sind bei einer solchen Nierentasche abzulehnen, es ist nämlich unzumutbar, dass der arme Mensch sich ständig die Finger wund fummeln muss, wenn er seinem Hund das wohlverdiente Leckerli reichen will.

Der Mensch sollte auch immer den gebührenden Sicherheits-Abstand von Fahrrädern, in-line-Skatern sowie sonstigen Rollschuhfahrern, tret- und Motor-Rollern, Motorrädern (mit und ohne Beiwagen), Autos, Bussen, LKWs, Strassenbahnen, Zügen, gelandeten Flugzeugen, im Anflug befindlichen Raumschiffen oder Wasserfahrzeugen jeglicher Art wahren, da der Hund mitunter nicht gewährleisten kann, dass er dem durch diese Artefakte in Not gekommenen Menschen auch rechtzeitig retten oder helfen könnte. Gegebenenfalls wird der vernünftige, sicherheitsbewusste Hund seinen Menschen an die Leine nehmen.

Sehr wichtig ist auch, dass der zum Autofahrer mutierte Mensch (es ist unglaublich, wie so eine Tätigkeit einen Menschen verändern kann) seinem Hund die ihm zustehende Sicherheit, Bequemlichkeit und Leckerlies-Versorgung uneingeschränkt zukommen lässt.

Insofern sind im Auto irgendwelche Gitter oder Netze, die die Menschen von ihren Hunden trennen, unbedingt abzulehnen, weil sie die notwendige Zufuhr von Leckerlies zu sehr erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Andrerseits sind die Hunde dann auch nicht in der Lage, so richtig auf ihren Menschen aufzupassen.
Es ist ja leider viel zu oft geschehen, dass der so vereinsamte Mensch vor lauter Kummer und Verzweiflung nicht richtig aufgepasst hat und daher einen Unfall baute, wie man so sagt. Einen Unfall, wohlgemerkt, der höchstwahrscheinlich nicht eingetreten wäre, wenn der Hund den Menschen frühzeitig hätte warnen können.

Und, um der Ablehnungswürdigkeit von Gittern oder Netzen im Auto noch die Krone aufzusetzen, ist es ebenfalls viel zu oft geschehen, dass anlässlich eines Unfalles, oder auch nur einer unvorhersehbar heftigen Betätigung der Fahrzeugbremsen die Hunde gegen das Trennungselement prallten, es aus seiner durchweg windigen Befestigung rissen, und dann samt diesen Trümmern nach vorne flogen, wo sie nicht nur selbst verletzt wurden, sondern auch an der Innenausstattung der Autos und sogar an der hinteren Seite der Menschen erhebliche Schäden verursachten.

Da aber Unfälle mitunter von sogenannten Dritten (manchmal auch Vierten, Fünften oder noch mehr!) verursacht werden, die sich der üblichen Kontrolle durch die Hunde entziehen, ist es unumgänglich, dass im Auto alle Insassen, die Menschen nicht weniger als die Hunde, vorschriftsmässig angegurtet werden. Es dient ja nicht nur der effektiven Sicherheit im Falle eines Unfalles, sondern es gibt auch ein angenehmes Gefühl der Geborgenheit, wenn man weiss, dass Hund und Mensch sicher reisen können.

Es gibt ja für Hunde, ebenso wie für Menschen, gute Sicherheitsgurte; für die Menschen sind sie bereits in den Autos eingebaut, und für die Hunde, je nach ihrer jeweiligen Körpergrösse, sind sie eben nachzurüsten. Wichtig sind hierbei, genau so wie bei den Sicherheitsgurten für die Menschen, breite Gurte und solide Schnallen, möglichst leicht und schnell zu öffnen, und zweckmässigerweise aus etwas besserem Material als billiges Plastik, das bei dem ersten Ruck in Stücke geht.

