Shaping mit dem Zeitfenster

Beim Shaping mit dem Zeitfenster lernt Dein Hund ein Verhalten, daß er in den Grundzügen schon beherrscht, einen gewissen Zeitraum beizubehalten. Er kann damit auch lernen, ein Verhalten schneller auszuführen. Im Gegensatz zum üblichen Training wird der Hund aber nicht durch ständige Korrektur demotiviert und entmutigt, sondern man tastet sich Schritt für Schritt an das gewünschte Ergebnis heran, auch hier gilt das Prinzip des Lernens am Erfolg. Korrigierende Einwirkungen entfallen dabei und Dein Hund wird in seiner Ausdauer, seiner Kreativität und Freude beim Training nicht gehemmt, sondern gefördert. Macht Dein Hund hierbei etwas “falsch”, steht er beispielsweise aus der “Down”-Lage auf, wird er nicht korrigiert, wohl aber bleibt die Belohnung aus. Das Ergebnis ist verblüffend, ich habe schon Hunde erlebt, die beim Training ihren Fehler erkannt und sich selbstständig korrigert haben und das unter großer Ablenkung.

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Die Dauer eines Verhaltens erhöhen – das Zeitfenster öffnet sich

Nehmen wir wieder das “Down” als Beispiel, Dein Hund kann diese Übung schon recht gut und nun möchtest Du das Liegenbleiben angehen. Du fängst wieder mit ganz kleinen Schritten an, so wie Du das beim Shaping schon gelernt hast. Diesmal lautet die Aufgabe “bleib liegen”.

In der ersten Stufe dieses Shapingprogramms ist Deine Zeitvorgabe (hier im Beispiel) 10 Sekunden. Du übst wieder genau so wie gewohnt, doch diesmal zögerst Du den Click ein paar Sekunden hinaus. Sobald sich Dein Hund hinlegt, zählst Du die Sekunden. Bei 10 clickst und belohnst Du. Nach dem Click kann er aufstehen, der Click beendet die Übung. Der Click, der ja das erwünschte Verhalten markiert, bedeutet nun nicht mehr, “Hinlegen war richtig”, sondern “Liegenbleiben war richtig”, ein kleiner aber wichtiger Unterschied. Versuche wieder zu Beginn die Anforderung, also hier die Dauer des Zeitfensters, so zu wählen, daß Dein Hund auf jeden Fall eine große Chance auf ein Erfolgserlebnis hat. Steht Dein Hund vorher auf, gibt’s nichts. Kein Click, keine Belohnung und auch keine Beachtung von Dir. Gegebenenfalls kannst Du ihm mit “Falsch!” mitteilen, daß es keine Belohnung geben wird, mehr nicht. Hast Du den Eindruck, Dein Hund hat verstanden worum’s geht, kannst Du die Anforderungen etwas erhöhen. Das bedeutet, Du änderst die Vorgabe des Zeitfensters, jetzt sind nicht mehr 10 Sekunden sondern 12 die Bedingung für den Click und die Belohnung. Du wirst sicher bald ein Gefühl dafür bekommen, wie groß Du die Schritte wählen kannst, so steigerst Du die Anforderung Schritt für Schritt.

Klappt das ganz gut, kannst Du die variable Bestärkung einführen und unter Ablenkung üben. Wahrscheinlich musst Du hierbei die Anforderung erst mal wieder etwas reduzieren, vielleicht sogar ganz zurück in den “Kindergarten”. Das macht nichts, oft ist so eine kleine Durststrecke der Anfang eines entscheidenden Schritts nach vorne.

Dieses Zeitfenster kannst Du nun für alle möglichen Übungen verwenden. Wenn Dein Hund “Fuß” lernen soll, kannst Du ebenfalls die Sekunden zählen oder die Schritte, das Prinzip ist das gleiche.

