Einführung – Seite 2

Einige Beispiele zum situationsgebundenen Training:

Leinenführigkeit: Beim täglichen Spaziergang soll Dein Hund an lockerer Leine gehen und Dir nicht den Arm ausreissen. Signal für das Verhalten ist die Leine selbst. Du brauchst keinen Befehl dafür.

Jogger, Radfahrer: Dein Hund soll sie nicht anspringen oder umwerfen, hetzen oder beissen, sondern ein Wunschverhalten Deiner Wahl zeigen. Auch hier ist das “Objekt” selbst das Signal für Deinen Hund, auch hier brauchst du keinen Befehl.

Ajax und Ferdi müssen immer warten, wenn sich die Autotüre öffnet. Egal ob ich BLEIBEN! sage oder nicht. Denn ich könnte es ja auch mal vergessen. Also hab ich genau diese Situation trainiert. Die sich öffnende Autotür ist das Signal für dieses Verhalten in dieser Situation. Rausgesprungen wird erst, wenn ich es ihnen sage.

-> Verhalten auf Signal

Hier steht Banner w200-leftZum anderen üben wir, Verhalten in verschiedenen Situationen reproduzierbar, abrufbar zu machen. Jeder Hund kann sich setzen, er tut es zig mal am Tag. Du möchtest nun, daß er es tut, wenn Du SITZ! sagst. Das nennt man “Signalkontrolle”, Dein Hund soll sich in jeder Situation, also auch im belebten Strassencafe oder im Gewühl einer Fussgängerzone hinsetzen, sobald Du SITZ! sagst. Dabei musst Du bedenken, daß Dein Wunschverhalten oft den natürlichen Bedürfnissen Deines Hundes widerspricht. Es ist oft einfach unlogisch für ihn, untrainiert würde er sich anders verhalten. Nähert sich z.B. ein anderer Hund, ist es ausserordentlich problematisch für Deinen, sich nun hinzulegen, selbst wenn Du ihm PLATZ! sagst. Sein natürliches Bedürfnis nach Sicherheit verlangt von ihm, zu stehen, sich dem anderen zu nähern und Kontakt mit ihm aufzunehmen. Es ist also Deine Aufgabe, Dich über die natürlichen Verhaltensweisen Deines Hundes zu informieren, damit Du nicht unmögliches von ihm erwartest.

Vieles kannst Du Dir anlesen, einige Bücher über Verhalten findest Du hier im Shop, ich persönlich finde es aber viel informativer, Hunde zu beobachten. Also schau Dir wo immer es möglich ist, Hunde an, beobachte sie und achte darauf, in welchen Situationen sie sich wie verhalten. Vieles kannst Du in Dein Training übernehmen, denn Hunde haben natürliche, bemerkenswerte Fähigkeiten, Probleme zu lösen. Du kannst viel von ihnen lernen, wenn Du dich an ihrem Verhalten orientierst.

100%ige Signalkontrolle, gibt es die?

Natürlich nicht, Dein Hund ist ein Lebewesen und keine Maschine. 100%ige Signalkontrolle würde bedeuten, daß Dein Hund immer und nur auf Deinen Befehl dieses Verhalten zeigt. Er dürfte sich also NIE setzen, wenn Du nicht SITZ! gesagt hast, und müsste sich IMMER setzen, wenn DU SITZ! sagst. Auch wenn einige Leute das anstreben, es ist nicht zu erreichen und sollte auch nicht Dein Ziel sein. Ungehorsam kann auch mal notwendig sein um sich selbst zu schützen und Du solltest Deinem Hund zugestehen, sich diesen Schutz zu gewähren, selbst wenn Du dich mal falsch verhalten und eine Situation nicht oder falsch erkannt hast.

Eine möglichst gute Signalkontrolle erreichst Du durch Training. Aber auch durch Nachdenken, bevor Du das Kommando gibst. Kann Dein Hund jetzt das Wunschverhalten überhaupt zeigen? Was spricht dafür, was spricht dagegen? Kennt er diese Situation schon? Wenn Du Dir nicht sicher bist, gib lieber kein Kommando. Denn jeder Fehlversuch macht’s Dir schwieriger, die Signalkontrolle über ein Verhalten zu erlangen.

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Ein Verhalten “durchsetzen”?

Das musst Du situationsbedingt entscheiden. Tatsache ist, daß Du mit dem Geben eines Kommandos in eine Art “Zugzwang” gerätst. Denn Du möchstet ja, einen möglichst engen Zusammenhang zwischen Kommando und Verhalten erreichen. So gesehen würde “Durchsetzen” schon Sinn machen. Allerdings gibst Du mit dem Durchsetzen selbst schon wieder so viele Körperhilfen oder Signale von Dir, daß ein Lernerfolg sehr fraglich ist.

Heinerle zum Beispiel würde ich nicht auf die Kruppe drücken um ihn zum SITZ zu überreden…

Manche Hunde verbitten sich auch das Durchsetzen energisch, wehren sich oder entziehen sich einfach durch Flucht. Dann solltest Du es nicht tun, denn ist das Kind erst mal in den Brunnen gefallen und Dein Hund hat gelernt, sich gegen Dich zu stellen, oder durch Abhauen der unangenehmen Situation zu entkommen, wird er das nur schwer wieder aufgeben. Auch das ist Lernen am Erfolg, hat nichts damit zu tun, daß Dein Hund nun “schwer-” oder gar “unerziehbar” ist. Das Gegenteil ist der Fall, er hat sehr gut gelernt, nur eben nicht das, was Du wolltest. Trotzdem kann es ab und zu notwendig sein, daß Du auf der Ausführung deines Kommandos bestehst und Deinen Hund korrigierst. Aber sei Dir bewusst, daß Du viel mehr erreichst, wenn Du sinnvoll und in kleinen Schritten die Anforderungen steigerst und so auf Zwangseinwirkungen verzichten kannst. Nicht nur eine gute Signalkontrolle sollte Dein Ziel sein, sondern in erster Linie eine vertrauensvolle, harmonische Beziehung zwischen Dir und Deinem Hund. Da musst Du auch mal abwägen, was nun besser ist für euch beide. Versäumtes Training kann man nachholen, einen Knacks in Eurer Beziehung kann man nicht so einfach kitten.

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