Genau so wie die Menschengurte, haben die Sicherheitsgurte für Hunde entsprechende Prüf-Zeichen (GS, TÜV, usw.). Fehlen solche Gütezeichen, so sollte man die Schnallen noch vor dem Kauf (das Einverständnis des Händlers vorausgesetzt) einem solchen möglichst kraftvoll-heftigen Rucktest unterziehen, so richtig mit Händen und Füssen! Wenn der Händler Qualität anbietet, geht er ja kein Risiko ein. Wenn er den Test ablehnt, so nehme man lieber einen anderen Gurt, oder gleich einen anderen Händler.
Jeder sicherheitsbewusste Hund wird ein solches Vorgehen begrüssen, wenn nicht sogar anregen!

Wichtig ist auch die Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Da die menschliche Sprache überartikuliert, leise und oft schlicht und einfach missverständlich ist, sollte der Hund darauf achten, dass sein Mensch diesbezüglich einiges lernt!
Es bringt einfach nichts, wenn ein Mensch in zwar höflicher, aber durchaus abwegiger Art und Weise herumflötet:
»Ach, Fiffi, sei doch so nett und nähere Dich mir!«

Und sei es noch so freundlich und höflich gemeint, in dem allgemeinen Geräuschpegel geht so etwas einfach unter, und das wahrscheinlichste ist, dass Fiffi sich überhaupt nicht angesprochen fühlt. Sinnvoll ist dagegen ein scharfer, kurzer Pfiff. Wer es kann, der tut es mit zwei Fingern im Mund, und sonst benutzt er eine sogenannte Hundepfeife. Das sind klare Signale, ihre Kürze wird keineswegs als unhöflich verstanden, und wenn der Mensch dies doch glaubt, so steht es ihm natürlich frei, Fiffi (oder wie der betreffende Hund sonst heisst) mit der angemessenen Menge Leckerlies zu belohnen und sich so für die vermutete Unhöflichkeit zu entschuldigen.-
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Armida, der Sitz der Altons (Kapitel 15)

Beitragvon Leonie » Fr 12. Sep 2008, 15:06

Ich erwähnte bereits, dass der Clan der Altons auf dem fernen Planeten Darkover zu Hause ist. In den einschlägigen Sternenkatalogen wird Darkover als "Cottman IV" bezeichnet, also dem vierten Planeten des zu Ehren seines (Wieder-) Entdeckers, dem Astro-Kapitän Atrus Cottman benannten Sternes, und dessen eingehende Chroniken von der begnadeten Autorin Marion Zimmer Bradley aufgeschrieben wurden. Und in diesen Chroniken steht auch drin, dass die Altons einen Stammsitz haben, ein schönes, grosses Schloss, das Armida heisst. Nun, es ist ganz klar und natürlich, dass auch ein terranischer Alton einen Armida genannten Stammsitz haben muss, und wenn nicht ein Schloss (dafür hätte meine Regierung Probleme mit der Baugenehmigung...), dann wenigstens eine spezifische Gegend, die der Heimat Meiner Majestät gewidmet ist.

Und so regte ich an, konsultierte und besprach, und gab letztlich die Anweisung, ein hinreichend grosses Gelände dem edlen Zweck zuzuführen, fortan den Namen "Armida" zu tragen. Hier sollte eine Art Universität für die Hund/Mensch-Beziehungen entstehen, eine Aufgabe, die mir und meinem Reich gut zusteht.

Das Wappen der Universität zu Armida basiert in Form und Farben (silber-grün schräglinks geteilt) auf dem traditionellen darkovanischen Alton-Wappen. Ich habe jedoch den im linken oberen Eck flatternden Falken durch den Abdruck meines Reichs-Pfoten-Siegels ersetzt, und das steigende Pferd im rechten unteren Eck gegen zwei gekreuzte Knochen ausgetauscht (nein, nichts mit Piraten zu tun, sie symbolisieren die Verpflichtung der Menschen, stets mit Leckerlies freigiebig zu sein); ausserdem habe ich den königlichen Strahlenkranz und den treffenden Wahlspruch "per Canem ad Sapientiam" hinzugefügt.

Geografisch gesehen, ist Armida eine Art autonome Provinz innerhalb des Reiches Tomahna. Es ist leicht zu erreichen; ab unserer "Maranello" genannten Rennstrecke braucht man nur an dem praktischen Post-Eulen-Lande-Pfosten vorbei zu laufen, und dann durch Temora Alta und Temora Baja, und schon ist man am Tor zum Campus Magnus meiner Alma Mater, Armida.