Hier steht Banner w200-rightDie Ausführung eines Verhaltens beschleunigen- das Zeitfenster schließt sich

Bleiben wir beim “Down” als Beispiel. Ein weiteres Verhaltensdetail dieser Übung ist das Hinlegen. Nun wird also das “Liegenbleiben” nicht berücksichtigt, Du hast es vielleicht mit dem öffnen des Zeitfensters ausreichend geübt und es klappt gut. Für Verhaltensdetails gilt:

Wenn Du ein ganz bestimmtes Verhaltensdetail übst, lässt Du die anderen Details außer acht.

Das schnelle Hinlegen übst Du nun also als eigenständige Übung, hier im Beispiel lautet Deine Vorgabe für das erste Zeitfenster “leg Dich innerhalb von 5 Sekunden hin”. Der Vorgang des Hinlegens ist nun also relevant, nicht das Liegenbleiben. Das bedeutet, sobald Dein Hund liegt, clickst und bestärkst Du, die Aufgabe ist gelöst.

Auch hier solltest Du wieder darauf achten, daß Dein Hund die von Dir gewählte Anforderung ohne Probleme bewältigen kann, also das Zeitfenster am Anfang durchaus großzügig bemessen ist. Klappt das gut, ist die Erfolgsquote hoch, Dein Hund bleibt motiviert und wird das Verhalten schon bald etwas schneller zeigen.

Das ist der Zeitpunkt, die Anforderungen etwas zu erhöhen, hier also das Zeitfenster zu schliessen. Deine neue Vorgabe lautet “leg Dich innerhalb von 4 Sekunden hin”. Braucht er länger, gibt’s nun keinen Click mehr und natürlich auch keine Bestärkung.

So schliesst sich das Zeitfenster allmählich und Du hast nun einen Weg gefunden, mit Deinem Hund gezielt die schnellere Ausführung eines Verhaltens zu üben, ohne auf Strafe, Strafandrohung oder ähnliches zurückgreifen zu müssen. Wie sinnvoll das ist, wirst Du erkennen wenn sich Dein Hund frei von Angst und Unsicherheit förmlich in’s Down schmeisst, er hat das Verhalten gut gelernt, weiß was gefordert ist, ist hochmotiviert und frei von Angst und Unsicherheit. Die besten Voraussetzungen um das Verhalten auch unter Ablenkung zu zeigen.

Nun kannst Du Dich wieder dem Liegenbleiben widmen, schließlich die Details aneinanderfügen und die Ausführung dieser (ganz einfachen) Verhaltenskette bestärken, sprich Du clickst einfach nach schnellem Hinlegen und langem Liegenbleiben. Nimmt die Qualität eines Details ab, weisst Du nun einen Weg, dieses Detail gezielt zu verbessern.
Wenn Du eine schnellere Ausführung üben willst, sind folgende Tips vielleicht ganz hilfreich:

Schnelleres Ausführen eines Verhaltens erreicht man auch über variable Bestärkung, d.h. der Grund für ein zögerliches Verhalten kann auch ein zulanges Beibehalten der Immerbestärkung sein. Eine Lotterie ist ungleich spannender als eine regelmäßige Lohnfortzahlung, der Hund empfindet da ählich wie der Mensch.

Es kann aber auch das Gegenteil angebracht sein, dann ist ein zögerliches Verhalten Ausdruck von Unsicherheit. Hat das Verhalten bei Immerbestärkung wirklich gut geklappt? Hat Dein Hund wirklich “verstanden” um was es geht? Vielleicht bist Du zu schnell vorgegangen, dann wäre das Schliessen des Zeitfensters zum jetzigen Zeitpunkt verkehrt, die Unsicherheit würde zunehmen. Geh stattdessen nochmal zurück in den “Kindergarten”, übe unter geringer Ablenkung bei Immerbestärkung. Um solche Unsicherheiten zu vermeiden solltest Du Dich an folgende Regel halten:

Erst wenn das Verhalten auch bei variabler Bestärkung zuverlässig und wiederholt gezeigt wird, kannst Du die Anforderungen erhöhen.

Ist Dein Hund spielbesessen, ball- oder beißwurstverrückt ist diese Art der Bestärkung vielleicht besser geeignet um das Verhalten zu beschleunigen. Probier’s mal aus, vielleicht wirkt’s Wunder.

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