Mammi sorgte für schönen, wenn auch langsamen Bewuchs mit gutem, harten Gras, das den zu erwartenden Belastungen gewachsen ist, und ringsherum, an den Grenzen Armidas, setzte sie viele Büsche und sonstige Pflanzen ein.

Ansonsten sorgte sie dafür, dass Armida seinem hohen Ziel entsprechend eingerichtet wurde, mit diversen Geräten, als da sind schön verstellbare Hochsprung-Hürden, variierbare Weitsprung-Elemente, durch-Presch-Tunnel, eine Wippe, eine Mut-Sprung-Hürde mit Flatterbänder (die daran hindern, klar zu sehen, was dahinter ist, aber ein guter Student schaut sich das natürlich vorher an, dann weiss er es), eine Burgmauer (zum drüberspringen) mit Toren (zum durchkrabbeln), kurz, alles, was so eine einzigartige Hochschule benötigt.
Siehe dazu meine Sport-Aufnahmen, Abbildungen Nr. 3 und 4.

Mammi erwies sich erwartungsgemäss als gelehrige Schülerin, die sehr schön bei Pfote läuft; brav und freudig wiederkommt, wenn man auf sie wartet; und überhaupt viel und gut gelernt hat, wie sie sich verständlich machen kann. Nicht, dass ich das nötig hätte, dank meiner telepathischen Begabung bin ich über so etwas erhaben, aber mein Volk, Happy, hat auch sehr viel gelernt, und profitiert gewaltig von Mammis verbesserten Kommunikations-Fähigkeiten.

Es kann ja nicht oft genug gesagt und betont werden, wie wichtig die Bedeutung einer leicht verständlichen, optischen und akustischen Kommunikation zwischen Hund und Mensch ist, durch kurze, prägnante Laute oder durch eine ausdrucksvolle Körpersprache. Selbstverständlich müssen alle diese Signale für einen Menschen klar differenzierbar sein, andrerseits müssen die Menschen auch ein angemessenes, keinesfalls übertriebenes, aber dennoch grosszügiges Belohnungs-Verhalten so gut lernen, dass es ihnen in Fleisch und Blut übergeht.

Es gibt ja kaum einen bemitleidenswerteren Anblick, als den eines hilflos umherirrenden Menschen, der sich verzweifelt bemüht, die Anweisungen seines Hunden korrekt umzusetzen, und kein entsetzlicheres Geschehen, als wenn so ein verwirrter Mensch geistig dekompensiert und in seiner schier unerträglichen Seelenqual zu Handgreiflichkeiten einem Mitmenschen oder gar - es schmerzt, dieses zum Ausdruck zu bringen - seinem Hund gegenüber entgleist.
Und nicht jeder Hund weiss sich in solchen extremen Situationen richtig zu verhalten, und seinen Menschen zu beschwichtigen und auf andere Gedanken zu bringen, oder ihn einfühlsam und wohlwollend auf seinen Irrtum aufmerksam zu machen.

All' dieses ist das Ziel Armidas, eine hochgesetzte, meines aristokratischen Geblütes denkbar würdige Einrichtung.

Und natürlich sind Hunde und Menschen jeglicher Herkunft, Grösse, Farbe und Rasse (doch stets guter Manieren) auf Armida herzlich willkommen zum Studium, wobei begabte Schüler (Hunde und auch ihre Menschen) mit grosszügigen Stipendien rechnen können.

In ihrer Funktion als Minister für Öffentlichkeits-Arbeit hat Mammi meiner Anweisung entsprochen, und entsprechende Bekanntmachungen unter Hunden und Menschen verteilt; und die Inbetriebnahme meiner Universität wurde auch in der Presse bekannt gegeben.

Und - warum soll ich es nicht erwähnen - es freut mich ganz gewaltig, dass bereits die ersten Studenten an meiner Universität studieren. Und, ganz selbstverständlich, ich verfolge ihre Studien und die sichtbaren Fortschritte stets höchstpersönlich.-
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Expeditionen ins Ausland (Kapitel 16)

Beitragvon Leonie » Sa 13. Sep 2008, 22:11

Über meine frühen Forschungs-Expeditionen in grenznahe Domänen habe ich ja schon früher referiert.
Aber was so eine richtige Staats-Expedition ist, so etwas sieht ganz anders aus! Ich und auch Happy legen dann unsere Expeditions-Geschirre an, und Mammi gürtet die natürlich wohlgefüllte Provianttasche um, hängt ihre Not-Ruf-Pfeife um den Hals und steckt das von manchen Menschen "Zauberstab" genannte Signal-Gerät ein. Es hat ja alles seinen Sinn und Zweck:

Die Provianttasche steckt natürlich voller Leckerlies, Mammi ist ja verpflichtet, insbesondere ihren König, aber auch mein Volk Happy ihrer ständigen, unerschütterlichen Wertschätzung zu versichern, und zwar nicht nur in Worten, sondern in Naturalien. Essbare, natürlich, und eher gute!

Und die Not-Ruf-Pfeife ist eine elementare Notwendigkeit, wenn Mammi sich allein und verlassen fühlt, nur weil ich mal mit meinem Büttel die nähere Umgebung kontrolliere. Ich erinnere mich noch an einen Tag, als mich ein nicht angemeldetes, und schon gar nicht von mir genehmigtes Kaninchen aussergewöhnlich lange aufhielt, und Mammi bereits in gesteigerte Panik verfallen war, nur, weil ich ihr nicht beim ersten Pfiff zu Hilfe geeilt war. Aber ich wusste doch, dass mein Reichs-Katzen-Büttel bei ihr war und durchaus Hunds genug war, eine kurze Weile auf sie aufzupassen! Aber auch die besten Menschen sind ja so hilflos, ohne ihren Hund!

Der Clou ist jedoch, wenn Mammi ihren "Zauberstab" hervorholt. Das Ding ist ein teleskopisch (was auch immer das heissen soll...) ausziehbarer Stab, am Ende mit einer auffällig sichtbaren blauen Kugel versehen, und mit einem in den Griff integrierten Klicker ausgestattet. An den Seiten des Griffes steht die Herkunft, so etwas wie die Marke:

[CENTER]"OLLIVANDERS
Makers of fine Wands since 392 B.C.
only at Diagon Alley, London"[/CENTER]

Manchen belesenen Menschen mag dieser Name und die Adresse bekannt vorkommen. Anderen hingegen nicht. Und diese "Anderen" haben mich bereits mehrmals um meine höchst gnädige Erlaubnis gebeten, ob Mammi ihnen wohl gestatten würde, diesen Namen und die Adresse notieren zu dürfen. Nun ja, warum soll ich diese verständliche Bitte abschlagen? Und Mammi, nun, die erfüllt natürlich diesen ordentlich vorgebrachten und amtlich genehmigten Wunsch. Es ist richtig wohltuend, zu sehen, wie dankbar diese Menschen dann sind! Oft erklären sie hoffnungsvoll, sie hätten einen Freund oder eine Schwägerin in London, die würden ihnen das Zauberdings schon zu besorgen wissen, schliesslich kann die Diagon Alley nicht gar so lang sein!

So, jetzt habe ich zwar erzählt, was so ein Zauberstab ist, und wie er aussieht. Aber ... wie funktioniert er?
Wozu der Klicker dient, habe ich bereits weiter oben beschrieben, und habe dem auch nichts mehr hinzuzufügen. Der Stab selbst lässt sich ganz kurz zusammenschieben, dann passt er in Mammis Tasche. Oder man zieht ihn auseinander, und kann dann mit ihm Signale geben. Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man seinen Menschen ordentlich abgerichtet und ausgebildet hat.

Wenn die Expedition ein weites, freies Gelände auskundschaftet, so ist es nur normal, wenn die einzelnen Expeditionsmitglieder manchmal mehr oder weniger weit von einander entfernt sind. Ich kann meine prägnanten Kommandos natürlich laut genug bellen, aber wenn Mammi mir etwas, was sie für wichtig hält, mitteilen möchte, dann versagt ihr Stimmchen. Also pfeift sie nur kurz (das heisst: "bitte, gewähre mir die Gnade, kurz deine königlichen Blicke und huldvolle Aufmerksamkeit in meine Richtung zu lenken"), und macht dann mit dem Stab die x-mal erprobten und eintrainierten Zeichen. Für den unbedarften Menschen sieht das so aus, als würde sie mit dem Stab wild in der Luft herumfuchteln. Aber die Wirklichkeit ist ganz anders! Ich verstehe natürlich diese Zeichen (schliesslich habe ich selbst sie definiert), und kann die in ihnen enthaltenen Informationen angemessen in Taten umsetzen.
Auf kurze Entfernung kann sie auch ähnliche Zeichen mit der Hand machen, das funktioniert genau so gut.

Zum Beispiel: Mammi signalisiert: "Trecker auf 11 Uhr". Nun sind Trecker und die auf ihnen sitzenden Menschen recht schreckhaft, daher ist es wichtig, sich ruhig und würdevoll hinzulegen, und so dem Trecker und seinem Menschen zu zeigen, dass ihm von mir und meinem Büttel kein Arg droht. Mitunter sind die Treckermenschen dann so erleichtert und froh, dass sie mir dankend zuwinken. Ich pflege dann huldvoll zu nicken, die Menschen mögen so etwas!

Das ist irgendwie so ähnlich, wie beim Dirigenten von einem Orchester, der hat nämlich auch so ein Stäbchen in der Hand, und fuchtelt damit und mit der anderen, unbestabten Hand scheinbar wild in der Luft herum. Wir alle wissen natürlich, dass dem nicht so ist, er fuchtelt nicht, sondern gibt seinen Musikern den Takt an, sowie besondere Anweisungen. Insofern ist ein Vergleich mit Mammis "Zauberstab" unvollkommen, weil Mammi ja keine Anweisungen, sondern Informationen signalisiert. Na ja, irgendwo ist es doch ziemlich ähnlich, weil Mammis Informationen mich doch zu bestimmten Handlungen veranlassen.

Manchmal fahren wir mit dem Auto zu einem sogenannten Stall, da sind viele Hunde, etliche Pferde und auch ein paar Menschen, und die sind alle sehr nett zu mir und auch zu Mammi. Katzen sind auch da, aber die darf Happy nicht jagen, weil die da zu Hause sind, und somit unter dem Schutz des Hausfriedens stehen.
Und dann holt Mammi oft ein Pferd irgendwo heraus und tut so eine Art Sitz drauf, und steckt Zügel irgendwo rein, ähnlich wie bei den Kutschen und sicherlich auch beim Auto, und setzt sich drauf. Es handelt sich hierbei nämlich um ein grosses Pferd, viel grösser jedenfalls, als die, die unter dem Vorderteil von Mammis Auto sind. Leider hat dieses Pferd (sie nennt es abwechselnd "Feuer" oder "Schneckerl", was ich nicht ganz verstehe) trotz seiner Grösse keine Sessel oder Sofas, sondern nur einen einzigen, recht kleinen und harten Sitz, und ich muss dann sehen, wie ich mein Volk samt Happy zusammen halte, und Mammi samt ihrem Pferd nicht aus den Augen verliere, wenn sie mit dem Pferd auf und davon läuft. Oder, korrekter: wenn das Pferd mit ihr auf und davon rast. Es ist schliesslich undenkbar, dass Mammi sich etwa freiwillig von ihrem König und Beschützer entfernen könnte.

Aber, eins muss gesagt sein: Obwohl das "Schneckerl" oder "Feuer" genannte Pferd wesentlich längere Beine hat, als Meine Majestät, bin ich dennoch fast genau so schnell!

Besonders schön wird aber ein vom Mammi so genannter "Ausritt" am Strand, denn dann habe ich einen Sparringpartner, mit dem das Rennen wirklich einen riesigen Spass macht. Auch, wenn diese Rennen derzeit praktisch immer mit mir als Zweitem und mit Feuer als Vorletztem enden, ein wahrer Sportler wie ich stört sich ja nicht an derartigen Kleinigkeiten. Der Rausch der Geschwindigkeit ist das Ziel!-
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